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Die Bahnlinien über den Gotthard und den Lötschberg haben eine unterschiedliche Geschichte. Sie entstanden unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Die hier chronologisch aufgelisteten Entwicklungen zeigen einen Vergleich auf. Durch die zeitliche Abfolge entstehen im Text Lücken, die Sie jedoch nicht weiter stören sollen. Stellen Sie sich einfach vor, dass in dieser Zeit niemand einen Blick auf die betreffende Linie warf, sei es, weil noch keine Idee dazu bestand, oder ob der Verkehr problemlos funktionierte. |
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| Zeit | Gotthard | Lötschberg | ||||
| 1847 |
Als sich der erste Dampfzug in der Schweiz von Zürich nach Baden in Bewegung setzte, waren die Wünsche nach einem flächendeckenden Bahnnetz bereits vorhanden. Die damalige politische Situation in der Schweiz mit den mächtigen Kantonen und den Zollstellen dazwischen, verhinderte aber solche Ansinnen von Grund auf. Erst als 1848 der heutige Bundesstaat gegründet wurde, kam die Idee wieder auf. Die Durchquerung der Alpen war dabei auch schon ein Thema. Doch wurden zuerst die Bahnen im Flachland gebaut. |
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| 1848 | Der Sohn des Pioniers Stephenson höchstpersönlich arbeitete ein Projekt für die Schweiz aus. Dabei war das erste Mal konkret von einer Bahn über den Lukmanier die Rede. Als Schliesslich die ersten Bahnen mit einer Steigung von 20 ‰ dem Betrieb übergeben wurden, stand einer Alpenbahn in der Schweiz nichts mehr im Wege. Letztlich wurden diverse Projekte entwickelt. Aus all diesen Projekten, die irgendwie die Schweiz betrafen, wurde letztlich nur der Gotthard gebaut. Namhafte Namen wie Splügen, Bernardino, Lukmanier oder Grimsel blieben auf der Strecke. Wobei die Splügen- und die Grimselbahn immer wieder ins Gespräch kamen, auch nach dem Bau des Gotthards. Von einer Splügenbahn war sogar bei der Ausarbeitung der NEAT die Rede. | |||||
| 1849 | Bahnlinien, wie die zum Teil verschwundenen Stichbahnen von Castione in Richtung San Bernardino der Rhätischen Bahn oder die Bahnlinie Biasca – Acquarossa waren oder sind zum Teil noch stumme Zeugen dieser frühen Bahnprojekte. Aus dem Wunsch Graubündens nach einer Bahn über den San Bernardino entstand die Stichbahn im Tessin. Mittlerweile ist sie aber stillgelegt worden. | |||||
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1851
1851 |
Im Jahre 1851 beschlossen die Regierungen der Eidgenossenschaft, von Preussen und dem Königreich Sardinien eine gemeinsame Expertise, die Aufschluss geben sollte über die technisch und finanziell günstigste Lösung der Erschliessung der Zentralalpen durch die Schiene. Im Gespräch waren damals Bahnlinien über Lukmanier, Grimsel und Mont Cenis. Wobei letztlich nur die Mont Cenis Linie gebaut wurde. Interessant ist die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt niemand vom Gotthard redete. Der Ingenieur Koller gab indes dem Gotthard vor der Grimselbahn den Vorrang. Er brachte dabei aber auch eine Splügenbahn wieder ins Gespräch. Lukmanier, Grimsel und Splügen besitzen auch Heute noch keine Bahnlinie. | Trotz der vielen Projekte, wo jedes das andere in Sachen Kühnheit übertraf, gab es niemand, der auf die Idee gekommen wäre, eine Linie zu bauen, die mit zwei grossen Tunnel und Simplon und Lötschberg versehen sein sollte. Daher erstaunt es nicht, dass sich das ganze Land auf nur ein Projekt konzentrierte. | ||||
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1852
1852 |
Koller gilt daher als Urheber der ersten Gotthardbahnidee. Er arbeitete ein erstes Projekt aus, das mit Hilfe von Drahtseilbahnen und Spitzkehren die Steigungen bei Wassen, in der Schöllenen, bei Poittino und in der Biaschina vorsah. Uri sollte auf 1500 Meter über Meer durch einen 10 Kilometer langen Bahntunnel mit dem Tessin verbunden werden. Die Strecke sollte eine maximale Steigung von 50 ‰ haben. Zur selben Zeit befasste sich der Ingenieur Pasquale Lucchini aus Lugano mit Projekten für eine Alpenbahn. Er konzentrierte seine Vorschläge jedoch ausschliesslich auf den Gotthard und sah bereits im Jahre 1851 Göschenen auf 1100 Meter über Meer und Airolo 1140 Meter über Meer aus Ausgangs- resp. Endpunkte der eigentlichen Gotthard-Passbahn. | In der Zeit der Alpenbahnprojekte, war der Kanton Bern hauptsächlich auf Agrarprodukte ausgerichtet. Aus diesem Grund zeigte Bern wenig Interesse an einer Alpenbahn. Daher wurden die ersten Vorstösse zu Gunsten einer Berner Alpenbahn von aussen, namentlich von Sardinien-Piemont gefördert. Da Sardinien mit Österreich im Krieg stand, suchte es nach einer weiter westlich liegenden Möglichkeit, daher erfreute es sich an der Variante einer Bahn über den Grimsel. Bern befürchtete hingegen, dass nicht der Simplon, sondern der Grosse Sankt Bernard ins Interesse von Sardinien rücken könnte. Mit dem Beschluss die Gotthardbahn zu bauen, verschwanden alle Grimselprojekte. Als schliesslich mit dem Bau begonnen wurde, beteiligte sich Bern bei der Finanzierung der Gotthardbahn. Um an die Gotthardachse angeschlossen zu werden, baute Bern die Linie von Bern über Langnau nach Luzern. Die Strecke durch das Entlebuch erlaubte Bern den direkten Zugang zu Luzern und damit zur Gotthardbahn. Sie wurde bereits 1875 eröffnet. | ||||
| 1853 | Am 19. August 1853 fand unter dem Stichwort „Gotthardbahn“ eine von der Regierung des Kantons Luzern einberufene Konferenz mit den Kantonen Basel Stadt und Landschaft, Bern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden und Solothurn in Luzern statt. | |||||
| 1863 | Der Kanton Tessin wurde erst 1863 mit der grossen Gotthardvereinigung einbezogen. Alfred Escher änderte in diesem Zeitraum seine Meinung und befürwortete nun die Gotthardbahn anstelle einer Linie über den Lukmanier. Er gilt als Vater der Gotthardbahn. Am 21. August 1865 fiel in Italien der Entscheid für eine tiefliegende Linienführung. | |||||
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1869
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Der Gotthardvertrag von 1869 und 1871 war erstmalig in der Geschichte der Eisenbahn. Ein autonomer Staat (Die Schweiz) wird verpflichtet, neben seinen eigenen auch die Verkehrsinteressen anderer autonomer Staaten (Deutschland und Italien) treuhänderisch wahrzunehmen. Damit wurde der Grundstein für die Gotthardbahn gelegt. Die Staaten Deutschland und Italien verpflichteten sich dabei bei der Finanzierung mitzuhelfen. | |||||
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1870
1870
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In diesem Vertrag wurden die Eckdaten für die zu erstellende Strecke festgelegt. Die durchgehend zweispurige Strecke zwischen Flüelen und Biasca sollte eine maximale Steigung von 25 ‰ und einen kleinsten Kurvenradius von 300 Meter haben. Der Kulminationspunkt war auf 1162 Meter über Meer festgelegt worden. Interessant lesen sich auch die Unterzeichner des Staatsvertrages. Die Nationen, die dem Vertrag zustimmten waren neben der Eidgenossenschaft, der Norddeutsche Bund, das Grossherzogtum Baden, das Königreich Italien und das Königreich Württemberg. Letztlich haben wir es auch diesem Vertrag zu verdanken, dass die Bahn über den Gotthard auch Heute noch so bedeutend ist. Die ursprünglich vorgesehenen Projekte mit Kurvenradien von 225 Meter und Steigungen von über 36 ‰ entsprachen nicht einer internationalen Bahnlinie. |
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| 1871 | Am 6. Dezember 1871 wurde schliesslich in Luzern die Gotthardbahngesellschaft gegründet. Nur vier Monate später, am 2. April 1872, erfolgte die Ernennung von Robert Gerwig aus Karlsruhe zum Oberingenieur. Das heutige Projekt wurde schliesslich jedoch teilweise von Wilhelm Hellwag projektiert und gebaut. Kernstück bei diesem Projekt sollte der 15 Kilometer lange Gotthardtunnel zwischen Göschenen und Airolo sein. | |||||
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1872
1872
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Am 13. September 1872 wurde in Airolo mit den Bauarbeiten des Gotthardtunnels begonnen. Am 24. Oktober 1872 begann der Bau in Göschenen. Für den Bau des Gotthardtunnels wurde der in Genf ansässige am 26. Januar 1826 geborene Bauunternehmer Louis Favre verpflichtet. Favre, ein gelernter Zimmermann, sammelte in Frankreich bei der PLM (Paris – Lyon – Mediterrane) Erfahrungen im Tunnel- und Brückenbau. Am 7. August 1872 unterschrieb Favre den für ihn so verhängnisvollen Vertrag mit der Gotthardbahngesellschaft. Er verpflichtete sich, den Tunnel für 56 Mio Franken in 8 Jahren zu bauen und betriebsbereit der Gotthardbahn-Gesellschaft zu übergeben. Dabei wurden keine Klauseln im Vertrag eingebaut, die höhere Gewalt versicherten. Bei Verzögerungen sollte Favre der Gotthardbahn eine Entschädigung zahlen. Ein Jahr später begannen auch die Bauarbeiten für die Tessiner Talbahnen, welche unter der Leitung von Robert Gerwig entstanden. | |||||
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1873
1873
1873 |
Obwohl Favre als verständnisvoller Chef von den Arbeitern geschätzt wurde, schnitt er bei der Arbeiterfürsorge schlecht ab. Die Arbeitsbedingungen im Haupttunnel waren für die meist italienischen Arbeiter alles andere als gut. Der Lohn wurde ihnen in einer eigenen Währung ausbezahlt, so dass sie nur in den firmeneigenen Läden einkaufen konnten. Zudem mussten sie das Öl für die Tunnellampen selber bezahlen. Anfänglich gab es nicht mal eine Krankenversicherung. Zudem waren die Temperaturen im Tunnel mit über 30 °C recht hoch. Die Arbeiter mussten nach getaner Arbeit bei kalter Zugluft die Unterkünfte mit den durchnässten Kleidern aufsuchen. Die Betten wurden den Arbeitern von Spekulanten zu 25 Centesimi vermietet. Wobei dieser Betrag nur für ein Drittelbett gerechnet war. Die Betten wurden somit von drei Arbeitern abwechselnd benutzt. Zudem hatten die Arbeiter mit Wassereinbrüchen und dem enormen Bergdruck zu kämpfen. Die von der Mont Cenis Linie übernommen Bohrmaschinen, waren alles andere, als für das harte Gestein des Gotthards geeignet. Die durch den Bergdruck notwendigen Sicherungen verzögerten den Bau noch zusätzlich. Es zeichnete sich schon früh ab, dass der vertraglich festgelegte Termin für die Fertigstellung am 1. Oktober 1880 nicht möglich sein wird. |
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1875
1875 |
Ende Juli 1875 kam es in Göschenen zu Arbeiterunruhen. Die Mineure weigerten sich, in der von Rauchgasen verpesteten Atmosphäre ihre Arbeit wieder aufzunehmen, und verlangten Lohnaufbesserungen. Diese Unruhen sollten zum schwärzesten Tag in der Geschichte der Gotthardbahn führen. Eine halbe Kompanie militärisch geführter Milizen wurde von Altdorf angefordert. Bei ihrem eintreffen in Göschenen wurden sie von der aufgebrachten Arbeitermenge mit Steinwürfen tätlich bedroht. Die Truppen machten von der Schusswaffe gebrauch und töteten zwei Arbeiter. Viele wurden bei dem Gemetzel verletzt. Louis Favre, die einzige Person, die mit den Arbeitern hätte sprechen können, war zu diesem Zeitpunkt nicht in Göschenen. Der Aufstand wurde daraufhin beendet. Nach diesem Vorfall getrauten sich die Arbeiter nicht mehr zu einem erneuten Aufstand. | |||||
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1876
1876 |
1876 kam die Gotthardbahngesellschaft in eine schwere finanzielle Krise, die das ganze Projekt in Frage stellte. Grund waren die enormen Kosten des Tunnels und die von Wilhelm Hellwag unterbreiteten Kostenvoranschläge für die Zufahrtsstrecken. Die Einberufung einer neuen Gotthardkonferenz ermöglichte eine Redimensionierung des Projektes. Die Zufahrtsstrecken wurden darum vorerst nur eingleisig gebaut. Wobei schon viele Bauten für eine Doppelspur vorbereitet werden sollten. Die Strecken über den Monte Ceneri und die Zufahrten von Luzern und Zürich - Zug her wurden zurückgestellt. 1878 wurden mit einem Vertrag zwischen Italien und der Schweiz der Bau der Linie über den Ceneri beschlossen, so dass diese Strecke mit der Gotthardbahn 1882 eröffnet werden konnte. | Die Finanzierung eines Simplontunnels zwischen dem Wallis und Italien unter dem Simplonpass durch, sollte durch die Bahngesellschaft SOS (Suisse Occidentale-Simplon) erbracht werden. Da die Bahngesellschaft aber in eine finanzielle Krise geriet, schien der Bau des Simplons wieder in fernere Zeiten verschoben. Nachdem die SOS mit der Jura – Bern – Luzern – Bahn fusioniert hatte, war eine Finanzierung des Simplon wieder in greifbare nähe gerückt. Die aus dieser Verbindung entstandene JS (Jura – Simplon - Bahn) brachte das notwendige Geld für den Simplontunnel auf. | ||||
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1879
1879
1879 |
1879 wurde schliesslich mit dem Bau der Zufahrten nach dem Projekt von
Hellwag begonnen. Dieses Projekt wird auch Heute noch von Ingenieuren
bewundert.
Am 19. Juli 1879 um 14.00 Uhr erlag Louis Favre im nördlichen Vortrieb einem Herzschlag. Er hatte mit Ängsten zu kämpfen. Seine grösste Sorge war, dass sich die beiden Richtstollen nie treffen würden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Favre sein gesamtes Vermögen verloren. Seiner Tochter wurde schliesslich eine Rente von 10'000 Franken bis zu ihrem Tod (1912) zugesprochen. Favre wurde auf dem Friedhof in Göschenen in einem einfachen Grab beerdigt. Ein Denkmal, oder einen Platz, wie das für andere Grössen des Gotthardbahn-Projektes gemacht wurde, gibt es für Louis Favre nicht. Ein einfacher Grabstein mit seinem Kopf schmückt sein Grab. Ein Held war Favre nicht, und soll auch nicht zu einem gemacht werden. Er war ein sympathischer Mensch, eine markante Persönlichkeit. So dass man ihn nach über 100 Jahren noch kennt, was für die Schweiz etwas heissen soll. |
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1880
1880 |
Am 28. Februar 1880 kam es schliesslich zum Durchschlag. Der erste, der den Tunnel vom Südstollen in den Nordstollen durchquerte war Favre. Sein Bild wurde in einer Blechkapsel durch das Bohrloch gereicht. Die Abweichung der Tunnelachse betrug in der Längsachse 33 Zentimeter. In der Vertikalen war die Abweichung nur wenige Zentimeter und ohne Bedeutung. Die Arbeitsbedingungen besserten sich durch die nun auftretende Zugluft schlagartig. Zur selben Zeit kam jedoch aus Turin die Kunde, dass bei zurückgekehrten Arbeitern in Spitälern ein Eingeweidewurm entdeckt wurde. Diese als Anämie bezeichnete und gefürchtete Krankheit grassierte in Göschenen und vor allem in Airolo. Die betroffenen Mineure hatten nur noch eine kurze Lebenserwartung. Die Krankheit ist auch Heute noch von den Mineuren gefürchtet. |
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1881
1881 |
Die Anzahl der Todesopfer am Gotthard war enorm. Nach offiziellen Angaben starben 30 Arbeiter bei tödlichen Unfällen. 147 Mann starben an Krankheiten aus der Arbeit im Tunnel. Ihnen wurde in Airolo auf dem Bahnhofplatz ein Denkmal gewidmet. Der Tunnel hatte am Schluss 63 Mio Franken gekostet. Wobei die Forderungen der Bauunternehmung Favre zusätzlich 14.7 Mio Franken betrug. Die Gotthardbahngesellschaft machte zudem Gegenansprüche von 8.8 Mio geltend. Der Unternehmung wurden letztlich noch 760'000 Franken zugesprochen. Der erste Zug fuhr am 1. Januar 1882 durch den Tunnel. |
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1882
1882 |
Beim Bau der Zufahrtsstrecken wurde erstmals eine neue Art von Tunnel gebaut. Die Spiralkehrtunnel bei Wassen und in der Leventina galten damals als gleiche Meisterleistung wie der Haupttunnel. Mit Hilfe dieser Kehrtunnel konnte die Steigung der Strecke auf 25 - 27 ‰ (Offizielle Steigung 26 ‰) limitiert werden. Projekte mit Aufzügen und Spitzkehren konnten somit weggelassen werden. Besonders interessant ist die Tatsache, dass diese Kehrtunnel eine etwas geringere Steigung haben als die restliche Strecke. Damit konnte mit den Dampfloks in den engen Kehren die gleichen Lasten mit derselben Geschwindigkeit, wie auf den freien Strecken, befördert werden. Die Zufahrtsstrecken wurden am 01. Juli 1882 dem Verkehr übergeben. Die Bauzeit für die gesamte Strecke betrug somit rund 10 Jahre. | Da die Simplonlinie hauptsächlich durch französische und Westschweizer Investoren gefördert wurde, stand Bern anfänglich alleine da. Berns, aus der Beteiligung an der JBL resultierende Macht in der JS, war zu gering, damit Bern Einfluss ausüben konnte. Bern musste daher einige Bahnen vor allem im Emmental (EBT) und Berner Oberland (SEZ und GBS) selber finanzieren. 1891 zeichneten sich jedoch bei der Finanzierung des Simplontunnels Verzögerungen ab. | ||||
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1883
1883 |
Die Gotthardbahngesellschaft sah sich schon kurz nach der Eröffnung vor grosse Probleme gestellt. So war die nur eingleisige Strecke schon ab dem Jahr 1883 überlastet, so dass gleich mit dem Ausbau auf Doppelspur begonnen werden musste. Die ersten Linien waren der Gotthardtunnel und die Strecke Bellinzona – Giubiasco. Auch der Abzug der Rauchgase aus dem Tunnel funktionierte bei dieser Zugsdichte nicht optimal und musste verbessert werden. Durch die vielen in unterschiedlichen Richtungen verkehrenden Züge, kam die natürliche Ventilation zum erliegen. Zusätzlich Ventilatoren mussten daher montiert werden. | |||||
| 1884 | Weitaus grösser war das Problem mit dem Personal. In den Alpenregionen der damaligen Zeit waren zu wenige Leute zu finden, die schreiben und lesen konnten. Aus diesem Grund musste das Personal aus weiten Teilen der Schweiz rekrutiert werden. Diese Tatsache ergab aber neue Probleme. Die in Uri durch private geführten Schulen, waren für die Arbeiter der Gotthardbahn zu teuer. Im Tessin kam dann noch die Sprachbarriere dazu. | |||||
| 1885 | Deshalb musste die Gotthardbahn in den Dörfern, Schulen und weitere Gebäude für die Bevölkerung schaffen. In dem kleinen Bauerndorf, das mit der Gotthardbahn erst zu dem wurde, was es heute ist, erstellte die Gotthardbahn eine Schule, ein Badhaus und eine reformierte Kirche. Die Schule blieb auch nach der Verstaatlichung der Bahnlinie erhalten. Die Rede ist hier von Erstfeld. | |||||
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1890
1890 |
Im Gegensatz zu den Erbauern, war die Gotthardbahn ein sehr guter und sicherer Arbeitgeber. So zahlte die Gotthardbahn die besten Löhne und das Personal kam in den Genuss einer Pensions- und Hilfskasse. Zudem betrieb die Gotthardbahn ein eigenes Lebensmitteldepot in Bellinzona, in dem die Bahnangestellten günstigere Lebensmittel beschaffen konnten. Dem Personal der Bergstrecke wurden Freifahrscheine zu den Wochenmärkten in Bellinzona und Luzern abgegeben. So überraschend ist dies nicht, da das Personal irgendwie in das Tal der Reuss und in die Leventina „gelockt“ werden musste. | |||||
| 1891 | Besonders erwähnenswert ist ein Unikum in der hygienischen Fürsorge für das in der Magadinoebene der Gefahr der Malaria ausgesetzte Personal. Besonders erwähnenswert ist die Vorschrift für die Streckenwärter, die einen Schoppen Wein vorschrieb. Aber auch Vorschriften zu Bekleidung bestanden, wobei diese geforderten Gegenstände und Kleider von der Bahn abgegeben wurden. | |||||
| 1892 | Passierte auf der Gotthardbahn ein tödlicher Unfall, wurde dies mittels Telegramm an alle Stationen mitgeteilt. Auf dem Telegramm war zudem der Vermerk „Dieses Telegramm dient als Fahrausweis“ angebracht. Dadurch konnte das Personal an der Beerdigung teilnehmen. | |||||
| 1893 | Am 28. Mai 1893 wurde mit der Strecke Wassen – Göschenen die durchgehende Doppelspur zwischen Erstfeld und Biasca eröffnet. Die letzte Doppelspur der eigentlichen Gotthardbahn wurde erst nach der Verstaatlichung eröffnet. | |||||
| 1894 | Die Dampflokomotiven wurden bis zu ihrer Leistungsgrenze gefordert. Wenn die Gotthardbahn eine neue Dampflok anschaffte, war es eine der stärksten Maschinen der Welt. Ihren Abschluss fand die Beschaffung von grossen Dampfloks mit den C 4/5 und A 3/5 Maschinen in den Jahren 1906 und 1908. | |||||
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1896
1896 |
1896 schaffte die Gotthardbahn eine Schneeschleuder an, da die vorhandenen Schneepflüge nur bedingt ausreichten. Diese Dampfschneeschleuder sollte noch viele Jahre die Gotthardstrecke vom Schnee befreien. Sie steht heute als Erinnerung an den Winterdienst der Gotthardbahn im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Ebenso steht die kleine Dampflok, die die Postzüge durch den Gotthardtunnel beförderte ebenfalls im Verkehrshaus. Diese beiden Fahrzeuge sind die einzigen Triebfahrzeuge der Gotthardbahn, die erhalten geblieben sind. | |||||
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1897
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Als 1897 ein neues Eisenbahn-Subventionsgesetz zur Diskussion stand, hatte die Idee der Berner Alpenbahn bereits Fuss gefasst, so dass wieder eine Subvention an den Simplontunnel darin aufgenommen wurde, dessen Finanzierung im folgenden Jahr endlich zustande kam. Im Jahr 1898 wurde endlich mit dem Bau des Simplontunnels begonnen. | |||||
| 1898 | Die ersten Projekte für eine Bahn durch die Berner Alpen, welche eingereicht wurden, waren zum Teil recht abenteuerlich. Jedoch zeichneten sich zwei grundlegende Varianten ab. Die einen bauten ihre Bahn durch das Simmental und den Wildstrubel. Andere versuchten ihr Glück über das Kandertal und den Lötschberg. Jedoch, so unterschiedlich die Varianten auch waren, sie hatten alle dasselbe Ziel. Den Anschluss an den Simplontunnel. | |||||
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1899
1899 |
Alle Projekte zu erwähnen ist sehr aufwendig und würde unübersichtlich, da viele auf den Projekten der anderen ihr eigens Projekt aufbauten. Daher beschränke ich mich auf einige wenige. Die lukrativste Variante durch den Wildstrubel sah einen Tunnel von 12.12 Kilometer Länge vor. Das Projekt wurde von E. von Stockalper eingereicht. Die Linie hätte von Thun durch das Simmental bis in die Gegend von Lenk geführt. Dort wäre das Nordportal entstanden. Am anderen Ende in der Gegend von Leukerbad hätte man das Wallis erreicht. Interessant an dieser Variante war die Tatsache, dass sie bei Steigungen von maximal 25 ‰ ohne künstliche Streckenverlängerung auskam. Der Wildstrubeltunnel währe auf etwa gleicher Höhe wie der Gotthard zu liegen gekommen. | |||||
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1900
1900 |
Am Lötschberg erarbeitete Wilhelm Teuscher gleich mehrere Projekte. Die ersten beiden Projekte sahen noch einen kurzen Scheiteltunnel unter dem Lötschberg vor. Dieser Tunnel mit einer Länge von wenigen Kilometer wäre auf einer Höhe von 1'500 Meter über Meer zu liegen gekommen. Die Strecke mit einer Steigung von maximal 25 ‰ hätte im Raum Mitholz und im Lötschental mit Hilfe von Kehrtunnel verlängert werden müssen. Das Endziel der Strecke wäre schliesslich Visp gewesen. Visp deshalb, da anfänglich das Nordportal des Simplons in Visp gebaut werden sollte. | |||||
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1901
1901 |
Als sich jedoch abzeichnete, dass das Nordportal des Simplontunnels nicht in Visp, sondern in Brig zu liegen kam, überarbeitete Teuscher seine Projekte. Er sah nun eine Bahnlinie mit maximal 27 ‰ Steigung vor, die von Thun über Spiez, Frutigen nach Kandersteg führt. Dabei mussten in der Gegend von Mitholz eine Wendeschleife und ein Kehrtunnel gebaut werden. Südlich von Kandersteg sollte die Strecke durch den 13.5 Kilometer langen Lötschbergtunnel nach Goppenstein führen. Ab dort folgte die Bahnlinie den Hängen nach Brig. Letztlich sollte noch eine Stichlinie von Visp nach Lalden bebaut werden. Kommt Ihnen diese Linie bekannt vor? Ja, es ist die Strecke, die letztlich gebaut wurde. Einzig die Stichlinie nach Visp wurde fallen gelassen. | |||||
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1902
1902 |
Bei all den Projekten hatte Bern jedoch ein weiteres Problem. Es hatte die finanziellen Mittel nicht, um ein solches Bahnprojekt zu bauen. Von der Schweiz und den SBB war keine Hilfe zu erwarten. Die neu gegründeten SBB waren gelinde gesagt unerfreut über die Ideen Berns. Da bereits bekannt war, dass die Gotthardbahn zur SBB kommt, war die Lötschbergbahn eine Konkurrenz. Zudem würde die Lötschbergbahn die Linie von Lausanne nach Brig konkurrieren. Dies um so mehr, als das der Simplon mittlerweile nach der Verstaatlichung der JS zur SBB gehörte. Den Verantwortlichen der SBB gelang es gut, die Landesregierung auf ihre Seite zu bringen. | |||||
| 1903 | Da somit Bern auf die Hilfe der Landesregierung verzichten musste, mussten andere Mittel gefunden werden, um die Strecke zu finanzieren. Hilfe aus dem Ausland hatte ja schon beim Gotthard zum Erfolg geführt. Jedoch waren die Staaten Italien und Deutschland mit der Gotthardbahn zufrieden und sahen keinen Grund, eine weitere Alpenbahn zu bauen, da ja noch die Linien über Semmering, Brenner und Mont Cenis bestanden, sahen diese beiden Staaten keinen Sinn in einer weiteren Bahnstrecke durch die Alpen. | |||||
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1904
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Da aber Frankreich im Krieg mit Deutschland 1871 das Elsass an die Deutschen verloren hatte, kam Hilfe aus Paris. Frankreich musste nun eine andere Linie in den Süden suchen. Sein Zugang nach Basel und somit zum Gotthard war nicht mehr möglich. Der Lötschberg schien genau passend. Nur musste noch ein Durchstich im Jura erstellt werden. Aus diesem Grund gehört die Linie Moutier - Lengnau mit dem Grenchenbergtunnel heute zur BLS. | |||||
| 1905 | Bern war über die Hilfe Frankreichs erfreut. Die Finanzierung sollte mit dem Verkauf von Aktien gesichert werden. Ein Grossteil der Aktien wurde dabei in Frankreich abgesetzt. Diese Aktionäre machten sich später für Firmen aus ihrem Land stark. | |||||
| 1906 | Am 15. Oktober 1906 war es schliesslich so weit, die Bauarbeiten am grossen Scheiteltunnel begannen. Ausführende Baufirma war die EGL (Enterprise Générale du Loetschberg). Über die Probleme, die beim Bau des Haupttunnels auftraten, habe ich an anderer Stelle schon ausführlich berichtet. Sehen Sie deshalb unter Lötschbergtunnel nach. | |||||
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1907
1907
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Am Lötschberg stellten sich im Gegensatz zum Gotthard beim Bau der Zufahrten weitere Probleme. Die Verkehrswege des Gotthards waren durch den schon zur Zeit der Postkutschen grossen Verkehr gut ausgebaut. Damit konnten die Maschinen mit Hilfe von Fuhrwerken an die Baustellen gebracht werden. Beim Lötschberg sah die Sache ganz anders aus. Die Wege der Täler dienten nur dem regionalen Verkehr und waren daher nur schlecht für die Transporte geeignet, oder sie waren gar nicht vorhanden. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurde sehr schnell die Bahnlinie Spiez – Frutigen gebaut. Ab Frutigen wurde letztlich eine schmalspurige Baubahn erstellt. Diese Baubahn nach Kandersteg besass Brücken die denen auf dem eigentlichen Trassee in nichts nachstanden. Diese Baubahn ermöglichte den notwendigen Transport. Sie hatte überall Anschlüsse an die einzelnen Baustellen. Je nach Baufortschritt wurde die Baubahn verlegt und anders geführt. |
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1908
1908
1908 |
Auf der anderen Seite, im Lötschental, sah es nicht viel besser aus. Die Strasse nach Goppenstein existierte beinahe nicht. Zusätzlich konnte das Lötschental im Winter nicht befahren werden, da die vielen Lawinenzüge einen normalen Verkehr verunmöglichten. Zudem mussten auch die Baustellen hoch über dem Rhonetal bedient werden. Aus diesem Grund wurde auch hier eine Baubahn erstellt, die dem heutigen Trassee folgte. Auch hier wurde die Baubahn je nach Fortschritt verlegt. Die Strecke führte letztlich durch die fertigen Tunnel und über die erstellten Brücken. Der Heute der Bahnstrecke entlang eingerichtete Wanderweg folgt zeitweise der Linienführung der Baubahn. Im Gegensatz zum Gotthard bedingte die Lötschbergbahn viele und zum Teil riesige Brücken. Schon kurz nach Frutigen wird das Tal auf dem grossen Kanderviadukt überquert. Diese Brücke wurde gebaut, da der sumpfige Boden nicht für einen Damm geeignet war. Aber auch weiter oben waren viele Brücken und südlich von Kandergrund auch Tunnels zu erstellen. Im Wallis waren die Brücken noch grösser. Die imposanten Luogelkinn-, Bietschtal-, oder Baltschieder-Brücken sind auch Heute noch sehr bekannt. Weniger bekannt sind die Rhonebrücke in Brig und viele andere kleinere Brücken. Doch, diese vielen Brücken verschlangen grosse Summen. |
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1909
1909
1909
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Am 1.Mai 1909 wurde die Gotthardbahn verstaatlicht. Nicht, dass es der Bahn finanziell schlecht gegangen wäre, wie das bei den anderen verstaatlichten Bahnen der Fall war, im Gegenteil, die Gotthardbahn war eine wahre Goldgrube. Die Stationen wurden auf diesen Tag hin geputzt und geschmückt. Die Bundesbahnen SBB wurden im wahrsten Sinne des Wortes feierlich willkommen geheissen. Doch so einfach, wie das hier aussieht, war die Verstaatlichung nicht. Da die Schweiz vertraglich mit Italien und Deutschland gebunden war, mussten auch diese beiden Staaten der Verstaatlichung zustimmen. Der Gotthardvertrag musste zudem geändert werden. Die Gotthardbahn konnte nicht bereits 1902 der SBB einverleibt werden, da die Gotthardbahn eine gültige Konzession bis 1909 hatte und keine finanziellen Schwierigkeiten hatte. |
Im Rhonetal waren die Felspartien alles andere als geeignet um eine Bahnlinie zu bauen. Im Bereich der Selvisteintunnel mussten die Tunnel noch vor der Eröffnung saniert werden. Später wurden diese Tunnel sogar aufgegeben und ein neuer dritter Selvisteintunnel gebaut. Das Geld wurde wegen diesen Problemen am Lötschberg ebenfalls zunehmend knapp. Die Verzögerungen am Haupttunnel wegen dem Einbruch und der damit verbundene Umweg, führten die noch junge Lötschbergbahn in finanzielle Nöte. Der Tunnel sollte trotz dem Umweg nicht viel teurer werden. Die Probleme mit der Südrampe und die Verzögerungen brachten die Probleme. Die Ausfälle der Einnahmen waren das grösste Problem. Wie am Gotthard wurden deshalb die Brücken und Tunnel nur für einen zweispurigen Ausbau vorgesehen. Die Strecke wurde aber nur einspurig gebaut. Nur der Lötschbergtunnel sollte von Anfang an zweispurig sein. Diese Massnahme erschien nicht so schlimm, da der Simplontunnel ebenfalls nur eingleisig gebaut worden war. Zudem glaubte man, nach den Erfahrungen am Gotthard, dass ein schneller Doppelspurausbau erfolgen wird. Während dem Bau wurde beschlossen, dass die Strecke nicht mehr mit bewährten Dampfloks, sondern elektrisch mit neu konstruierten Lokomotiven betrieben werden soll. Nicht zuletzt die Probleme mit der Belüftung am Gotthard und im Simplontunnel, führten zu diesem Entscheid. |
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1910
1910 |
Dazu standen zwei Systeme zur Auswahl. Erstens das am Simplon verwendete Drehstromsystem, das eine aufwändige Fahrleitung benötigt. Zweitens stand zur Zeit der Lötschbergbahn im Raum Zürich auf der Strecke Seebach – Wettingen ein neuartiges System im Betrieb. Der Vorteil dieser Betriebsform war die einfache und leicht zu erstellende Fahrleitung. Dadurch wurde aber in Kauf genommen, dass Brig ein Zweisystembahnhof werden wird. Die Lötschbergbahn entschloss sich trotz der ungewissen Eignung dieses System zu erstellen. Um Erfahrungen mit dieser Betriebsform zu sammeln, wurde die Strecke zwischen Spiez und Frutigen sehr schnell elektrifiziert. Die ersten Züge fuhren schon einige Jahre vor der Eröffnung der Lötschbergbahn elektrisch. Die Hersteller führten auf diesem Abschnitt mehrere unterschiedliche Lokomotiven vor, die sich jedoch teilweise als untauglich erwiesen. |
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1911
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Die von der Gotthardbahn übernommen Lokomotiven reichten einfach nicht mehr aus um dem steigenden Verkehr gerecht zu werden. die noch Junge SBB musste sich mit der Beschaffung neuer Dampflokomotiven für den Gotthard befassen. | Besonders zu erwähnen ist hierbei die durch die AEG in eigener Rechnung gebaute und der BLS vorgestellte Lokomotive mit der Bezeichnung Fb 2 x 2/3. Diese Maschine erschien den Leuten der BLS als untauglich. Die Maschine wurde später im Raum Berlin bei der KPEV mit der Bezeichnung EG 509/510 eingesetzt. Die DRG gab ihr später die Bezeichnung E 70. Wohl die wenigsten, die die Lok mit der Bezeichnung E 70 kannten, wussten bisher, dass die Lok eigentlich für die Lötschbergstrecke entworfen wurde. | ||||
| 1912 | Die Kraftwerke wurden durch die Bernischen Kraftwerke BKW bei Spiez und bei Kandergrund gebaut. Die BLS bezog ihren Strom direkt ab diesen Kraftwerken. Die Stromlieferungen ab dem Kraftwerk Spiez reichten für den Versuchsbetrieb aus. Für die Bergstrecke wurden dann noch einige Turbinen im Kraftwerk Kandergrund eingebaut. | |||||
| 1913 | Die SBB beschafften weitere 19 C 4/5 Lokomotiven. Schliesslich wurden ab 1913 noch die 30 C 5/6 Dampflokomotiven beschafft, und wie könnte es auch anders sein, diese Loks gehörten zu den stärksten Dampfloks der damaligen Zeit. Die Eröffnung der Lötschberg und der Simplon Bahn brachte eine Entlastung, da sich der Verkehr aus Frankreich auf diese Achsen verlagerte. Was den Verantwortlichen hingegen nicht gefiel, da damit auch die Einnahmen zurückgingen. | Am 15. Juli 1913 war es schliesslich soweit, die Lötschbergbahn konnte ihren regulären Betrieb aufnehmen. Die Eröffnungsfeierlichkeiten fanden im Beisein von Behördenmitgliedern aus Bern, dem Wallis und Frankreich statt. Auch von der schweizer Landesregierung waren einige Vertreter anwesend. | ||||
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1914
1914 |
Der erste Weltkrieg beutelte die junge SBB hart. Der Rohstoffmangel machte sich vor allem bei den Kohlen bemerkbar. Die Dampfloks der Gotthardbahn waren zu jener Zeit oft mit Holz bis an den Rand beladen. Trotzdem musste der Verkehr eingeschränkt werden, was jedoch am Gotthard dem zunehmenden Verkehr widersprach. Jedoch erbrachten die mit Holz gefeuerten Loks am Gotthard nicht mehr die volle Leistung. Die 1913 eröffnete Lötschbergbahn, konnte damals die volle Leistung erbringen. Ihr Vorteil war in der modernen elektrischen Zugführung zu suchen. | Der erste Winter stellte auch die Lötschbergbahn vor die gleichen Probleme wie die Gotthardbahn 1882. Die Lawinen waren gefürchtet. Vor allem jene im Lötschental und in den Walliser Seitentäler. Der Bahnhof Goppenstein dient als eigentlicher Lawinenschutzdamm. Im Mankingraben wurde ein spezielles Alarmsignal aufgebaut. Mit zusätzlichen Verbauungen konnte jedoch auch hier Abhilfe geschaffen werden. Um die auf über 1000 Meter über Meer doch erheblichen Schneemengen und den Lawinenschnee schnell beiseite zu räumen, beschaffte die BLS eine Dampfschneeschleuder nach den Vorbildern bei der Gotthardbahn und der Rhätischen Bahn. | ||||
| 1915 | Obwohl der Fahrplan in weiten Teilen der Schweiz ausgedünnt wurde, und die wenigen Kohlen, die vorhanden waren auf die wichtigsten Strecken verteilt wurden, reichte es einfach nicht für den Verkehr am Gotthard. Die Züge mussten gestrichen werden. | Das Streckennetz der BLS war zwar nur um ein paar Kilometer Neubaustrecke grösser geworden. Jedoch wurde aus der Regionalbahn mit einem Schlag eine Transitachse. Es verkehrten Internationale Schnell- und Expresszüge über den Lötschberg. Oft mussten die nur mit Dampfheizung ausgerüsteten Wagen mit einem zusätzlichen Heizwagen mit dem Dampf versorgt werden. Die Heizwagen wurden ab der Heizleitung der Triebfahrzeuge versorgt. | ||||
| 1916 | Mit zunehmender Dauer des Krieges wurde die Situation immer dramatischer, die Rohstoffe reichten jetzt auch nicht mehr für die schwersten Züge am Gotthard. Der Verkehr kam oft beinahe zum erliegen, doch immer fand sich irgendwo wieder ein kleiner Rest Kohle. Die keine Probleme besitzende Lötschbergbahn lies erkennen, dass auch der Gotthard eine Fahrleitung benötigte. | Die aber ebenfalls zu BLS-Gruppe gehörenden Bahnstrecken der mitbetriebenen Bahnen SEZ, GBS und BN ergaben ein beachtliches Streckennetz, das nur noch von der Rhätischen Bahn und natürlich den SBB übertroffen wurde. Diese Strecken waren aber anfänglich nur mit Dampflokomotiven befahrbar. Am 14. Mai 1928 wurde mit der Strecke nach Neuchâtel die letzte Strecke dem elektrischen Betrieb übergeben. | ||||
| 1917 | Daher wurde am Gotthard mit der Elektrifizierung der Strecke begonnen. Für die Versorgung wurde das gleiche System gewählt, das bei der Lötschbergbahn so gut funktionierte. Die Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb auf der Strecke Seebach – Wettingen begünstigten den Entscheid. Die Alternative mit dem am Simplon verwendeten Drehstrom schied wegen der aufwändigen Fahrleitung schon von Anfang an aus. | Der Verkehr funktionierte anfänglich nur schleppend, da viele Probleme mit der mangelhaft montierten Fahrleitung auftraten. Auch die Lokomotiven des Typs Be 5/7 funktionierten nicht immer befriedigend. Doch lange Zeit konnte die BLS den störungsanfälligen Betrieb nicht aufrechterhalten. Der erste Weltkrieg bescherte der BLS ein Verkehrswachstum. Nicht zuletzt die Probleme der SBB mit der Kohlenbeschaffung führte zur Verlagerung des Verkehrs an den Lötschberg. | ||||
| 1918 | Die Arbeiten für die Fahrleitung wurden aufgenommen. dabei musste immer in den Zugspausen gearbeitet werden, denn der normale Verkehr sollte so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. | Da die SBB die Linie Bern – Thun noch während dem Krieg mit dem Fahrdraht überspannten, kamen anfänglich die neuen SBB-Lokomotiven am Lötschberg zum Einsatz. Erst als der Gotthard ebenfalls elektrisch betrieben werden konnte, verschwanden die Lokomotiven wieder. | ||||
| 1919 | Die ersten elektrischen Lokomotiven, die auf der Gotthardstrecke verkehren sollten, wurden abgeliefert und sogleich auf der Strecke Bern - Thun erprobt. Es handelte sich dabei um die Be 4/6 und Ce 6/8 II. Wobei letztere erst im Jahr 1921 durch die SBB übernommen wurden. | In dieser Zeit stellte sich ein schneller Ausbau auf Doppelspur ins Rampenlicht. Die Verkehrszunahme auf der nur eingleisigen Strecke war enorm. Doch das Schicksal sollte der Lötschbergbahn nicht gnädig sein. Am Ende des ersten Weltkrieges eroberte Frankreich das Elsass wieder zurück. Der Zugang über Basel war nun wieder möglich und die Züge verkehrten über Basel in Richtung Gotthard. Die Strecke durch den Grenchenbergtunnel verlor ihren im Güterverkehr internationalen Charakter vollends. | ||||
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1920
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Am 13. September 1920 konnte der erste Abschnitt zwischen Göschenen und Ambri-Piotta dem Betrieb übergeben werden. Natürlich, dass die Züge weiterhin mit Dampfloks bespannt waren. Jedoch, konnten die ersten Versuchsfahrten mit den neuen Lokomotiven absolviert werden. Anfänglich musste die Fahrleitungsspannung von 15'000 Volt auf 7'500 Volt reduziert werden, da der Russ der Dampfloks die Isolatoren verschmutzte und es zu Kurzschlüssen kam. | Als letztlich auch die Gotthardbahn durchgehend elektrisch befahren werden konnte, kam der Verkehr am Lötschberg beinahe zum erliegen. Eine Doppelspur war wieder weiter entfernt als auch schon. Die BLS stellte aber immer wieder Lokomotiven in Betrieb, die sehr leistungsfähig waren, so mussten auch keine Vorspannloks zurückkehren. Langsam zeichnete sich ab, dass der Ausbau noch lange auf sich warten lässt. | ||||
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1921
1921
1921
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Jedoch war es mit dem Bau der Fahrleitung noch nicht geschehen. Die Kraftwerke und Zuleitungen mussten in den noch wenig elektrifizierten Gegenden neu gebaut werden. Die Anlagen sind teilweise Heute noch in Betrieb. Sie stellen Heute einen Teil der für die SBB benötigten Energie her. Die Wasserkraft in den Tälern wird mittlerweile sehr intensiv genutzt. Als Beispiel gebe ich hier die Staustufen des Reusstales an. In der Leventina sieht die Sache ähnlich aus. Die Stromerzeugung beginnt in Göschenen. Dort wird mit dem Wasser aus dem Göscheneralpsee Energie erzeugt. Die nächste Stufe befindet sich in Wassen. Das Wasser wird dazwischen jedoch nicht mehr der Reuss zugeführt. Die letzte Stufe stellte lange Jahre das SBB-Kraftwerk Amsteg dar. Die das Wasser in Bereich des Pfaffensprungs fasste und über die lange Jahre sichtbaren Druckleitungen den Turbinen zuführt. Seit dem Umbau sind die Druckleitungen im Berg. Dazu kommt aber ein Niederdruck-Kraftwerk, das das Wasser ein letztes Mal nutzt, bevor des in die Reuss fliesst. Die montierten Generatoren erzeugen nicht nur Bahnstrom. Die meisten dienen Heute der Landesversorgung. Lokomotiven der Baureihe Be 4/6 und die legendäre Krokodillok Ce 6/8 II übernahmen die Hauptleistung der Zugförderung. Ach, und um es erneut zu sagen, sie waren, wie kann es auch anders sein bei den stärksten E-Lokomotiven der Welt vertreten. Die Dampfloks verschwanden sehr schnell vom Gotthard. Die wurden in anderen Regionen eingesetzt. |
Einige Abschnitte wurden zwar zur Vereinfachung des Betriebs zweigleisig, aber eine durchgehende Doppelspur gab es über Jahrzehnte nicht. Auch sonst waren am Lötschberg keine grossen Leistungssteigerungen wie am Gotthard nötig. Die Strecke blieb viele Jahre unverändert. Moderne Signalanlagen wurden ebenfalls nur bei notwendigen Umbauten eingebaut. Der Traum von der wichtigen Nord – Süd Achse war ausgeträumt. Der Vorteil der Gotthardachse war enorm, und die BLS konnte trotz Verträgen mit den SBB nicht zur grossen Transitachse werden. Die Lötschbergbahn diente fortan als Ventil des Gotthards. Kamen sich dort die Züge in die Quere, wurden ein paar Züge mehr über den Lötschberg geleitet. | ||||
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1922
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Schliesslich konnte am 28. Mai 1922 mit der Eröffnung des elektrischen Betriebs auf der Strecke Luzern – Arth-Goldau die ganze Strecke der Gotthardbahn elektrisch befahren werden. Mit der Elektrifizierung der Strecke waren die Probleme am Gotthard jedoch noch nicht beseitigt. Die Strecke war nach wie vor permanent überlastet. Die anfängliche Entlastung durch die Lötschbergbahn war schnell wieder durch den zunehmenden Verkehr ausgeglichen. Neue leistungsfähige Lokomotiven vermochten schwerere Züge zu befördern. | |||||
| 1930 | Jedoch stellte sich auch ein Problem bei der elektrischen Zugförderung. Die immer mehr Leistung verlangenden Maschinen belasteten die Fahrleitung und die Kraftwerke enorm. Neue Kraftwerke wurden dem Betrieb übergeben. Die Fahrleitung am Gotthard wurde laufend verstärkt. Auch Heute ist die Fahrleitung am Gotthard anders gebaut als auf anderen Strecken. Die oberen Tragseile sind auf den Rampen doppelt geführt worden. | |||||
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1938
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Bis 1938 hatte der Gotthardtunnel eine offizielle Länge von 14'997.89 Meter. Nach Nachmessungen durch das Eidgenössische Amt für Landestopografie wurde die Länge auf die noch Heute gültigen 15'002,64 Meter festgelegt. Zu jener Zeit wurden die drei grossen E-Loks der Reihe Ae 8/14 dem Betrieb übergeben. Die dritte und letzte, die 11'852 war die stärkste Lokomotive auf der Welt. | Mit dem zweiten Weltkrieg kamen wieder einmal Stimmen auf, die ein zweites Gleis am Lötschberg forderten. Der zusätzliche Verkehr beanspruchte die Lokomotiven und die Einspurstrecke stark. Der Ausbau lies jedoch weiter auf sich warten. Oft kamen auch wieder Gedanken an die Zeit von 1913 auf, als Frankreich den Weg durch den Jura nehmen musste. Die Schlachten sollten sich aber auch jetzt wieder zu ungunsten der Lötschbergbahn entscheiden. Im Osten übergibt Frankreich die Züge in Basel in Richtung Gotthard. Die Züge, die im Westen von Frankreich her kommen, nehmen die Simplonlinie um nach Brig zu kommen. | ||||
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1947
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Mit dem Winterfahrplan 1946/47 wurden wieder internationale Schnellzüge in Richtung Italien eingeführt. Ansonsten gab es auf der Gotthardbahn keine baulichen Veränderungen. Die Kapazität reichte problemlos für den sich allmählich wieder aufbauenden Verkehr mit Italien. | Am 19. Dezember 1947 hatte auch die Lötschbergbahn ihren schwarzen Tag. Am späten Abend explodierte in der Nähe der Bahnstation Blausee-Mitholz ein Munitionsdepot der Schweizer Armee. 3000 Tonnen Munition sorgten dafür, dass die Station Blausee-Mitholz vollständig zerstört wurde. Die Linie blieb mehrere Tage unterbrochen. Das Trassee musste zuerst nach Blindgängern abgesucht werden, bevor die Strecke wieder Instand gestellt und dem Betrieb übergeben werden konnte. Das Glück war jedoch soweit gnädig, dass zum Zeitpunkt der Katastrophe kein Zug in der Gegend war. | ||||
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1952
1952 |
Mit den Jahren wurden die alten Stahlbrücken für die immer schwerer werdenden Züge zu schwach. Die Stahlfachwerke wurden mit so genannten Fischbäuchen verstärkt. Letztlich reichte auch das nicht mehr. Die Ae 6/6 mit 20 Tonnen Achslast beanspruchte die über 70 Jahre alten Stahlbrücken enorm. Die Brücken mussten ersetzt werden, daran gab es keinen Zweifel mehr. Doch wie, denn der Verkehr sollte ja nicht behindert werden. Die Lösung wurde in der Etappierung gefunden. Erst wurde ein Geleise erneuert, danach kam erst das zweite dran. Als erste war die Stalvedro-Brücke unterhalb Airolo 1952 an der Reihe. Logisch, dass eine solche Vorgehensweise mehrere Jahre benötigt. Der Umbau fand 1983 mit dem Bau der Betonbrücke über den Rohrbach oberhalb Wassen seinen Abschluss. | Nur der eingeführte Autoverlad durch den Lötschbergtunnel entwickelte sich zur Zufriedenheit der Lötschbergbahn. Dies jedoch nur, da er absolut keine Konkurrenz zu fürchten hatte. Die Pässe sind im Winter gesperrt. Zudem müssen die Automobilisten einen Umweg über den Grimsel oder über die Westschweiz in Kauf nehmen. Der Fahrzeitverlust ist dabei zu gross. | ||||
| 1965 | Am 2. April 1965 wurde mit der Strecke Melide – Bissone (Seedamm) die letzte Doppelspur der ehemaligen Gotthardbahn in Betrieb genommen. Die dadurch gewonnene zusätzliche Kapazität war willkommen, da die Strecke mit Zügen voll gestopft war. | |||||
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1970
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Im Winter machten der Gotthardbahn die Lawinenzüge zu schaffen, die oft das Bahntrassee verschütteten. Die von der Gotthardbahngesellschaft gebauten Verbauungen erwiesen sich oft als ungenügend. Etliche zusätzliche Verbauungen brachten hier eine Verbesserung. Die Rohrbachbrücke wurde zum Schutz vor dem Lawinenzug als Betonröhre gebaut, die die Züge auf der Brücke vor der gewaltigen Staublawine schützen soll. 100 % sicher ist die Gotthardstrecke aber nach wie vor nicht. | In der Zeit der Euphorie im Strassenbau kamen die ersten Gedanken nach einer Rawil-Autobahn auf, die Bern mit dem Wallis verbinden sollte. Die Lötschbergbahn hätte den letzten lukrativen Teil, den Autoverlad, verloren. Da der Bau der Gotthardautobahn die Kosten jedoch sprengte, wurde die Autobahn durch den Rawil nie gebaut. Doch vom Tisch war die Vorlage viele Jahre nicht. | ||||
| 1972 | In den 70er Jahren kam ein neuer Koloss an den Gotthard. Die Re 6/6 mit ihrer Leistung von über 10'000 PS stellte sogar die Ae 8/14 in den Schatten. Nur die Ae 8/14 11'852 war noch kräftiger. Im Pflichtenheft der Maschine stand ein interessanter Satz. „Die Lok muss in der Lage sein, einen 800 Tonnen schweren Zug durch einen Gotthard-Basistunnel zu ziehen.“ | |||||
| 1980 | Eine ungewollte Entlastung brachte die Eröffnung des Strassentunnels im Jahre 1980. Dieser Tunnel verlagerte den Verkehr von der Schiene auf die Strasse, so dass die Gotthardbahn weniger Güter beförderte. In diesem Jahr beförderte die SBB 7'200'000 Reisende und 12'700'000 Tonnen über den Gotthard. | |||||
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1990
1990 |
Mit den Jahren brachten auch die Verstärkungen der Brücken und die dadurch mögliche Steigerung der zulässigen Lasten auch keine Abhilfe mehr. Die immer stärker werdenden Lokomotiven kamen mit ihren Zügen auf den Rampen oft zum stehen, da sie sich so dicht folgten. Die Strecke wurde daher mit zusätzlichen Blockstellen und Weichen in den Steigungen ergänzt. Die Einführung des Gleiswechselbetriebes war letztlich der Abschluss dieser Ausbauten. Bei dieser Form der Betriebsführung können die Züge wahlweise auf beiden Streckengeleisen nebeneinander verkehren. Dazu mussten aber die ältesten Stellwerke ersetzt werden. Eine Ausnahme stellt hier die Station Gurtnellen dar, die das älteste Stellwerk der Gotthardbahn besitzt und als einziger Punkt zwischen Erstfeld und Biasca nicht im Gleiswechselbetrieb befahren werden kann. | Schliesslich waren gerade die Lastwagen, welche der Gotthardbahn zu schaffen machten, dafür verantwortlich, dass die Lötschbergbahn auf zwei Spuren ausgebaut wurde. Die von der Schweizer Regierung geforderte Umlagerung auf die Schiene, sah auch einen Korridor für 4 Meter hohe Lastwagen auf der Rollenden Autobahn vor. Am Gotthard war ein solcher Ausbau jedoch nicht in vertretbarem Rahmen möglich. Auf der Suche nach einer Lösung kam der Lötschberg plötzlich wieder ins Gespräch. Durch den Bau eines zweiten Gleises, das etwas tiefer liegt als das andere, könnten die Lastwagen durch den Lötschberg und Simplon transportiert werden. | ||||
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1991
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Viel passierte in diesem Jahr nicht am Gotthard. Jedoch änderte sich in meinem Leben einiges, denn zum ersten Mal kam ich mit dem Mythos Gotthard so richtig in Kontakt. Ich machte meine erste Fahrt über den Gotthard. Nein, nicht wie Sie denken, es war die Premiere vorn auf der Lok. | Der Ausbau begann nach mehreren Jahrzehnten doch noch. Nur so einfach, wie es seinerzeit am Gotthard war, war es hier nicht mehr. Die Tunnels am Gotthard wurden bereits beim Bau für zwei Geleise ausgebrochen. Am Lötschberg war dies jedoch nicht der Fall. Die Sprengungen durften nur während Zugspausen erfolgen und mussten so gewählt werden, dass das Betriebsgleis und vor allem die Fahrleitung nicht beschädigt wurde. Am 20. November 1991 war es endlich soweit, die Lötschbergbahn war nach 78 Jahren endlich zweigleisig. Der letzte Abschnitt war die Strecke Stockgraben – Hohtenn. | ||||
| 1992 | Da die Zufahrtsstrecken zusehends an die Leistungsgrenze kamen, musste auch dort mit dem Ausbau begonnen werden. So wurden die Bahnhöfe Flüelen und später Erstfeld modernisiert. Zusätzlich der Gleiswechselbetrieb durchgehend zwischen Immensee und Mendrisio eingeführt. | Beim Doppelspurausbau wurde die Signalisation ebenfalls auf den neusten Stand gebracht. Die Lötschbergstrecke vermag Heute der Gotthardlinie in Sachen Technik die Stange zu halten. Beim Verkehr sieht es jedoch immer noch gleich aus, wie in den vergangenen 85 Jahren. | ||||
| 1993 | Mit zunehmendem Verkehr ergaben sich im Jahre 1993 Probleme mit dem ein- und ausreihen der Zwischenlok am Ende der Rampen. Versuche mit Schiebedienst zeigten, dass diese Betriebsform auch am Gotthard möglich ist. Einzig die Schiebelast musste auf 300 Tonnen beschränkt werden. Mit der mittlerweile auf 1'300 Tonnen erhöhten Zughakenlast, konnten 1'600 Tonnen schwere Züge befördert werden. | Zusammen mit den SBB beteiligte sich die BLS bei den Versuchfahrten zur Einführung des Schiebedienstes. Die BLS stellte dabei fest, dass diese Traktionsform keinerlei Probleme bringen würde. Noch vor den SBB führten sie daher den Schiebedienst ein. Im Gegensatz zum Gotthard sind jedoch am Lötschberg viel höhere Lasten zulässig. | ||||
| 1994 | Am 17. November 1994 wurde die Doppelspur zwischen Brugg und Lupfig dem Betrieb übergeben. Die Achse zwischen Deutschland und Italien ist seither durchgehend doppelspurig befahrbar. Über Olten war das schon einige Jahre früher der Fall. | Erstmals kam am Lötschberg ein BLS Fahrzeug in Betrieb, das nicht nur auf den Erfahrungen der SBB aufbaut, sondern vollständig von einer SBB-Lokomotive abstammt. Die erste Re 465 wurde zusammengebaut. | ||||
| 1998 | Am 29. November 1998 stimmte das Schweizer Stimmvolk der Finöv-Vorlage zu. Damit war der Bau eines neuen Gotthard-Basistunnel beschlossen worden. Die Neue Eisenbahn Alpen Transversale kurz NEAT ist mittlerweile im Bau. Ihr Kernstück stellt der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel, und somit längste Tunnel der Welt, dar. | Am 29. November 1998 stimmte das Schweizer Stimmvolk der Finöv-Vorlage zu, welche auch einen Lötschbergbasistunnel als Ersatz für die Rawil-Autobahn vorsah. | ||||
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1999
1999 |
Bis diese neue Flachbahn jedoch dem Betrieb übergeben werden kann, ist die Bergstrecke immer noch gut ausgelastet. Da zudem staatliche Massnahmen die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Bahn einen erneuten Zuwachs des Verkehrs erwarten lässt, ist die Bergstrecke wieder am Limit ihrer Leistungsfähigkeit. Weitere Ausbauten erscheinen nicht mehr sinnvoll. Eine Verdichtung der Zugfolge von derzeit 3 Minuten auf weniger, macht dabei keinen Sinn, da bei Bauarbeiten mit nur einem Geleise der Verkehr zusammenbrechen würde. Eine erste Massnahme war die Erhöhung der Zughakenlast auf 1’400 Tonnen. Somit können 1'700 Tonnen in einem Zug befördert werden. Ein kleiner Schritt, aber immerhin einer, der ein oder zwei Züge einsparen kann. |
Die Neue Eisenbahn Alpen Transversale kurz NEAT ist mittlerweile im Bau. Ihr Kernstück stellt der neue Lötschbergbasistunnel dar, der bei weitem nicht so lange wird, wie jener an Gotthard. | ||||
| 2000 | Der Tagesrekord auf der Gotthardachse im Güterverkehr liegt Heute bei 170'202 Tonnen (19. Oktober 2000). Dieser Wert stellt die Verkehrsleistung von vier Monaten im Jahr 1883 dar. Anders gesagt, die heutige Strecke ist in der Lage in drei Tagen die Verkehrleistung des ersten Jahres zu erbringen. | Doch wieder wird die Strecke nur eingleisig gebaut. Ob jetzt die Lötschbergbahn zur Grossen Transitachse wird, bleibt offen, denn dieser Tunnel erschliesst nur das Wallis neu. Die Strecke durch den Simplon und weiter in Richtung Süden bleibt unverändert. | ||||
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2002
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Doch schon kurz nach Baubeginn am Basistunnel stellt sich heraus, dass dieser Tunnel letztlich teurer wird als geplant. Auch die Bauzeit wird sich verlängern. Die Situation stellt sich somit genau gleich dar, wie in den Jahren 1872 – 1882. Wie 1876, bei der bisherigen Linie, wurde eine Etappierung der NEAT - Strecke beschlossen. Die Zufahrten werden vorerst nicht gebaut, auch der Bau des Ceneri-Basistunnels steht in der Schwebe. Es macht fast den Anschein, dass der Gotthard seinen Erbauern nur finanzielle Sorgen bereitet, sei es am Ende des 19ten oder zu Beginn des 21ten Jahrhunderts. |
Ob die
bisherige
Bergstrecke den neuen
NEAT -
Tunnel überlebt ist leider noch
fraglich. Böse Zungen behaupten sogar, dass der Lötschbergtunnel nur
gebaut wird, damit die Kantone der Westschweiz auch das Gefühl haben von
der neuen grossen Alpenbahn auch etwas zu haben. Doch auch in Zukunft werden die Lausanner und Genfer den Zug durch das Rhonetal benutzen. Die einzige Strecke, die letztlich voll international genutzt werden wird, ist, wie kann es auch anders sein, die Gotthardachse. |
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2004 |
Versuche mit der Verlängerung der Züge von 700 Meter auf 1’400 Meter zeigten, dass solche Züge technisch möglich sind. Ob sich diese Züge in Zukunft auch über den Gotthard getrauen, ist jedoch noch nicht bekannt. |
Nach dem Jahre lang gebaut wurde, konnten die ersten Züge mit 4m hohen LKW über den Lötschberg verkehren. |
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2007 |
Nach 125 Jahren Gotthardbahn wurde im gleichen Jahr mit dem letzten Bauabschnitt des NEAT-Tunnels in Erstfeld begonnen. Ebenfalls in diesem Jahr wurde erstmals davon gesprochen, diese Strecke, die zu den berühmtesten der Welt gehört, unter Schutz zu stellen. Es musste verhindert werden, dass die Kirche von Wassen nicht ohne Bahn dastehen wird. |
Die Bauarbeiten am Lötschberg hatten ein Ende gefunden. Seit dem 9. Dezember 2007 wurde der Basistunnel am Lötschberg offiziell kommerziell für den Personenverkehr geöffnet, dies nachdem schon vorher Güterzüge und Sonderfahrten durch den fertigen Tunnel verkehrten. Erstmals war der Lötschberg gegenüber dem Gotthard im Vorteil. |
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