Bezeichnungen der Triebfahrzeuge

Sie verstehen einfach nichts mehr, der spricht von Lokomotiven, Triebwagen, Triebzügen und Traktoren. Dann schreibt er auf der Startseite noch, dass es eigentlich Triebfahrzeuge sind. Richtig, alles sind Triebfahrzeuge, denn sie besitzen einen Motor, mit dessen Hilfe sie sich selber fortbewegen können. Doch wo liegt der Unterschied?

Lokomotiven sind spezielle Fahrzeuge, die nur einem Zweck dienen, sie ziehen die Wagen. Eine Lokomotive ist in der Regel gross und kräftig gebaut. Sie wird mit unterschiedlichen Antrieben ausgerüstet. Dabei sind sicher die legendären Dampfloks zu erwähnen, aber auch die elektrischen Nachkommen sind in Europa zum Inbegriff der Eisenbahn geworden. Amerikaner oder auch andere Länder sehen das anders, denn dort haben die mit einem Motor ausgerüsteten Dieselloks die Züge am Haken.

Der Traktor ist dann einfach eine sehr kleine Lokomotive. Ein Fahrzeug, das zwar alle Funktionen einer Lokomotive erfüllt, jedoch meist nur über zwei Achsen verfügt und kleinere Aufgaben übernimmt. Wo liegt dann der Unterschied? Eine gute Frage, denn eigentlich sind es auch Lokomotiven und somit könnte man sie einfach als Kleinlokomotiven bezeichnen. In der  Schweiz führte man für diese Fahrzeuge den Begriff Traktoren ein.

Gut, jetzt haben wir eine Ahnung, was eine Lokomotive und was ein Traktor ist. Doch was ist ein Triebwagen, oder gar ein Triebzug? Es sind Lokomotiven, die zusätzlich noch über Abteile für Gepäck oder Personen verfügen, in den sich Leute ausser dem Lokführer aufhalten können. Dabei sind die Triebwagen nur kurze Einheiten, die aus einem einzelnen Fahrzeug oder aber zwei Teilen bestehen.

Gut, nun kommen die Kenner der Schweizer Fahrzeuge auf den Plan. Es gibt doch ein Fahrzeug, das ein Gepäckabteil hat und trotzdem als Lokomotive gilt und nicht als Triebwagen. Ja, ich weiss, die Re 450 gilt als Lokomotive und hat ein Gepäckabteil, somit wäre es ein Triebwagen. Es ist aber eine Lokomotive, weil der grösste Teil des Fahrzeugs für die Traktion genutzt wird und das Gepäckabteil an stelle des zweiten Führerstandes eingebaut wurde.

Ach so, Sie meinen nun, dass der CFe 2/6 der BLS eine Lokomotive sein muss. Haben Sie sich das Fahrzeug genau angeschaut. Der fest gekuppelte Wagen ist doch grösser als die Lokomotivhälfte, es ist deshalb klar ein Triebwagen. Es ist so, was vom Fahrzeug den grösseren Teil einnimmt ist massgebend. Lokomotiven können deshalb auch Gepäckabteile haben, ohne dass von einem Triebwagen gesprochen wird.

Triebzüge besitzen fest mit dem Triebwagen gekuppelte Wagen und bilden so einen ganzen Zug. Es ist sehr einfach ausgedrückt, denn moderne Triebzüge sind zum Teil ganz anders aufgebaut. Genau, bei Triebzügen können die Teile für den Antrieb auf den ganzen Zug verteilt werden, aber und das gibt es auch, es können spezielle Triebkopf verwendet werden, aber auch ein Maschinenwagen gibt es.

Aber das Schlimmste kommt noch, denn mit den Bezeichnungen bei den Schweizer Bahnen ist das so eine Sache für sich. Die einen meinen, dass sie logisch seien, die anderen finden sie schlicht dämlich. Wer hat nun Recht? Ich will Ihnen hier weiterhelfen, so dass auch Sie in Zukunft  finden, dass diese Bezeichnungen doch Sinn machen könnten.

Um es zum Anfang noch komplizierter zu machen, erwähne ich, dass die Bezeichnungen im Lauf der Jahre immer wieder geändert wurden. Warum? Einfach, die Umstände machten es nötig.

Doch keine Angst ich beginne im Jahre 1900 und erwähne, sofern ein Fahrzeug mit der Bezeichnung existierte, ein oder zwei Beispiele. Ist bei einem Typ ein Link hinterlegt, dann finden Sie dahinter das passende Fahrzeug mit einem detaillierten Beschrieb.

 

1902 oder die Bezeichnung von Dampfloks

Um es vorweg zu nehmen, die Brüche blieben bis zu ihrer Abschaffung bei der Bedeutung immer gleich. So bedeutet zum Beispiel 3/4, dass drei von vier Achsen angetrieben sind. Bei 4/4 sind somit alle Achsen angetrieben. Somit gab es nie eine 5/1, es sei denn das Personal erlaubte sich einen Missgriff, so bei der Re 4/4 II 11'111, die ja in der Nummer fünfmal die Eins hat. Bis hier ist es noch einfach oder?

Bis zum Jahre 1902 hatte jede Bahngesellschaft in der Schweiz ihre Fahrzeuge nach eigenem Gutdünken bezeichnet. So trugen die Lokomotiven der Gotthardbahn anfänglich einfach die Bezeichnungen I bis III. Es versteht sich von selbst, dass da keine Infos enthalten waren. So musste die Bezeichnung schon bald angepasst werden. Doch auch die Bezeichnung C2T mag kaum befriedigen. Die anderen Bahnen hatten dazu auch ihre eigenen Ideen. Ein Chaos, das die junge SBB aufräumen musste, wollte sie bei den Fahrzeugen durchblicken.

Erst mit der Gründung der SBB kam es bei den Bezeichnungen zu einem Schulterschluss. Ab 1902 wurden die Lokomotiven einheitlich bezeichnet. Da zu dieser Zeit noch die Dampflokomotiven die uneingeschränkte Macht auf den Geleisen waren, wurde den Exoten, sprich elektrischen Lokomotiven nur eine Randbedeutung zugesprochen.

Triebwagen waren zur Dampfzeit besondere Fahrzeuge und daher in der Schweiz nicht sehr häufig anzutreffen. Wenn man die Strassenbahnen nicht mitrechnet, waren es 24 solcher Fahrzeuge. Wobei bis auf die Pilatusbahnen alle Bahnen nur einzelne Exemplare aufwiesen. Trotzdem machte man sich hier schon Gedanken, wie diese Fahrzeuge bezeichnet werden sollten. Doch dazu kommen wir wirklich erst später, vorderhand befassen wir uns mit den eigentlichen Lokomotiven.

Schliesslich einigte man sich für Lokomotiven auf das folgende Schema, das auch in der Zukunft bestand halten sollte. Zumindest war man damals davon überzeugt.

 

Lokomotiven mit Schlepptender

A Höchstgeschwindigkeit über 75 km/h A 2/4 oder A 3/5
B Höchstgeschwindigkeit 70 - 75 km/h B 3/4
C Höchstgeschwindigkeit 60 - 65 km/h C 5/6 oder C 4/5
D Höchstgeschwindigkeit 45 - 55 km/h D 1/3 oder D 3/3

Sie sehen, dass bei diesen Lokomotiven, die über einen separaten Kohlewagen verfügten nur ein einziger Grossbuchstabe verwendet wurde. Ausnahmen gab es, die aber später noch erwähnt werden, kommen wir deshalb zu den Tenderlokomotiven.

 

Tenderlokomotiven

Ea Höchstgeschwindigkeit über 75 km/h Ea 3/6
Eb Höchstgeschwindigkeit 70 - 75 km/h Eb 3/5
Ec Höchstgeschwindigkeit 60 - 65 km/h Ec 3/5
Ed Höchstgeschwindigkeit 45 - 55 km/h Ed 4/5
E Für Nebenlinien und Rangierdienst E 3/3 oder E 4/4

Auch hier fällt eine Ausnahme auf, denn die Tenderlokomotiven mit kleinen Geschwindigkeiten, also unter 40 km/h wurden einfach mit einem E bezeichnet und galten als Rangierlokomotive. Das traf auf die SBB zu, bei Privatbahnen versuchte man sich mit dem durch die SBB diktierten System abzufinden.

Doch nun sollen noch die Exoten erwähnt werden. Zu diesen gehörten 1902 ganz klar die wenigen elektrischen Lokomotiven. Strecken mit solchen Lokomotiven gab es kaum und daher auch kaum eine grosszügige Bezeichnung für die Lokomotiven.

 

Elektrolokomotiven

F

Elektrische Lokomotiven erhielten ein Gross geschriebenes F so wie bei den Tenderlokomotiven und kleine Buchstaben für die erlaubte Höchstgeschwindigkeit.

Fb 5/7

Soweit die Normalspur. Es gab aber schon Bahnen, die auf schmaler Spur unterwegs waren. Sogar innerhalb der SBB war eine solche Strecke vorhanden. Diese sollten ihren eigenen Gattungsbuchstaben erhalten.

 

Schmalspur- und Tramwaylokomotiven

G

Bei Schmalspurlokomotiven wurde auf den  Zusatz mit dem klein geschriebenen Buchstaben verzichtet.

G 3/4

Bahnen, die ein Zahnrad bei ihren Lokomotiven verwenden mussten, erhielten ebenfalls einen eigenen Buchstaben zugeordnet.

 

Zahnradlokomotiven

H Alle Zahnradlokomotiven erhielten nur das H H 2/2
HG Bei schmalspurigen Zahnradloks wurde die Bezeichnung für die Schmalspurlok hinten angestellt. HG 3/3

Somit waren alle Lokomotiven abgedeckt worden. Damit konnten die Bahnen in der Schweiz leben. Einige sicherlich mit einigem widerwillen, aber die SBB war damals einfach zu mächtig, denn bis auf die Rhätische Bahn RhB gab es keine grösseren Privatbahnen mehr. Neue Bahnen schlossen sich dem System notgedrungen an.

 

Beginn der elektrischen Traktion in der Schweiz

Mit der zunehmenden Zahl von elektrischen Fahrzeugen, erfolgte eine Umstellung der Bezeichnung. Das bisherige System, das für die Zukunft gelten sollte, wurde einfach durch die Technik überholt. Die elektrischen Lokomotiven begannen die Schweiz zu erobern. Ja, es gab sogar Fahrzeuge, die mit einem Motor ausgerüstet waren, der mit Benzin oder Diesel betrieben wurde. Grund genug über die Bücher zu gehen.

Dabei wurde neu unter Lokomotive und Triebwagen unterschieden, da die elektrische Traktion vom Beginn weg auch Triebwagen kannte. Der Wechsel auf dieses "neue" Schema war fliessend und zog sich über mehrere Jahre hin. Ein System, das länger bestand haben sollte und später einfach mit neuen Bezeichnungen ergänzt wurde. Ein System für die Ewigkeit.

Die von den Dampfloks her bekannten Grossbuchstaben blieben für die Lokomotiven erhalten. Einzig der Buchstabe F wurde bei den Lokomotiven aufgegeben. Hinzu kamen jedoch noch die in der Einleitung erwähnten Traktoren. Dieses System hatte länger bestand und wurde erst 1989 durch ein anderes Bezeichnungssystem abgelöst.

 

Lokomotiven

R

Triebfahrzeug, das über eine erhöhte Kurvengeschwindigkeit verfügt und schneller als 110 km/h fahren kann.

Re 4/4 oder Re 6/6
A Höchstgeschwindigkeit von über 80 km/h Ae 6/8 oder Ae 6/6
B Höchstgeschwindigkeit von 70 - 80 km/h Be 4/6 oder Be 5/7
C Höchstgeschwindigkeit von 60 - 65 km/h Ce 6/8 II
D Höchstgeschwindigkeit von 45 - 55 km/h De 6/6
E Rangierlokomotive Ee 3/3
G Schmalspurige Lokomotive für Reibungsbetrieb Ge 6/6 oder Ge 4/4 III
H Lokomotiven für Zahnradbetrieb He 2/2
HG Lokomotiven Kombination G und H HGe 4/4 II
T Traktoren

Te 2/3   Da bei den SBB alle Traktoren zweiachsig sind, wird auf die Angabe des Bruchs verzichtet zum Beispiel Te II.

Es fällt vielleicht auf, dass die bisherige Bezeichnung einfach auf die elektrischen Lokomotiven übernommen wurde. Ja, die Tenderlokomotiven erhielten keine neuen Nummern und behielten die Bezeichnung wirklich für die Ewigkeit. Neu hinzu gekommen ist die Bezeichnung R und T, welche erst mit elektrischen Lokomotiven oder mit Dieselfahrzeugen erreicht wurden. Beim R dauerte es sogar einige Jahre, bis diese Reihe eingeführt wurde.

Hinzu kam bei elektrischen Lokomotiven und bei den Dieselmaschinen ein neuer klein geschriebener Buchstabe, zu dem wir später noch kommen werden. Betrachten wir uns zuerst die Triebwagen, denn nur schon hier beginnen sich einige von Ihnen die Haare zu raufen. Vielleicht vermissen Sie die Logik, aber trotz allem macht es Sinn.

 

Triebwagen

R Das R hat die gleiche Bedeutung wie bei den Lokomotiven, es wird jedoch der eigentlichen Fahrzeugbezeichnung vorangestellt. Nur bei Triebwagen und Triebzügen gibt es diese Kombination.

RBe 4/4 oder RBDe 4/4

Hinweis: Die Schnelltriebwagen (Roter Pfeil) wurden eine Zeitlang als Re 2/4 bezeichnet.

A Personentriebwagen oder Steuerwagen mit 1. Klasse Abteil. RAe TEE
B Personentriebwagen oder Steuerwagen mit 2. Klasse Abteil. Be 4/6
C Personentriebwagen oder Steuerwagen mit 3. Klasse Abteil. Ce 4/4
D Gepäcktriebwagen De 4/4
F

Gepäcktriebwagen früher, als Gepäckabteile international noch mit F bezeichnet wurden

Fe 4/4
L

Anfänglich für die Bezeichnung der Leichttriebwagen (Rote Pfeile) verwendet. Wurde später wieder aufgegeben.

CLe 2/4 oder BCLe 8/12
X Sonderfahrzeuge XTm oder Xrotm
Z Postabteil ABDZe 4/6

Nun, die Buchstaben kennen Sie doch von den Wagen her. Das zeigt deutlich, dass die Triebwagen näher bei den Wagen gesehen wurden, als bei den Lokomotiven. Schliesslich nannte man sie ja anfänglich noch Motorwagen. Ja, und nun kommen wir zu den Dampftriebwagen. Diese trugen schon seit Jahren diese Bezeichnung, sogar mit dem kleinen Buchstaben.

Besitzt ein Triebwagen mehrere unterschiedliche Abteile, wie zum Beispiel ein Abteil erster Klasse, eines zweiter Klasse und damit es noch verrückter wird, einen Speisewagen und ein Gepäckabteil, wird es kompliziert. Ja, jetzt haben wir ein Fahrzeug kreiert, das wohl zu einer der längsten Bezeichnungen führen würde, zumal es ja noch die Bedingungen zur Reihe R erfüllt.

Bitte sehr, das ist unser Fahrzeug RABDWRe. Da das aber nun kein Mensch vernünftig lesen kann, beschränkte man sich hier auf fünf grosse Buchstaben, so dass das Fahrzeug bei den SBB RABDe genannt wurde und Ihnen wohl besser unter der Bezeichnung ICN bekannt ist. Fünf war das Maximum, denn bei der BLS gab es ja noch den ABDZe 4/6 mit vier grossen Buchstaben. Längere Bezeichnungen sind nun wirklich nicht mehr einfach lesbar.

So, haben Sie es verstanden? Dann kommen wir zum ultimativen Test. Für was steht Be 4/6? Ja, ich gehe jetzt davon aus, dass alle richtig liegen, denn bei der Bezeichnung Be 4/6 handelt es sich um diese Lokomotive hier. Ach so, sie waren der Meinung, es sei ein Triebwagen gewesen, dann hatten Sie wohl dieses Fahrzeug hier im Kopf.

Sie sehen, nur schon hier begannen die Probleme mit diesem System. Wie sollte das nur weiter gehen. Doch bevor wir uns dieser Frage annehmen, blicken wir noch kurz auf den kleinen Buchstaben in der Bezeichnung. Dieser war ja schon bei den Tenderlokomotiven vorhanden. Deshalb führe ich diese hier nicht mehr auf, denn dort änderte sich trotz aller Schwierigkeiten nichts.

 

Der kleine Buchstabe

a Akkumulatorantrieb

Eea 3/3 oder Ta

d Dampflokomotive, diese Bezeichnung wurde jedoch sehr selten verwendet.

Xrotd

e Elektrisches Triebfahrzeug

Re 4/4 oder RAe TEE

f

Funkfernsteuerung

Diese ergänzende Bezeichnung wurde erst in den letzten Jahren eingeführt. Sie ist aber nicht bei allen Fahrzeugen vorhanden, die mit der Funkfernsteuerung ausgerüstet sind. Sie dient vor allem dazu bei Serien, wo nur ein Teil der Fahrzeuge diese Technik besitzt, diese zu kennzeichnen.

Ref 460 (nur ein Teil der Lokserie)

Am 843 (Lokserie ist generell mit Funkfernsteuerung ausgerüstet)

 

h

Triebwagen mit Zahnradantrieb.

Achtung: Steht das h vor dem a, e oder m verfügt der Triebwagen nur über einen Zahnradantrieb. Diese Bauart kommt hauptsächlich bei reinen Bergbahnen vor.

Deh 4/6 (SBB Brünig)

Bhe 4/8 (Monte Generoso)

 

m Triebfahrzeug mit Dieselmotor, früher auch bei den Dampftriebwagen verwendet. Bm 4/4 oder CZm 1/2 (Dampftriebwagen)
rot Kenzeichen für Schneeschleudern, jedoch immer in Kombination mit der Antriebsart. Xrotm oder Xrote

So, haben Sie ihn bemerkt, den berühmten Fehler im System? Nicht, dann ist ja alles klar. Doch es gibt ihn, denn was ist zum Beispiel nun hinter der Bezeichnung Ea zu finden? Genau, es gibt schon wieder eine doppelte Deutung, denn es kann eine Tenderlok versteckt sein, aber auch eine mit Akkumulator angetriebene Rangierlokomotive. Wie, Sie können keine Tenderlok dahinter erkennen, dann sehen Sie sich doch diese Lok hier an.

Noch schlimmer wird es, wenn ich Ihnen erkläre, dass die Kombinationen natürlich nahezu frei kombinierbar sind. Das wurde zum Beispiel bei Rangierlokomotiven mit zwei Varianten der Energieversorgung immer wieder gemacht, aber auch Triebwagen mit Kombinationen gab es. Beispiel finden sich bei der Eea, der Eem, oder aber beim Triebwagen Bem.

Nun, das war alles kein Problem. Ja, das System funktionierte gut, bis zu einem Zeitpunkt, wo eine Lokomotive auf die Schienen gestellt wurde, die anfänglich noch die provisorische Bezeichnung Bo’ Bo’ besass. Diese war so gut gebaut, dass klar war, es gibt eine Re 4/4. Aber halt, diese gab es ja schon, Sie können sich hier davon überzeugen.

Zweimal die gleiche Bezeichnung geht nicht, so musste man sich eine neue Unterteilung ausdenken. Man begann mit kleinen römischen Zahlen hinter der Bezeichnung zu arbeiten und nannte diese einfach Index. So kam es, dass sich die SBB vermehrt mit Indexen befasst und auch die Privatbahnen davon profitieren konnten. Die provisorische Bo’ Bo’ wurde so zur Re 4/4 II.

 

Neue Computernummern

1989 kam dann die SBB auf die Idee, das alte System mit all seinen Fehlern zu ersetzen. Eine neue Bezeichnung sollte geschaffen werden. Die Hauptprobleme lagen auf der Hand, denn neue Lokomotiven wurden mit vier Triebachsen auf vier Achsen elektrisch nach Reihe R gebaut und so zur Re 4/4. eine Unterscheidung erfolgte nur noch beim Index. So war man bei den SBB schon bei V angelangt und die VI war auch schon bestellt.

Man wollte nicht warten, bis man die Re 4/4 XXIII hatte. Anfänglich waren die neuen Nummern nur bei den SBB vorgesehen. Ja, es wurden noch Lokomotiven mit Laufachsen darin erwähnt. Hier sollte die 9 den Bruchstrich ergeben. Die bei den SBB vorgesehene Lokomotive sollte zur Ae 497 werden.

Um auch die Lokomotiven der Privatbahnen zu unterscheiden, wurde das Nummerierungsschema wieder geändert und auf die Privatbahnen ausgeweitet. So verkehrte eine Zeit lang bei den SBB ein Traktor mit der Bezeichnung Tm 235. Mit der Aufnahme der BLS wurde dieser Traktor umbezeichnet.

Anstelle des Bruches und der römischen Ziffer kommt jetzt die neue sechsstellige Nummer zum Einsatz. Die Buchstabenfolge blieb jedoch erhalten. Nur die ersten drei Stellen enthielten Angaben über die Serie. Ab der Ziffer vier folgte dann die fortlaufende Fahrzeugnummer. Auch hier erfolgte die Umstellung fliessend und viele Leute bemerkten davon nicht einmal etwas, weil die Umbezeichnung erfolgte, aber die Lok nicht neu angeschrieben wurde. 

Diese Form war jedoch nicht von Anfang an vorgesehen. Zuerst sollte nur die römische Ziffer ersetzt werden. So verkehren einige Re 460 mit der Bezeichnung Re 4/4 460. Doch lassen wir diese Spielereien und schauen uns die Codierung an.

 

Nummerncode

  1. Ziffer 2. Ziffer 3. Ziffer
0 Sonderfahrzeuge 8 Schneeschleudern Bauart
1 Brünigbahn 0 HGe, 1 De, 2 Tem, 3 Tm, 4 Tea DB-tauglich / Bauart
2 Traktoren 0 Ta, 1 Te, 2 Tem, 3 Tm, 4 Tea Zweistrom / Bauart
3 E-Lok mit 3 Triebachsen

Die römischen Ziffern am Schluss der bisherigen Bezeichnung

Dreistrom / Bauart
4 E-Lok mit 4 Triebachsen Vierstrom / Bauart
5 Triebzüge / Triebwagen Diverse verschiedene Fahrzeuge BLS
6 E-Lok mit 6 Triebachsen 1 Ae, 2 Re

Übrige Privatbahnen der Schweiz, teilweise auch BLS

7 Reserve Reserve
8 Diesellokomotive Anzahl Triebachsen
9 Rangierlokomotiven Reserve

Die bisherige Tabelle ist unübersichtlich, das gebe ich zu, denn es sind viele Kombinationen möglich und andere gehen wieder nicht. Deshalb wird es sinnvoll sein, wenn ich Ihnen ein paar Beispiele liefere.

 

Muster der neuen Nummern

Xrotm 080 Hinter dieser Nummer verbirgt sich eine Schneeschleuder.  Zurzeit noch nicht verwendet.
HGe 101

Hier verbirgt sich die Brünigbahnlokomotive die ehemalige HGe 4/4 II dahinter. Die HGe 100 waren die zwei alten Lokomotiven HGe 4/4, die mittlerweile ausrangiert wurden.

Tm 234 Traktor mit reinem Dieselantrieb in der vierten Unterbauart.
Re 465 Die Re 460 der BLS
RBDe 561 Deutschland tauglicher NPZ (RBDe 560)
Re 620 Re 6/6
Am 841 Vierachsige Diesellok der zweiten Unterbauart.
Ee 934 Viersystem-Rangierlok oder ehemalige Ee 3/3 IV in Chiasso und Genf.
Re 482 Zweisystemlokomotive

Auch dieses System hatte Lücken. So mussten sich die vielen Privatbahnen der Schweiz die Ziffern 6 bis 8 teilen. Nur bei den SBB konnten anhand der Nummer Mehrsystemfahrzeuge unterschieden werden. Bei Privatbahnen war das nicht möglich. Ja, es gab baugleiche Fahrzeuge bei unterschiedlichen Bahnen, die plötzlich unterschiedliche Typenbezeichnungen hatten.

Wie, Sie glauben mir nicht. Gut, dann ein kleines Muster, aber nur ein kleines. Die Re 430, der SBB und die Re 436 der ehemaligen RM, sind dafür ein gutes Beispiel. Klar kann man erkennen, es sind zwei unterschiedliche Loktypen. Sieht man nun über kleine unwichtige Details hinweg, kann man aber klar sagen, es sind die gleichen Loktypen, nur der Anstrich unterscheidet sich.

Noch schlimmer wird es bei den modernen Lokomotiven von Bombardier.

So gibt es die Re 481 (Ex Re 486 à  6 für MThB), Re 482 und die Re 484, aber nur die Re 485 für die BLS. So, welche SBB Lokomotive ist nun gleich mit jener der BLS? Bitte nicht schummeln und den Link benutzen. Sie sehen aber, die Re 485 kann anhand der Nummer nicht genau zur Re 482 zugeordnet werden. Die BLS kann somit keine Unterscheidung der Systemtauglichkeit vornehmen.

Erste Probleme ergaben sich mit den von der BLS übernommenen SBB Lokomotiven Re 420. Da die Nummer Re 425 bei der BLS schon belegt war, musste die vierte Ziffer hergenommen werden. So verkehren diese Lokomotiven neu als Re 420'5. Warum das nun wieder? Ganz einfach, das Bundesamt für Verkehr erlaubte die Variante der BLS nicht, so dass diese Lösung gefunden werden musste.

Warum nicht? Gut, die BLS wollte die ehemaligen SBB Lokomotiven als Re 425’0xx bezeichnen. Ihre ursprünglichen Lokomotiven wären dann die Re 425’1 gewesen. Plötzlich wäre nun die SBB-Lokomotive von der Bezeichnung her näher mit der BLS Lokomotive verwandt gewesen, als mit den Schwestern bei der SBB.

Nun, sind wir mit der Bezeichnung nach diesem System durch. Wie, Sie haben noch eine Frage? Ach so, diese durch einen Strich getrennte Ziffer bei den Anschriften. Es ist eine Kontrollziffer und gehört eigentlich nicht primär zur Loknummer. Gut, wenn Sie schon fragen, zeige ich Ihnen auf, wie man diese Ziffer auch ohne Computer berechnen kann.

Dabei gehen wir wie folgt vor. Wir nehmen eine Lokomotive, deren Kontrollziffer gefunden werden soll. Meine Wahl fiel auf die Re 460'038. Es hätte jede andere Lokomotive sein können, aber für uns soll es eine Re 460 sein. Jetzt wird die Nummer in die einzelnen Ziffern aufgeteilt und mit einer bestimmten Methode gerechnet. Wie das geht, sehen Sie in der Tabelle.

 

 

Berechnung der Kontrollziffer

 
  Loknummer 4 6 0 0 3 8    
  Rechnung x 1 x 2 x 1 x 2 x 1 x 2  
  Ergebnis = 4 = 12 = 0 = 0 = 3 = 16  
  Ziffern 4 + 1 + 2 + 0 + 0 + 3 + 1 + 6

= 17

 

Sie sehen, es wird jede Ziffer multipliziert. Mit 2, wenn die Ziffer an einer ungeraden Stelle steht und mit 1, wenn sie an einer geraden Stelle steht. ACHTUNG: Man rechnet in diesem Fall von Rechts nach Links. Warum? Ganz einfach, es können ja auch längere Nummern vorkommen, wie zum Beispiel bei den Wagen. So funktioniert diese Rechenmethode auch bei einem Wagen.

Die einzelnen Ziffern jedes Ergebnisses der ersten Rechnung werden nun zusammengezählt. Bei unserem Beispiel muss somit aus 12 1 und 2 werden und einmal 16 zu 1 und 6. Daraus ergibt sich eine Zahl. Im Beispiel die 17. Mit dieser Zahl kann man noch nichts anfangen, denn schliesslich ist es ja nur eine einzelne Ziffer. Die angeschriebene Ziffer ist einfach die Differenz zur nächst höheren Zehnerzahl.

Bei 17 ist das 20. Die Differenz beträgt nun 3. Somit haben wir die Kontrollziffer gefunden und unsere Lokomotive muss mit 460’038-3 angeschrieben werden. Versuchen Sie es doch einmal selber, es geht, so verblüffend das sein mag, nicht nur an Fahrzeugen der Schweiz.

 

Internationale Fahrzeuge

In den vergangenen Jahren ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass die Lokomotiven, aber auch Triebzüge immer öfters im internationalen Einsatz anzutreffen sind. So haben sich vermutlich schon öfters deutsche Touristen gefragt, ob sie wirklich schon in der Schweiz waren, wenn Sie auf dem Foto von Wassen eine DB-Lok geknipst haben.

Ja, Sie reisten sogar mit dem TGV von Zürich nach Paris. Die Beispiele können noch viel weiter gehen, so zum Beispiel die Lokomotive mit dem silbrigen Kreuz auf einem roten Wappen, die plötzlich und unerwartet in Hamburg herum fuhr. Was sucht aber eine Re 421 der SBB in Hamburg, vermutlich Arbeit. Aber Sie sehen, Lokomotiven gibt es mittlerweile überall, nur nicht dort, wo man sie erwartet.

Schon sind wir bei einem Problem, denn die BR 185 kann mit dem von mir beschriebenen System nicht identifiziert werden. Machen wir es trotzdem, nur weil es ein lustiges Ergebnis gibt. Die Buchstaben machen keinen Sinn, die lassen wir weg und schauen uns 185 genauer an.

Nach dem Schema der Schweiz würde es sich bei dem Fahrzeug um ein neues Fahrzeug für die Brünigbahn handeln. Zudem gehört es der BLS. Alles klar, eine Brüniglok der BLS auf der Strecke der Zentralbahn, die DB angeschrieben ist? Nicht sinnvoll, oder? Eben, lassen wir es und suchen eine andere Lösung.

Die ist relativ einfach, und ist wie beim Auto. Sie müssen ja nicht die Nummer wechseln, wenn Sie über die Grenze fahren, Sie behalten einfach die Nummer ihrer Heimat. Es gibt aber eine Ausnahme. In Italien müssen alle Lokomotiven und Triebwagen eine Italienische Nummer tragen. Warum? Da fragen Sie besser jemanden in Italien, der diese Idee hatte. So kommt es, dass zum Beispiel der RABe 524 in Italien zum ETR 150 mutiert. Die SBB-Nummer muss aber bleiben, weil es ja ein Schweizer Fahrzeug ist.

Es lag deshalb auf der Hand, dass man sich um einen internationalen Standard bemühte. Dieser Standard sollte von der UIC definiert werden. Das geschah auch und so wurde im Jahre 2007 die UIC-Bezeichnung für Triebfahrzeuge eingeführt. Die UIC-Nummer setzt sich aus drei Blöcken zusammen. Daraus ergibt sich dann eine Nummer mit 11 Ziffern und der Kontrollziffer.

Die ersten 4 Ziffern gehören zum internationalen Block, danach folgt dann der nationale Block mit 7 Ziffern. In der Schweiz, wo die Nummern 6 Stellen hatten, wurde einfach die fünfte Ziffer der UIC-Nummer so angepasst, dass die Kontrollziffer nicht geändert werden musste. Den nationalen Teil kennen wir ja, daher befassen wir uns nun mit dem internationalen Teil.

Der Internationale Teil teilt sich in zwei Bereiche auf. Die ersten beiden Ziffern gehören zum Bauartcode. Danach folgt der UIC-Ländercode, der ebenfalls zwei Stellen besitzt. Betrachten wir uns deshalb mal den Bauartcode:

 

Code Zuordnung
90 Nicht anderweitig erfasstes Triebfahrzeug
91 Elektrische Lokomotive mit Höchstgeschwindigkeit 100 km/h oder mehr
92 Diesellokomotive mit Höchstgeschwindigkeit 100 km/h oder mehr
93 Elektrischer Triebwagen mit Höchstgeschwindigkeit 190 km/h oder mehr
94 Elektrischer Triebwagen mit  Höchstgeschwindigkeit weniger als 190 km/h
95 Dieseltriebwagen
96 Beiwagen (Antriebloser Teil eines Triebwagens)
97 Elektrische Lokomotive mit Höchstgeschwindigkeit kleiner 100 km/h
98 Diesellokomotive mit Höchstgeschwindigkeit kleiner 100 km/h
99 Fahrzeuge des Bahndienstes

Haben Sie etwas erkannt? Nicht, dann schauen sie sich die Tabelle noch einmal an. Genau, sämtliche Lokomotiven beginnen mit einer 9 am Anfang. Nur warum ist das so? Ganz einfach, die Nummer ähnelt so schon stark den Nummern von Wagen, und dort sind viele Ziffern schon belegt worden, es blieb für Triebfahrzeuge nur noch die 9. Doch nun zu den Ländercodes nach UIC.

 

Code Land Code Land Code Land
10 Finnland 43 Ungarn/Österreich 78 Kroatien
20 Russland 50 Bosnien / Herzegowina (Bosnisch-kroatischer Teil) 79 Slowenien
21 Weissrussland 80 Deutschland
22 Ukraine 51 Polen 81 Österreich
23 Moldawien 52 Bulgarien 82 Luxemburg
24 Litauen 53 Rumänien 83 Italien
25 Lettland 54 Tschechien 84 Niederlande
26 Estland 55 Ungarn 85 Schweiz
27 Kasachstan 56 Slowakei 86 Dänemark
28 Georgien 57 Aserbaidschan 87 Frankreich
29 Usbekistan 59 Kirgisistan 88 Belgien
30 Nordkorea 60 Irland 90 Ägypten
31 Mongolei 65 Mazedonien 91 Tunesien
32 Vietnam 70 Grossbritannien 92 Algerien
33 China 71 Spanien 93 Portugal
40 Kuba 72 Serbien 95 Israel
41 Albanien 73 Griechenland 96 Iran
42 Japan 74 Schweden 97 Syrien
43 Bosnien / Herzegowina (Serbischer Teil) 75 Türkei 98 Libanon
76 Norwegen 99 Irak

So, jetzt ist sie komplett, die internationale Nummer nach UIC. Nur wie sieht das nun genau aus. Am besten nehmen wir uns ein Beispiel zur Hand und betrachten das ganze mal ganz genau. Diesmal fällt meine Wahl auf 421’391-4. Warum diese? Einfach, es ist eine international verkehrende Lokomotive.

Da es sich dabei um eine Lokomotive der SBB handelt, die schneller als 100 Km/h fährt, bedeutet das, dass die Ziffern 1 bis 4 91(Bauart) 85 (Land) lautet. Dazu kommt noch die Nummer der Lokomotive. Mit der erweiterten Ziffer und unserer bekannten Berechnung berechnen wir die fehlende Füllziffer. Die Berechnung ergibt eine vier. Und so sieht die internationale Nummer aus:

91 85 4 421 391 – 4

Eine wahrhaft lange Nummer, deshalb wird bei den Lokomotiven an der Front nur der nationale Teil nach der entsprechenden Norm angeschrieben. Die Erweiterung auf die ganze Nummer wird seitlich angebracht. Nicht alle Bahnen scheinen es jedoch damit eilig zu haben, so dass noch einige Jahre die nationale Anschrift zu sehen sein wird.

Ach ja, noch etwas will ich Ihnen an der internationalen Nummer aufzeigen. Dazu nehmen wir zwei Fahrzeuge zum Vergleich. Eine Lokomotive, der Einfachheit halber die Lok von oben und ein Wagen. Dabei verändern wir die Lokomotive ein wenig. Sie sehen schon, wie ich das meine, den Wagen schreiben wir so, wie er angeschrieben ist.

Die Lok: 91 85 44 21 391 – 4

Der Wagen: 50 85 21-95 181- 6

Bemerkten Sie den Unterschied? Nicht, bei der Lokomotive habe ich den nationalen Teil der Nummer unterstrichen und ein wenig anders geschrieben, die Wagennummer ist so im Original an einem Zweitklasswagen angeschrieben. Fällt wirklich nichts auf? Dann helfe ich ein wenig. Bei beiden Fahrzeugen ist nur ein Teil der Nummer unterstrichen. Ja, die Ziffern an den Stellen 3 und 4 sind gleich, weil beide Fahrzeuge aus der Schweiz sind.

Immer noch nichts aufgefallen? Dann hier die Lösung. Bei beiden Fahrzeugen ist der nationale Teil unterstrichen worden, und bei beiden Fahrzeugen umfasst er sieben Stellen. Der kleine Bindestrich erleichtert nur die Lesbarkeit bei den Wagen, da hier im nationalen Teil schon international genormte Elemente enthalten sind.

Die Wagennummer gibt es aber schon ein paar Jahre länger und hier werden weitere Unterscheidungen nötig, denn man soll auch international erkennen, ob es sich um einen Wagen der zweiten oder ersten Klasse handelt. So griff man auf die Ziffern 5 und 6. Die Ziffer 5 gibt Auskunft über die Klasse, im Beispiel eine 2 für die zweite Wagenklasse. Die Ziffer 6 bezeichnet die Anzahl der Abteile. Die 1 steht hier für ein Grossraumabteil, da es ja nur ein Abteil gibt.

Der Kenner, weiss anhand der Nummer 50 85 21-95 181- 6 sofort, dass es sich beim Wagen um einen Einheitswagen IV im neuen Anstrich handelt, der für 200 km/h zugelassen ist. Aber wir wollen uns hier nicht mit Wagen ablenken lassen, deshalb kehren wir wieder zu den Lokomotiven zurück.

 

Nummern in der Schweiz ab 2008

In der Schweiz gab es zudem ein weiteres Problem. Immer mehr Fahrzeuge wechselten ihren Besitzer. So kam plötzlich eine SBB Lokomotive zur BLS oder ein Nahverkehrszug von einer kleinen Bahn zur anderen. Die Baureihen wurden wild durchmischt. Man hatte zwar eine Regelung, die so aber kaum umzusetzen war. Ich nehme hier besser einmal ein Beispiel.

Die Re 420 der SBB, die zur BLS wechselten, sollten dort zuerst zu Re 425 umgezeichnet werden. Nur, die Re 425 war bereits vergeben. Deshalb beabsichtigte man die ehemaligen SBB Maschinen zu Re 425’00x werden zu lassen. Grundsätzlich blieb aber das Problem, denn die Re 425’00x wäre von der Bezeichnung her plötzlich näher zur BLS Lok verwandt gewesen, als zu den Schwestern bei den SBB.

Das BAV intervenierte daraufhin und verlangte, die Bezeichnung der Lokomotive müsse zu Re 420’5xx ändern. So war klar, dass die Lok einer SBB Maschine entsprach und so genau zugeordnet werden konnte. Daraufhin wurde aber veranlasst, dass das System der Schweiz neu überarbeitet werden sollte. Eine Logik wurde gewünscht.

Daraufhin wurden Diskussionen angeregt. Die Lösung, die daraus entstand, verwunderte selbst Fachkreise. In der Schweiz gilt eigentlich nur noch, dass ein Fahrzeug genau identifiziert werden muss. Ob das nun Buchstaben, Zahlen oder andere Merkmale sind, ist nicht wichtig. Wie, Sie verstehen das nicht ganz. Da gehören Sie einer grossen Gruppe an. Doch ich will Sie nicht enttäuschen, und bringe ein Beispiel.

Die Wahl fiel dabei auf eine Lokomotive der SBB. Sie kennen Sie vielleicht schon, sie trägt die Nummer 482’024-7. Die SBB gab Ihr diese Nummer, aber genau genommen wurde die Lokomotive zur Re 482’024-7. Wie die Lok in Zukunft in der Schweiz genannt werden dürfte, zeigt sich an der kurzen Auflistung:

Bisher:         Re 482

Alt:              Re 4/4 XIII

UIC:             91 85 4 482 024-7

Hersteller:    TRAXX F140 AC

Soweit meine kleine Liste. Es gibt einen kleinen Unterschied, denn bis auf die UIC Bezeichnung ist die Nummer nicht enthalten. Nur, wer sich bei TRAXX F140 AC eine Re 482 der SBB vorstellt, hat vermutlich vergessen, dass es auch eine BR 185 oder eine Re 485 sein könnte. Der Phantasie sind hier sicherlich keine Grenzen gesetzt. Auf jeden Fall können wir uns auf wunderbare Bezeichnungen freuen, denn irgendwann, wird es ein Genie schaffen, seinen eigenen Namen zur Baureihe werden zu lassen.

Nur, wir wollen eines den Verantwortlichen gutschreiben, denn es macht tatsächlich schnell Sinn, wenn man die Lokomotive als TRAXX F140 AC bezeichnet, denn sie ist klar zu erkennen, egal ob sie nun der DB, der SBB oder der BLS gehört. Es ist eine Lokomotive, die klar zu unterscheiden ist. Nur, die Lok ist hingegen nicht mit der TRAXX F140 MS verwandt.

Es ist wie es immer war, auch das ausgeklügeltste Bezeichnungssystem hat seine Schwachstellen, das war 1902 schon so, und wird sich vermutlich nicht so schnell ändern. Die Zukunft wird vermutlich ein noch besseres und noch genaueres System entwickeln, das dann durch den Ideenreichtum der Nutzer schnell wieder Fehlerhaft sein wird.

Nun, eines werden Sie vermutlich nicht so schnell fürchten müssen, denn die Bezeichnung mit Buchstaben ist in den elektronischen Systemen nicht einfach zu handhaben. Erst recht dann, wenn diese Systeme auf Zahlen basieren. So wird es in absehbarer Zukunft immer Nummern geben. Für uns gilt es einfach zu wissen, es kann alles verwendet werden, das Fahrzeug muss nur einfach klar einem Bautyp zugeordnet werden.

Zum Schluss noch an Sie, haben Sie sich noch nie dabei ertappt, wie Sie genau das System vom BAV benutzten? Nicht? Das glaube ich Ihnen nun nicht, denn wenn wir ehrlich sind, arbeiten wir schon lange mit Buchstaben. Wir sprechen vom NPZ, vom ICN und lassen uns auf Wortspiele wie Flirt, Nina oder Komet ein. Fahrzeuge, die fachlich nicht so bezeichnet wurden, aber im Volk und auch in der Fachwelt der Inbegriff dieses Fahrzeuges ist. Wer nimmt es uns übel, denn Bezeichnungen wie RABe, RBDe oder gar RABDe sind schwer zum lesen, da lässt man sich schnell im ICN auf einen Flirt mit Nina ein.

 

                       
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