Ausländische Fahrzeuge

Was heute zum täglichen Bild einer internationalen Bahnlinie gehört, war vor Jahren eine Seltenheit. Ausländische Fahrzeuge in einem Land, für das sie nicht gebaut wurden. Gerade aus dem heutigen Blickwinkel scheint ein solches Unterfangen nicht als logisch. Nur damals war vieles anders. Mit solchen Fahrzeugen konnten Vergleiche angestellt werden, oder aber man wollte sie präsentieren.

Gerade die beiden Linien über den Gotthard und den Lötschberg sind immer wieder für solche Fahrten herangezogen worden. Dabei sind es die Strecken, nicht unbedingt die Bahnen, die das Interesse weckten. Gerade die Gotthardstrecke mit ihrer langen Südrampe ist da ein gutes Beispiel. Es ist eine Tatsache, dass es auf keiner anderen Europäischen Bahn so lange mit Gefällen über 22‰ talwärts geht. Eine Herausforderung für Bremsen von Lokomotiven und Wagen.

So kommt es, dass viele Hersteller diese Strecke gerne für Tests benutzten. Gerade bei Wagen ist das sehr oft der Fall. Für Lokomotiven ist diese Strecke natürlich auch eine Herausforderung. Grund genug, sich einige Gedanken um diese Fahrzeuge aus dem Ausland Gedanken zu machen. Trotzdem, jedes europäische Fahrzeug wird nicht behandelt werden, denn Triebfahrzeuge, die geschleppt verkehren gelten in der Schweiz als Anhängelast und sind so nahezu gleich gestellt wie Wagen.

Für Profis ist das nicht so einfach, aber wir wollen uns hier nicht mit Beförderungsplänen, Bremsstellungen und solchen Themen befassen, das überlassen wir lieber den Profis. Wir wollen die Fahrzeuge kennen lernen, die aus eigener Kraft über den Gotthard und den Lötschberg fuhren.

Die kommerziellen Fahrten, die mit der neuen Regelung des freien Netzzuganges erfolgten oder erfolgen bleiben hier unerwähnt, denn solche Fahrzeuge sind in der Schweiz zugelassen und fallen deshalb nicht unter die speziellen Regelungen. Zudem sind viele der Fahrzeuge vorgängig getestet worden, was deshalb deren Auflistung bei den Versuchen begründet.

Die Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Direkt zu den Fahrzeugen auf der Lötschbergstrecke geht es hier.

 

Gotthardstrecke

Aufgrund ihrer permanenten Verkehrsüberlastung wurde die Gotthardstrecke nur selten für ausländische Versuchsfahrten genutzt. Zwar besitzt die Gotthardstrecke, wie schon erwähnt, das längste Gefälle mit einer Neigung von über 22 ‰. Nur wenn es keinen Platz für Testfahrten hat, nützt das nicht viel.

 

Versuchsfahrten

Bei Versuchsfahrten geht es auf der Gotthardstrecke oft darum, wie sich eine Lokomotive unter langen Einsätzen an der Leistungsgrenze bewährt. Die Steigungen und Gefälle dieser Bergstrecke beanspruchen Fahrzeuge oft sehr stark. Deshalb sind gerade die Hersteller an Fahrten auf dieser Strecke interessiert. Mit dem Depot Erstfeld steht zudem ein Unterhaltsstandort für allfällige Anpassungen oder Veränderungen in unmittelbarer Nähe bereit.

Da aber solche Versuche oft die stark belastete Strecke mit ausserordentlichen Halten und Anfahrversuchen zusätzlich belasten, sind sie selten. Trotzdem sind im Lauf der Jahre viele Interessante Fahrzeuge an den Gotthard gekommen.

 

Jahr Bahn Fahrzeug Bemerkungen
1996 Cisalpino AG ETR 470 Seit 1996 verkehren die Triebzüge der Cisalpino AG auf der Gotthardstrecke. Vorgängig wurden die Züge auf der Strecke erprobt. Dabei wurden auch benötigte Einstellungen am Fahrzeug vorgenommen.
1997 FS E 412'002 Die neue Mehrsystemmaschine der FS, die auch unter dem Namen Brennerlok bekannt wurde, absolvierte die Testfahrten unter 15 kV am Gotthard. Zu einem weiteren Einsatz kam es hingegen nicht.
2001 DB 185'001 Zusammen mit der 185'003 absolvierte diese Maschine der DB in diesem Jahr erste Versuchsfahrten in der Schweiz. Mittlerweile sind sie täglich auf der Gotthardstrecke anzutreffen. Informationen zu diesem Loktyp finden Sie auch unter Re 482.
2001 DB BR 403 Der ICE 3 wurde für Erwärmungsfahrten auf der Südrampe getestet. Planmässig war er jedoch nicht für einen Einsatz in der Schweiz vorgesehen. Zudem gehörte die Bergstrecke auch nicht gerade zu den Gebieten von Hochgeschwindigkeitszügen.
2003 SNCF 437'001 Die neue Dreisystemmaschine der SNCF wurde am Gotthard im Rahmen der Zulassungsfahrten eingesetzt. Die Lokomotive wurde anschliessend auf der Strecke Basel – Buchs SG eingesetzt. Einen planmässigen Einsatz am Gotthard gab es jedoch nicht.
2003 Siemens ES 64 F4 Die Zulassungsfahrten der ES 64 F4 001 (BR 189) in der Schweiz führte die Lok auch an den Gotthard und weiter in Richtung Italien. Sie entsprach der durch SBB Cargo bestellten Re 474. Lokomotiven dieser Baureihe werden heute von verschiedenen kleinen EVU am Gotthard eingesetzt.
2004 Bombardier TRAXX 140 AC Bei der Maschine handelt es sich um eine Weiterentwicklung der BR 185. Die Veränderungen wurden am Gotthard erprobt. Letztlich gelangten einige Maschinen dieses Typs als Re 482 zu SBB Cargo. Sie sind gelegentlich am Gotthard zu sehen.
2006 SNCF TGV - POS Der TGV für die Verbindung Paris – Basel – Zürich HB absolvierte in der Schweiz seine Zulassungsfahrten So auch auf der Südrampe des Gotthards.
2008 Cisalpino AG ETR 610 Das Nachfolgemodell des ETR 470 absolvierte wie sein Vorgänger viele Versuchsfahrten am Gotthard. Der Zug wurde im Hinblick auf den kommerziellen Einsatz getestet.
2008 DB VT 612 Mit dem VT 612 kam erstmals ein thermisch geführtes Fahrzeug am Gotthard zu mehreren Fahrten. Die Fahrten dienten der Erfassung von wichtigen Daten für den Einsatz von Neigezügen. Der Zug verbrachte seine Nachtlager im Depot Erstfeld.
2008 DB BR 401 Ein verkürzter ICE 1 der DB befuhr die Gotthardstrecke im Rahmen von Abnahmefahrten. Dabei ging es in erster Linie um die Einrichtungen der ETCS Zugsicherung. Der Zug fuhr früher schon einmal in voller Länge nach Flüelen.

Wie Sie vermutlich feststellen konnten, sind bei den Fahrzeugen einige Maschinen aufgeführt, welche später in kommerziellen Einsatz am Gotthard eingesetzt wurden. Es erübrigt sich so, die kommerziell eingesetzten Fahrzeuge aufzulisten. Die einzige Ausnahme bisher, die nicht erwähnt wurde ist die Reihe ES 64 U2 von Siemens, welche die Testfahrten am Lötschberg absolvierte.

Ab und zu konnten auch Fahrzeuge beobachtet werden, welche über den Gotthard zu den Kunden geführt wurden. Da in Italien mehrheitlich mit Gleichstrom gefahren wurde, waren es oft geschleppte Züge. Jedoch befuhr ein FLIRT, der für das Südtirol bestimmt war die Strecke in eigener Kraft. Der Grund lag in der fehlenden Zulassung für Österreich und Bauarbeiten an der Arlbergstrecke. Deshalb musste der Fahrweg über den Gotthard gewählt werden.

Weitere Fahrzeuge kamen auch auf Bestellung der SBB zum Einsatz. Besonders die Untersuchung der Gleisanlagen mit Ultraschall machte dabei den Besuch ausländischer Messtriebwagen notwendig. Solche Fahrzeuge sind teuer in der Anschaffung. So ersparten sich viele Bahnen eine Anschaffung. Stattdessen bestellten sie die entsprechenden Fahrten bei einem Anbieter. Das Bild unten zeigt einen solchen Einsatz. Die Lok der SBB ist dabei nur wegen eines Defektes vorgespannt worden.

Es kamen noch andere Fahrzeuge auf der Gotthardstrecke zum Einsatz. Diese Fahrten erfolgten aber meistens im Rahmen von Feierlichkeiten oder als Notalgiefahrten. Es kam aber auch zu speziellen Fahrten, die für Filmaufnahmen getätigt wurden.

 

Film- und Nostalgiefahrten

Nun, Filmaufnahmen auf Strecken, die nicht zu einem Fahrzeug passen sind selten. Besonders dann, wenn es sich nicht um passende Fahrten handelt. Meisten erfolgen solche Fahrten für Filme mit Fahrzeugen des Landes, auch wenn die Geschichte in anderen Ländern spielt. Gerade für Fachleute der Bahn können dann solche Filme schon etwas Verwunderung auslösen.

Auch Feierlichkeiten üben oft einen Anreiz aus, um Sonderfahrten zu veranstalten. Lokomotiven aus anderen Ländern besuchen dann die gefeierte Bahnlinie. Es kommt so zu Nostalgiefahrten, die jeder Realität widersprechen. Trotzdem, die Fahrzeuge wurden auf der Strecke eingesetzt und sollen hier erwähnt werden, auch wenn der historische Aspekt nicht stimmt.

 

Jahr Bahn Fahrzeuge Bemerkungen
1990 FS 685.196 Die Dampflokomotive wurde zwischen Melide und Lugano für Filmaufnahmen eingesetzt. Wie gut das passte können Sie sich selber ausmalen. Denken Sie daran, dass der Dampfzug unter einer Fahrleitung verkehrte und dabei eine Strecke befuhr, die von einer Autobahn begleitet wird.
1997 SNCF 141 R 1244 Die Grossdampflokomotive, die dem Klub Mikado 1244 gehört, befuhr anlässlich des 150 Jahr Jubiläums der schweizer Bahnen die Gotthardstrecke. In diesem Jahr als einzige Dampflok in Alleinfahrt. Die anderen Dampffahrten wurden immer elektrisch unterstützt.
2007 DR 50 3673 Anlässlich der 125 Jahr Feier der Gotthardstrecke befuhr die DR-Reko Dampflok, die sich im Besitz von Eurovapor befindet am 2. Juni 2007 die Gotthardstrecke. Auch sie wurde elektrisch unterstützt.
2007 ÖBB 1020 Ebenfalls zum 125 Jahr Jubiläum fuhr das österreichische Gegenstück zur DB 194 am 7. und 8. Juli über den Gotthard. Die Lokomotive wird oft einer eigentlichen Krokodilbauweise zugeschlagen. Dabei handelt es sich wie bei der Ce 6/8 II um eine Gelenklokomotive.
2007 CSD

498.022

475.111

Die beiden Dampflokomotiven 498.022 und 475.111 reisten aus Tschechien zum am 8. und 9. September stattfindenden Gotthardjubläum. Die Fahrt über die Bergstrecke wurde den beiden Lokomotiven untersagt, so dass sie nur bis Erstfeld fuhren und dort ausgestellt wurden.
2007 DB

01 202

01 1066

Mit den beiden Lokomotiven der Reihe 01 wurde ein unrühmliches Kapitel am Gotthard geschrieben. Bei der Fahrt über den Gotthard wurden (wohl aus Spektakel) durch die beiden Lokomotiven so dichte Rauchfahnen ausgestossen, dass die danach verkehrende Re 484 in einem Tunnel stecken blieb. Die Gotthardstrecke ist seither für Dampffahrten gesperrt.

Die Geschichte der beiden Lokomotiven 01 zeigt deutlich, wie problematisch solche Schaulaufen nicht zu einer Strecke passender Lokomotiven sein kann. Kommt hinzu, dass bei solchen Fahrten das Personal nicht immer über die notwendige Streckenkenntnis mit den Problempunkten einer Strecke verfügt. Gerade bei Dampflokomotiven lässt sich das Lokpersonal oft zu unnötigem Qualmen verleiten. Dies sicherlich zur Freude der oft zahlreich vorhandenen Fotografen.

Es soll hier natürlich nicht zu einer Verurteilung der direkt betroffenen Kollegen kommen. Vermutlich wussten diese Kollegen auch nicht, dass die Gotthardbahn oder auch die SBB zu Zeiten der Dampftraktion die Lokführer und Heizer für unnötiges qualmen in Tunnel oder in Bahnhöfen massiv bestraften.

 

Versuche im Basistunnel

Der Basistunnel durch den Gotthard wird nach seiner Fertigstellung für Versuchsfahrten genutzt werden, denn mit seiner Länge von 57 km übertrifft er alles. Zudem werden im innern Temperaturen erwartet, die klimatisch hohe Anforderungen an die Triebfahrzeuge stellen werden. Bis es aber soweit ist, gehört alles dazu noch ins Reich der Spekulationen.

Doch wechseln wir zu einer Strecke, wo Dampflokomotiven völlig fehl am Platz sind, wurde sie doch von Anfang an elektrisch betrieben.

                       

 Lötschbergbahn

Die Lötschbergstrecke wurde im Gegensatz zum Gotthard sehr oft für Triebfahrzeugversuche genutzt. Dabei ist das eigentlich überraschend, denn die BLS-Bergstrecke war lange Jahre eine einspurige Strecke. In einspurigen Abschnitten sind Anfahrversuche oft mit längeren Unterbrüchen verbunden. Erst der Ausbau auf Doppelspur machte dieses Manko wett.

Für Hersteller ist diese Strecke jedoch beliebter als die Gotthardstrecke. Sprachen für die Gotthardstrecke noch die Bremsen und die Dauerlasten, sind es für den Lötschberg die Zugkräfte. Die etwas steilere Strecke war gegenüber dem Gotthard für Anfahrversuche wie geschaffen. Darum verwundert es nicht, dass viele Lokomotiven für Versuche zu Gast waren.

Weiter sprach für den Lötschberg, dass es dort durchaus noch freie Kapazitäten gab, so konnte problemlos ein Gleis speziell für diese Fahrten präpariert werden, während der normale Verkehr über das andere Gleis ohne Störungen abgewickelt wurde. Eine Methode, die am Gotthard unvorstellbar war.

 

Versuche auf der Bergstrecke

Schon früh begannen Versuchfahrten mit ausländischen Fahrzeugen. Die Entwicklung der Lokomotiven der BLS war damals eine Herausforderung. Die ausländischen Bahnen besuchten die BLS um Vergleiche mit den Maschinen der BLS anzustellen. Es gab aber auch Fahrten, die sich die BLS zu nutze machte und die Ergebnisse sogleich in eine neue Entwicklung brachten.

 

Jahr Bahn Fahrzeuge Bemerkungen
1960 SNCF BB 20104 Die französische Mehrsystemlokomotive machte diverse Versuchsfahrten auf der Nordrampe des Lötschbergs. Zum Vergleich wurde eine Ae 4/4 der BLS herangezogen. Diese Versuche bildeten schliesslich die Grundlage für die Re 4/4 der BLS.
1971 DB ET 420 Dieser für die S-Bahn München gebaute Triebzug absolvierte auf der BLS Versuchsfahrten. Dabei wurden mit diesem thyristorgesteuerten Fahrzeug Vergleiche mit der Ae 4/4 II 261 angestellt, die auch über Thyristoren verfügte.
1980 DB 120'003 Es fanden mit dieser Lok Testfahrten im Vergleich mit den Re 4/4 der BLS statt. Dabei stellte sich heraus, dass die BLS Lok die Zugkraft besser auf die Schienen bringt als die neue Lokomotive mit Umrichtertechnik. Speziell an diesen Fahrten war, dass die Lok die ganze Zeit mit gesenkten Stromabnehmern verkehrte und die Energie aus einem Messwagen bezog.
1983 DB 120'004 Die neue Umrichterlok wurde nach Optimierungen beim Antrieb am Lötschberg ausgiebig getestet. Diesmal kam eine Schwester der ersten Lok zu dieser Ehre. Re 4/4 der BLS war jedoch vor allem bei nassen Schienen immer noch besser.
1984 DB 221'140 Da die Stromversorgung der Lötschbergstrecke in dieser Zeit zu schwach war, wurden versuchsweise einige Züge mit gemieteten DB Dieselloks bespannt. Planeinsätze gab es aber nicht.
1994 Siemens 127'001 Der Eurosprinter absolvierte einen grossen Teil seiner Messfahrten auf der Nordrampe der Lötschberglinie. So konnten Vergleichswerte mit der BR 120 herangezogen werden. Anlässlich dieser Versuche gab es auch einen Abstecher an den Gotthard.
1996 Cisalpino AG ETR 470 Seit 1996 verkehren die Triebzüge der Cisalpino AG auf der Lötschbergstrecke. Vorgängig wurden die Züge auf der Strecke erprobt. Dabei wurden auch  benötigte Einstellungen am Fahrzeug vorgenommen.
1997 AEG 128'001 Die Versuchsmaschine von AEG kam mit der ersten Fusion zur ADtranz und somit in die Schweiz. Im Verlauf dieser Fusionen kam der Versuchsträger des öfteren in die Schweiz zum Einsatz. Mittlerweile ist er mehr in der Schweiz als in Deutschland unterwegs.
1998 OSE A 475 Die Griechischen Staatsbahnen bestellten diese aus der BR 128 weiterentwickelte Diesellokomotive. Die Endmontage fand zum Teil in der Schweiz statt, so dass die Lok auch hier ihre ersten Gehversuche unternahm. Dazu gehörte unter anderem auch die Lötschbergstrecke.
1998 DB 152'003 Zusammen mit ihrer Schwester der 002 beförderte die Lok den 3’200 Tonnen schweren Tonerdezug von Deutschland durch die Schweiz bis Domodossola. Zu einem planmässigen Einsatz dieses Loktyps kam es aber nie.
1999 DB 145'001 Mit der 016 zusammen wurde die Lok am Lötschberg ausgiebig getestet und in der Schweiz vorgestellt. Die erhoffte Bestellung kam schliesslich von der mittlerweile nicht mehr existierenden Mittel Thurgau Bahn.
2001 DB 185'001 Mit der 003 zusammen absolvierte die Lok ausgiebige Test- und Zulassungsfahrten am Lötschberg. Letztlich kam es zu einer Bestellung dieses Typs. Die Lokomotive wurde bei der BLS als Re 485 eingereiht.
2001 DB BR 403 Der ICE 3 wurde für Erwärmungsfahrten auf der Lötschbergstrecke ausgiebig getestet. Planmässig ist er jedoch nicht für einen Einsatz in der Schweiz vorgesehen worden.
2001 Siemens ES 64 U2 Die Lokomotive vom Lokpool der Siemens Dispolok absolvierte ihre Zulassungsfahrten am Lötschberg. Zeitweise zusammen mit der baugleichen Lok von Hupac.
2008 Cisalpino AG ETR 610 Das Nachfolgemodell des ETR 470 absolvierte wie sein Vorgänger viele Versuchsfahrten am Lötschberg. Der Zug wurde im Hinblick auf den kommerziellen Einsatz getestet, obwohl planmässig die Basislinie befahren wird.

Sie haben vielleicht bemerkt, dass die Lötschbergstrecke vermehrter besucht wurde. Das überrascht nicht sonderlich, denn eine verhältnismässig kleine Bahn wie die BLS musste sich immer an anderen Bahnen orientieren. Zwar oblag ihr die erste Entwicklung, die Be 5/7 waren ihrer Zeit sicherlich voraus, jedoch muss klar gesagt werden, dass mit dem elektrischen Betrieb am Gotthard viel verloren ging.

Die schweizer Industrie hatte plötzlich eine Staatsbahn, mit der sie Experimente und Versuche anstellen konnte. Hier zu erwähnen ist da sicherlich die Ae 8/14 11852, welche letztlich in den Besitz der SBB überging. Ohne Hilfe von anderen Bahnen hätte sich die BLS eine solche Entwicklung kaum leisten können. Die Folgen wären schon früh klar gewesen, die BLS lässt SBB-Lokomotiven bauen.

So kam es, dass die BLS die Strecken oft zur Verfügung stellte, während man sich bei den SBB mit den Worten, kein Trassee frei, elegant aus der Affäre ziehen konnte. Nur, wenn wir hier von einer Konkurrenz im Lokomotivbau sprechen, müssen wir klar eingestehen, dass sich beide Bahnen zu Höchstleistungen trieben. Europa zeigte seine Wunder und die Schweiz entwickelte sie weiter, so könnte man es am besten ausdrücken.

 

Hilfeleistungen und Vorführfahrten

Gerade die nahezu vollständige Elektrifikation der Schweiz brachte die BLS immer wieder in Bedrängnis. Konnten anfänglich noch Dampflok geordert werden, musste man den Verkehr bei Ausfall der Energieversorgung gänzlich stilllegen. So musste sich die BLS immer wieder irgendwelche Aushilfen ordern. Aber die Strecke wurde auch für reine Vorführfahrten missbraucht. Grund genug, nicht lange um den heissen Brei zu sprechen.

 

Jahr Bahn Fahrzeuge Bemerkungen
1981 DB ET 403 Der Zug weilte für einige Tage in der Schweiz und befuhr dabei auch die Lötschbergstrecke. Zu mehr kam es auch nicht. Die Schweiz war damals alles andere als für schnelle Züge geeignet.
1992 VBK GT8 - 100 Die Strassenbahn aus der Deutschen Stadt Karlsruhe befuhr anlässlich ihrer Vorstellung in der Schweiz auch die Lötschberglinie. Sie läutete die Zeit für die neuen leichten Fahrzeuge für den Regionalverkehr ein. Nur eine Strassenbahn im Hochgebirge muss erwähnt werden.
1993 Italy Express VT 601 Der ehemalige TEE-Triebzug befuhr die Strecke mit einem Sonderzug. Nur Anhand einer speziellen Fahrordnung mit Bremskühlhalten durfte der Zug die Lötschbergstrecke befahren. Interessanterweise wurde die italienische Firma Italy Express mittlerweile durch SBB Cargo übernommen, wodurch dieser Zug vorübergehend in den Besitz eines auf Güterverkehr spezialisierten Unternehmens kam.
2000 BOB Integral Die Bayrische Oberland Bahn stellte ihre Intergral Dieselzüge der BLS zur Verfügung um trotz der durch die Lawinen und den schneereichen Winter beschädigten Fahrleitung Regionalzüge führen zu können. Dabei machte ein Zug auch einen Abstecher auf die Bergstrecke. Die Abkürzung BOB hat jedoch nichts mit der ab Interlaken verkehrenden BOB des Berner Oberlandes zu tun.

Nun, es gab schon immer Vorführungen und spezielle Fahrten um ein Fahrzeug zu präsentieren. Aber auf die Idee zu kommen mit einem Zug eine Bergstrecke zu befahren, der für anderen Bereich gebaut wurde scheint auf den ersten Blick unverständlich. Aber, so verrückt wie das klingen mag, ist es nicht.

Klar, wenn man von einer Strassenbahn im Hochgebirge spricht, ist man schon etwas irritiert, aber gerade Strassenbahnen sind in vielen Bereichen den Bergbahnen überlegen. Steile Gefälle gehören bei einer Strassenbahn zum täglichen Problem, deshalb sind deren Fahrzeuge ohne weiteres für eine Fahrt über eine Bergstrecke wie den Lötschberg geeignet.

 

Nostalgiefahrten

Keine Bahnlinie ohne ihr Jubiläum. Es ist so, alles was sich irgendwie länger als einen Hauch einer Sekunde hält hat eine Gesicht und somit ein Jubiläum. Solche Jubiläen bringen nicht nur Freude, denn jeder will in einem kleinen Bereich daran teilhaben. Davon blieben weder der Gotthard mit seinen Folgen noch die Lötschbergbahn verschont.

Dank dem späten Ausbau auf Doppelspur war hier sicherlich die Feier grösser, als das seinerzeit am Gotthard der Fall war. Man nahm es sicherlich zur Kenntnis, aber auch nicht mehr. Niemand erinnert sich heute daran. Einen ersten Hauch des Internationalen erlebte die BLS schon im Jahre 1988.

 

Jahr Bahn Fahrzeuge Bemerkungen
1988 DB 120'108 Die Serienmaschine war anlässlich des 75 Jährigen Jubiläums der BLS am Lötschberg. Sie sollte an die aus der Re 4/4 der BLS weiter entwickelte Drehstromtechnik erinnern.
1988 SNCF BB 20213 Während dem BLS Jubiläum verkehrte diese Lok zur Erinnerung an die 1960 erfolgten Versuchsfahrten mit der BB 20104. Leider konnte dazu nicht ein baugleicher Typ herangezogen werden.
1988 ÖBB 1044'123 Die Anhand der Erfahrungen mit den Re 4/4 erbauten Lokomotiven sind eine Weiterentwicklung der BLS-Maschine. Sie waren lange Jahre in Österreich kaum mehr aus dem hochwertigen Verkehr wegzudenken.
1992 ÖBB 1822'001 Die Lokomotive wurde im ABB Werk Oerlikon fertig montiert und anschliessend in der Schweiz getestet.1992 befuhr sie die Lötschbergstrecke zu Ehren der durchgehenden Doppelspurstrecke. Diese Maschinen wurden mittlerweile von der ÖBB verkauft.
1992 DB BR 401 Ebenfalls zu den Feierlichkeiten zur Doppelspurstrecke gelangte ein ICE nach Kandersteg. Am Zug mussten einige Anpassungen gemacht werden, damit er die Strecke in eigener Kraft befahren konnte. Heute fährt der Zug regelmässig nach Interlaken.
1992 SNCF TGV 112 Wie der ICE kam der TGV zu Ehren der Doppelspurstrecke nach Kandersteg. Obwohl später planmässige Einsätze auf der BLS geplant waren ist die Linie Neuenburg - Bern nach wie vor die einzige durch den TGV befahrene Strecke der BLS. Der Zug Nr. 112 gehört mittlerweile zum Bestand der SBB Fahrzeuge.
2000 DB VT 608 Dieser historische Dieseltriebwagen kam anlässlich einer Extrafahrt auf die BLS. Von Spiez bis Domodossola leistete im die  Ae 6/8 205 der BLS Vorspann. Der Vorspann wurde nötig, weil der Triebzug keine elektrische Bremse hatte.
2000 DB 01 202 Die mittlerweile in der Schweiz eine Heimat gefundene Lokomotive aus Deutschland verkehrte mit einem Extrazug über die BLS Strecke.

Wie Sie erkennen können, hatte die BLS schon früh selber dafür gesorgt, dass gewisse Exoten auf ihrer Strecke verkehrten. Trotzdem gilt auch hier, dass Jubiläen immer wieder fremde Fahrzeuge anlocken. Sind wir einmal ehrlich, wer hatte nicht Freude an dem Tag, als sich in Kandersteg, CIS, ICE und TGV trafen. Ach, das finden Sie nicht so sonderlich interessant, denn das gibt es ja mittlerweile in Zürich HB täglich.

 

Versuche im Basistunnel

Mit der Fertigstellung des Basistunnels begannen in diesem die ersten Versuchsfahrten. Für diese Abnahme- und Hochtastfahrten wurden eigene Fahrzeuge benutzt. Das heisst, es kamen SBB-Lokomotiven der Baureihe Re 460 zum Einsatz. Trotzdem, alle Versuche konnten mit diesen Fahrzeugen nicht durchgeführt werden.

Es mussten deshalb Fahrzeuge aus anderen Bereichen herangezogen werden. Diese Fahrzeuge müssen ganz klar im Bereich der Hochgeschwindigkeit gesucht werden. Denn eine Strecke, die für 250 km/h ausgelegt wurde, muss auf diese Geschwindigkeit geprüft werden. Hinzu kommt dann noch ein Zuschlag von 10%. Bei 275 km/h sind die einheimischen Züge überfordert.

 

Jahr Bahn Fahrzeuge Bemerkungen
2006 DB BR 401 Für die schnellsten Testfahrten wurde ein ICE herangezogen. Mit seiner Höchstgeschwindigkeit eignete er sich bestens für die Fahrten. Zudem konnten gleichzeitig die ETCS Komponenten des Zuges geprüft werden.
2006 Cisalpino AG ETR 470 Seit 1996 verkehren die Triebzüge der Cisalpino AG auf der Lötschbergstrecke. Mit dem Bau des Basistunnels änderte sich dies. Die Züge wurden umgebaut und die entsprechenden Einrichtungen im Basistunnel geprüft.
2008 Cisalpino AG ETR 610 Das Nachfolgemodell des ETR 470 absolvierte wie sein Vorgänger viele Versuchsfahrten im Basistunnel. Der Zug wurde im Hinblick auf den kommerziellen Einsatz getestet.

In den nächsten Jahren werden vermutlich noch weitere Fahrzeuge den Basistunnel zu Testzwecken befahren. Daran wird sich erst mit der Fertigstellung des Gotthardtunnels etwas ändern. Aber, was zu erwarten sein wird, ist, dass die Eröffnung des Basistunnels am Gotthard einen Teil des Verkehrs auf diese Achse umleiten wird, dann sind wie schon früher plötzlich wieder am Lötschberg Kapazitäten frei.

 

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