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Bedienung der Lokomotive |
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Kommen wir zur Bedienung der
Lokomotive. Dafür war eine reguläre Besatzung
von zwei Personen vorgesehen. Es handelte sich dabei um die von den alten
Baureihen übernommenen Lokführer und
Heizer. Für den Lokführer änderte
sich dabei die Bedienung. An Stelle der Steuerung und des
Regulators,
traten nun
Steuerschalter und ein
Stufenkontroller. Schlimmer war es für den
Heizer, denn dieser verlor ein grosser Teil der Arbeit.
Dabei wurde nachgesehen ob es bei den
Kollektoren zu keinem Feuer gekommen war. Gerade die
Kollektorbrände waren damals noch sehr gefürchtet. Wegen diesen anderen
Aufgaben, sollte der Beruf als Beimann und nicht als
Heizer bezeichnet
werden. Wir werden nun die Bedienung dieser speziellen Lokomotive mit dem Eintreffen des Fahrper-sonals beginnen. Bis es soweit war, erfolgten in den jeweiligen Depots die vorbereitenden Arbeiten.
Dazu gehörte auch, dass die
Lokomotive abgeschmiert wurde und die Vorräte ergänzt waren. Das änderte
sich nicht, aber die Maschine musste nun kalt, also ausgeschaltet
übernommen werden. Das werden wir nun auch machen.
Gesteuert und bedient wurde die
Lokomotive ab einem der
Führerstände. In
den
Führerraum gelangte das
Lokomotivpersonal über einen der beiden Einstiege.
Ob es wirklich dazu kam, dass der Lokführer eine Seite und der Beimann die
andere Seite benutzte, lassen wir so stehen. Beide mussten in die Maschine
gelangen und nicht immer war die Stimmung in diesem kleinen Team so
schlecht, dass nicht eine Türe ausreichte.
Gleichzeitig kamen die beiden Männer auch nicht in den
Führerraum. Während
der Beimann die
Lokomotive aussen kontrollierte, übernahm diese Aufgabe im
Fahrzeug der Lokführer. Damit gearbeitet werden konnte, mussten die aussen
montierten Hähne zu den
Hauptluftbehältern geöffnet werden. Elektrisch
wurde zu diesem Zeitpunkt nur die
Batterie angeschlossen. Damit stand die
Steuerung bereit und wir sehen uns im
Führerstand um.
Die Pulte und die Wände waren in einem hellgrünen Farbton ge-halten
und abgerundet wurde dieser
Führerraum mit der getä-ferten Decke, die mit
einer weissen Farbe behandelt worden ist. Mit den beiden Pulten wurden
auch die zwei Arbeitsplätze bestimmt, auch wenn es nur Stehplätze waren. Eine stehende Bedienung war damals üblich und auch die wurde von den bisherigen Dampfmaschinen übernommen. Dank dieser Massnahme konnte der Platz optimal ausgenutzt werden.
Erst so war es auch möglich, dass die
Seitenwände der
Führer-kabinen verschwanden. Es sollte noch viele Jahre
dauern, bis man sich auf einer
Lokomotive setzen konnte. 1919 sah man das
schlicht als nicht gegeben an und so wurde stehend gefahren. Wie schon bei den Dampflokomotiven fand der Lokführer seine Bedienelemente auf der rechten Seite vor. Der Beimann war links und in seinem Korpus befand sich die erwähnte Ölwärme-platte mit den Kannen.
Um diese Seite
abzuschliessen waren auf dem Pult noch die Kurbel der
Handbremse und der
Steuerschalter zu den beiden
Kompressoren vorhanden. Diese wurden somit
vom Beimann bedient und das war durchaus neu.
Der Arbeitsplatz des Lokführers befand sich wie schon erwähnt rechts.
Obwohl in der Schweiz mit den Zügen links gefahren wurde, wechselte man
die Bedienseite bei den ersten elektrischen
Lokomotiven noch nicht. Das
Problem mit den Signalen gab es nicht mehr, da ja kein
Kessel mehr die
Sicht nach vorne behinderte, gab es keinen Grund. Wie man so schön sagt,
man hatte eine Chance verpasst, denn hier spielte die Seite keine Rolle
mehr.
Damit regelte dieser
zum Beispiel die Erzeugung der
Druckluft. Schon bei den
Dampfmaschinen
regelte der Heizer, wie die Druck-luft zu erzeugen war. Der
Regulator für
die
Luftpumpe war auf seiner Seite. Spannend dabei war, dass sich das Instrument mit der Anzeige des Vorrates auf der Seite des Lokführers befand. So musste dieser dem Beimann Anweisungen erteilen. Da der Steuerschalter jedoch eine Position für den Automaten hatte, wurde in der Regel dieser benutzt.
Die anderen Stellungen
waren zur Ergänzung am Ende des Dien-stes, oder um die
Kompressoren
abzustellen, wenn ein Gespräch mit dem Bodenpersonal geführt wurde. Wegen der nun für den Lokführer gänzlich neuen Art, die Loko-motive zu bedienen, war der Start nicht leicht. Sie müssen bedenken, dass Dampfmaschinen mit der Einstellung der Steuerung und dem Regulator sehr fein und vor allem dynamisch gefahren wurden.
Der elektrische Vertreter
kannte diese Eigenschaften nicht mehr und es waren Schalter und ein
grosses
Handrad vorhanden. Diese müssen wir nun bedienen.
Damit nur einer der beiden
Führerstände aktiviert werden konnte, wurde der
Griff zum
Steuerschalter des
Stromabnehmers verwendet. Dieser konnte
abgezogen und mitgenommen werden. So war eine einfache
Sicherung
vorhanden, dass nur einer der beiden Stände aktiv war. Fehlte der Griff,
war es nicht mehr möglich, die
Lokomotive in Betrieb zu nehmen. Da wir das
aber möchten, ist der Schalter komplett.
Keine beliebte Arbeit, denn in der Regel reichte der Vorrat aus.
In einem
Depot wurde jedoch mit dem
Depotstrom gearbeitet. Der Fitness des
Heizers war das abkömmlich, aber um die stand es nicht schlecht. Erst wenn die Stromabnehmer den Fahrdraht berührten, konnte mit dem zweiten Steuerschalter der Haupt-schalter eingeschaltet werden. War dieser Einschalt-versuch erfolgreich, ergänzten die Kompressoren den Vorrat bei der Druckluft.
An einem
Instrument konnte nun nachgesehen werden, welcher
Wert in der
Fahrleitung vorhanden war. Es war aber ein Instrument, das
sich nicht im direkten Blickfeld befand. Wichtig war der Wert in dem Fall
auch nicht.
Da nun die
Umformergruppe die Arbeit aufnahm, konnten die
Batterien
entlastet werden. Ob sie auch wirklich funktionierte, konnte anhand der
Beleuchtung leicht erkannt werden. Wegen der nun vorhandenen leicht
höheren
Spannung waren die Lampen etwas heller. Viel war es nicht, aber
wer aufmerksam war, konnte das leichte Flackern erkennen. Elektrisch war
der erste wichtige Schritt der Arbeit bereits abgeschlossen worden.
An der grundsätzlichen Bedienung von Fahrzeugen der Eisenbahn änderte die
neue Technik schlicht nichts. Daher galt auch jetzt, dass die Fahrt erst
aufgenommen werden durfte, wenn die korrekte Funktion der
Bremsen
überprüft werden konnte. Der Beginn dieser
Bremsprobe erfolgte mit dem
Führerbremsventil
W4 von der Firma
Westinghouse. Der Bediengriff wurde in
die Stellung «Fahren» verbracht und die
Hauptleitung gefüllt.
Dieses
Handrad wurde
gegen den Sinn des Uhrzeigers ver-dreht und die
Druckluft zu den
Bremszylindern geführt. Ob diese auch wirklich erfolgte, konnte an einem
in der Ecke zur
Frontwand unterhalb des Fensters montierten
Mano-meter
erkannt werden. Anschliessend erfolgte noch die Bremsprobe der automa-tischen Bremse nach der Bauart Westinghouse. Die beiden für diese Druckluftbremsen verbauten Bremsventile waren von den Dampflokomotiven übernommen worden und es gab noch keine anderen Modelle.
Daher musste sich das
Lokomotivpersonal nicht auf eine
neue Bedienung in diesem Bereich einstellen. Es war sicherlich nicht sehr
leicht, sich an diese elektrische Bedienung der
Lokomotive zu gewöhnen.
War auch die Prüfung der
Westinghousebremse erfolg-reich, wurde die
Lokomotive mit der
Regulierbremse gegen entlaufen gesichert. Erst jetzt
konnte der Beimann die
Handbremse lösen, denn diese war bisher immer noch
für die
Sicherung verwendet worden. Der Fahrt steht damit nichts mehr im
Weg und es stellt sich die Frage nach der
Dienstbeleuchtung, denn diese
war ja anders aufgebaut worden und das wirkte sich aus.
Mit einem
Hauptschalter konnte die
Dienstbeleuchtung aktiviert werden.
Einzelne Schalter liessen die Schaltung jeder Lampe zu. Mussten
betrieblich von der Regel abweichende Bilder erzeugt werden, verliess das
Personal die
Lokomotive nicht. Man nutzte die
Fronttüre und kam zwischen
die
Vorbauten. Dort konnte man die unteren Lampen erreichen. Die obere war
im
Führerraum und somit konnte das Bild leicht erstellt werden.
Jedoch war die
betriebsbereite
Lokomotive bisher mit den aufgesteckten Lampen zu
erkennen. Jetzt waren diese immer vorhanden und daher waren es die
gehobenen
Stromabnehmer, die dem
Stellwerk die Erkennung ermöglichten. Um eine Fahrstrasse zu verlangen, konnte das Lokomotivpersonal mit der Lokpfeife einen Achtungspfiff erteilen. Diese konnte von beiden Positionen bedient werden. Der Lokführer zog am Bediengriff, der Heizer betätigte diesen über einen Seilzug.
Stimmt, es war natürlich der Beimann. Auch wenn dieser
einen neuen Namen hatte, es wurde nach wie vor von einem
Heizer
gesprochen. Daher erfolgt das auch hier ab und zu. Bevor man aber Losfahren konnte, musste die Fahrrichtung gewählt werden. Dazu war neben dem Stufenkontroller der Steuerschalter für die Wendeschalter vorhanden. Wurde der Handgriff um eine Position nach vorne geschoben, konnte in dieser Richtung gefahren werden.
Für eine
Rückwärtsfahrt, zog man den Griff einfach nach hinten. So waren die
Handlungen des Personals auch in diesem Punkt logisch aufgebaut worden. Wurde hier der Griff zum Steuerschalter um eine Raste weiter nach vorne verschoben, gruppierten die Wendeschalter die Fahrmotoren so um, das sich der elektrische Bremsbetrieb ergab.
Zu diesem kommen wir später und nur
diese nicht leicht zu erkennende Fehlhandlung des Personals, konnte dazu
führen, dass es zu einer schweren Störung bei dieser
Bremse kam. Man
musste den
Steuerschalter also mit sehr viel Gefühl bedienen. Um mit der Lokomotive die Fahrt zu beginnen und zu beschleunigen, musste nur noch der Steuerkontroller bedient werden.
Dazu wurde das
Handrad im
Sinn des Uhrzeigers um eine Raste verdreht. Die Steuerung führte nun die
ersten Schritte aus und die
Fahrstufe eins wurde eingeschaltet. Parallel
dazu konnte auch die
Regulierbremse gelöst werden. Damit begann die
Lokomotive in der gewählten Richtung zu fahren.
Die
Lokomotive fuhr los und beschleunigte, bis die
Zugkraft dem
Rollwiderstand der Fahrzeuge entsprach. Um weiter zu beschleunigen mussten
einfach die weiteren Stufen zugeschaltet werden. Insgesamt waren 18
Fahrstufen vorhanden, die mit der Geschwindigkeit des
Stufenschalters
durchgeschaltet wurden. Da nun aber auch die
Fahrmotorströme zu hoch werden
konnten, musste die vorhandene Zugkraft an einem
Instrument abgelesen
werden.
Eine Beschränkung der
Zugkraft war nicht vorhanden. Dank einer auf dem
Führertisch angeschlagenen Liste konnte der zugelassene
Strom erkannt werden.
Wurde dieser überschritten, kam es zur Auslösung des
Hauptschalters und
die
Lokomotive rollte im Leerlauf weiter. Es musste wieder von vorne
begonnen werden und dazu musste der
Stufenschalter zuerst wieder die Stufe
«Null» erreichen. Erst jetzt konnte der Schalter betätigt werden.
Mit zu, oder abschalten von
Fahrstufen konnte die
Zugkraft und somit auch
die Geschwindigkeit geregelt werden. Mit Erfahrung wusste der Lokführer,
bei welcher Stufe mit einem Zug die Geschwindigkeit erreicht wurde. Das
war natürlich eine ungenaue Angabe und gerade bei den Tempi waren die
Bahnen schon sehr genau unterwegs und das sollte sich natürlich mit den
neuen
Lokomotiven auch nicht ändern.
Diese
V-Messer
waren sehr genau und daher wurden sie verbaut. Dabei waren diese nicht
gleich aufgebaut worden. An der Regel, dass die Obrigkeit pingelig genau
kontrollieren wollte, wie schnell gefahren wurde, änderte sich nichts. Um die Fahrdaten aufzuzeichnen wurde eine Papierrolle verwendet. Auf dieser wurden die Daten aufgezeichnet und der Registrierstreifen musste nach der Fahrt entnommen werden.
Eingelegt wurde er jedoch nur beim
Führerstand eins, denn die Anzeige der Geschwindigkeit war auch vorhanden,
wenn das
Führerpult nicht besetzt war. Schaltungen, die von der
Geschwindigkeit abhängig waren, gab es schlicht keine. Wurden höhere Zugkräfte benötigt, musste die Kühlung der Fahrmotoren geschal-tet werden. Diese wurde manuell eingeschaltet und sie lief einfach mit einer Leistung.
Da sie recht laut war, wurde erlassen, dass auf die
Ventilation in Hallen verzichtet werden sollte. Ausserhalb dieser mussten
die
Ventilatoren jedoch so rasch wie möglich eingeschaltet werden. Die
Fahrt ohne diese
Kühlung konnte nicht lange gut gehen. Um zu verzögern und um mit der Lokomotive anzuhalten, musste die Zugkraft abgeschaltet werden und dann wurden die Druckluftbremsen benutzt. Dazu wurde mit dem Führerbremsventil die Hauptleitung abgesenkt und damit die automatische Bremse aktiviert.
Nicht
dazu geeignet war die
elektrische
Bremse und diese müssen wir noch
ansehen, denn der Lokführer musste deren Betrieb vorbereiten. Wurde jedoch
eine längere Talfahrt erwarten, aktivierte man den Phasenumformer, bevor
es so weit war, denn dieser benötigte eine gewisse Zeit.
Diese
Bremse aktivierte sich in dem Moment, wo die
zur Geschwin-digkeit passende
Fahrstufe erreicht wurde. Wegen der Dauer bis
die Bremse aktiviert wurde, wendete man sie wirklich bei langen Talfahrten
an. Um die elektrische Nutzstrombremse nach der Talfahrt wieder auszu-schalten, wurde der Steuerkontroller auf «Null» verbracht und der Griff zum Wendeschalter um eine Raste zurück gezogen. Nach Abschluss der Umschaltung konnte wieder normal gefahren werden.
Der Phasenumformer konnte abgestellt
werden, jedoch durfte er auch weiter laufen. Da die
Bremse jedoch nicht
zur Verzögerung genutzt wurde, ergaben sich keine Vorteile. Nach der Fahrt wurde mit der automatischen Bremse angehalten und der Beimann zog die Handbremse an. Danach wurde der Griff zum Wendeschalter in die Mitte verbracht und das Führerbremsventil stellte man auf "Abschluss".
Schliesslich wurde der
Hauptschalter ausgeschaltet. Mit dem
Steuerschalter zum Bügel wurden die
Stromabnehmer gesenkt. Der Griff
konnte jedoch nur auf der Stellung «Abschluss» abgezogen werden. Das war
bei einem Wechsel des
Führertisches wichtig, wobei dann die
automatische Bremse
reichte und die
Handbremse
nicht angezogen wurde.
Zum Schluss der Arbeiten wurden die
Batterien ausgeschaltet und die Hähne
zu den
Hauptluftbehältern geschlossen. Während der
Heizer die Kontrollen
vornahm, sicherte der Lokführer den Farbstreifen. Nicht vergessen werden
sollte auch, dass allenfalls aufgetretene Störungen gemeldet wurden. Denn
diese konnten durchaus Auswirkungen haben, die zu einem Umbau führten.
Diese wollen wir nun ansehen, denn die
Lokomotive ist fertig.
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