Die Holzbrücke

                       

Kommen wir zum Werkstoff Holz. Dieser ist schon sehr alt, er erneuert sich selber und kann leicht bearbeitet werden. Hinzu kommt, dass durch die Eigenschaften einiger Hölzer stabile, aber dennoch flexible Bauwerke erstellt werden konnten. Gerade bei den Brücken war das wichtig, denn diese mussten immer eine gewisse Beweglichkeit aufweisen. Jedoch war das nicht der Grund, warum der Baustoff benutzt wurde.

Holz konnte vor Ort fabriziert werden. Der Auf-wand um aus einem Stamm einen Balken zu machen ist gering und das führte dazu, dass reichlich Bau-material vorhanden war und auch die Kosten gering gehalten werden konnten.

Viele Brücken waren nur möglich, weil man mit Holz arbeiten konnte und dabei spielt der Verkehr keine so grosse Rolle. Es muss einfach mehr, oder weniger Holz verbaut werden und schon konnte mehr getragen werden.

Holzbrücken gab es nun überall und sie wurden als Balkenbrücke, aber auch in einer eigenen Bauweise erstellt. Bei den meisten wurden die Bauteile mit einem Dach abgedeckt. Diese als eher schmuckes Beiwerk angesehenen Bauteile hatte aber eine wichtige Aufgabe.

Das Holz sollte nicht zu grosser Nässe ausgesetzt sein. Besonders dann nicht, wenn es abtrocknen konnte, denn so entstand Risse und das war schlecht für die Tragkraft.

Mit sehr widerstandfähigen Hölzern wie Eiche wurden die bei längeren Holzbrücken benötigten Abstützungen im Wasser verwirklicht. Es gab aber auch Lösungen bei denen ein Fundament gemauert wurde und auf diesem dann die Brücke aufgebaut wurde. So konnte eine Brücke erstellt werden, die über viele Jahre gute Dienste leisten konnte. Jedoch verschwanden sie immer mehr, als modernere Werkstoffe kamen.

Wenn Sie sich einmal eine schöne Holzbrücke ansehen möchten, dann empfehle ich eine Reise nach Luzern. Dort steht wohl die bekannteste Holzbrücke der Schweiz und ein Gang über diese Kapellbrücke lohnt sich. Um wieder das ursprüngliche Ufer der Reuss zu erreichen kann man natürlich über die Spreuerbrücke gehen. Beide sind aus Holz gebaut und widersetzen sich seit vielen hundert Jahren der wilden Reuss, die wirklich kräftig ist.

Die beiden Brücken in Luzern zeigen wunderbar, wie gut und langlebig solche Holzbrücken sind. Sie sollten einmal mit offenen Augen durch die Städte gehen, denn solche Lösungen finden sich nicht nur in Luzern, sondern auch an anderen Orten.

Die Bauweise ist gleich, nur eben nicht so bekannt. Viele Holzbrücken stehen heute auch unter Denkmalschutz, denn sie sind wirklich ein Relikt aus der Zeit, wo billig aber langlebig gebaut wurde.

Gerade Holzbrücken fallen durch ihre oft kompliziert erscheinenden Konstruk-tionen auf. Diese war erforderlich, damit die Kräfte auf die einzelnen Balken verteilt werden konnten.

Dabei wurden bei diesen Brücken nicht immer Nägel zur Verbindung benutzt. Es waren Meisterwerke der Zimmerleute, die für den Bau solcher Brücken verantwortlich waren. Doch damit kommen wir auch zu den Holzbrücken bei der Eisenbahn.

Besonders die tragenden Holzbalken mussten vor den Schäden durch Regen geschützt werden. Dazu wurden die Seiten der Brücken mit Bretter ver-kleidet.

Oft erfolgte das bei gedeckten Brücken bis zu halben Höhe. Wieder andere wurden seitlich komplett geschlossen. Oft hing das auch von den Baumeistern ab, denn in den Brücken wurden oft eigene Ideen umgesetzt und das sollte man auch erkennen können, wenn man die Brücke betrat.

Sie sehen, die tragenden Balken waren wichtig und diese sollten nicht nass werden, denn so konnte man auch billigere Hölzer verwenden. Die Balken der Konstruktion waren das Problem dieser Brücken. Waren sie zu nass, konnte das Material angegriffen werden, waren sie hingegen zu trocken, wurde das Holz spröde und konnte reissen. Daher mussten diese Brücken bei sehr trockenen Wetter befeuchtet werden.

Eigentlich würde man diese Brücken bei den Eisen-bahnen nicht vermuten, aber es gab und gibt immer noch Strecken, bei denen solche Brücken verbaut werden. Der Grund ist auch, dass diese Konstruk-tionen sehr leicht ist.

Mit wenig Aufwand konnte sie auch repariert wer-den. Man muss nicht gleich die ganze Brücke er-setzten, sondern konnte nur einen Balken aus-tauschen. Das machte diese Lösungen sehr er-folgreich und das auch bei Bahnen.

Bahnen wurden sehr oft mit schmalem Budget ge-baut. Da sparte man, wo es nur ging. Statt dass man eine neue Brücke baute, benutzte man einfach das bereits vorhandene Bauwerk.

Das war eine alte Holzbrücke, die verstärkt werden musste, und dann konnte man mit den Zügen auch diese befahren. Das durchaus neben dem bisherigen Verkehr der Strasse. Auf der Brücke konnte es also immer wieder sehr eng werden.

Es gab aber auch Holzbrücken, die wirklich wegen der Eisenbahn gebaut wurden. Hier kamen oft offene Lösungen vor. Bleiben wir aber noch bei den zahlreichen geschlossenen Holzbrücken, die in der Schweiz eine sehr grosse Verbreitung fanden und die neben dem Strassenverkehr vereinzelt auch der Eisenbahn dienten und das schon sehr früh. So entstand eine Kombination, die wirklich nicht optimal war, denn Feuer und Holz, ging immer schief.

Die Fahrten erfolgten meisten mit Dampflokomotiven und das war alles andere als Gut. Holz hat einen Erzfeind und das ist Feuer. Auf der Dampflok gab es dieses und nicht bei jeder Maschine war der Aschekasten so dicht, dass keine Glut auf den Boden fiel. Wer nicht gleich eine Kontrolle durchführte, konnte schnell erkennen, dass die Brücke lichterloh brannte und das war das Ende der Eisenbahn auf den Holzbrücken, die wirklich oft brannten.

Man begnügte sich dann mit einfachen nicht überdeckten Holzbrücken. Diese waren durch die Dampflokomotiven nicht so gefährdet, weil die Glut mehr Weg bis zum Holz zurücklegen musste.

Da auch nur die Eisenbahn darüber fuhr, war keine ge-schlossene Fahrbahn mehr vorhanden. Die Fallhöhe der Glut wurde erhöht und in dem nun leicht feuchten Holz konnte sich so kein Brand mehr bilden. Doch wirklich gut war es nicht.

Konnte sich die Bahn etablieren, wurden dann die Holz-brücken entfernt und durch andere Bauwerke ersetzt und das war auch der Grund, warum bei Baubahnen immer Holzbrücken verwendet wurden.

Diese konnte man nach den Arbeiten leicht abreissen und das Material anders verwenden. Gute Beispiel für diese Konstruktionen waren die Baubahnen der Lötschbergbahn, denn gerade im Kandertal waren die Holzbrücken üblich.

Als dann in Europa andere Triebfahrzeuge kamen, waren die Holzbrücken längst der Geschichte geopfert worden. Das Baumaterial war gut, aber eben auch gefährlich für Brände.

Das besonders dann, wenn Holz ausgesprochen trocken war, dann reichte nur etwas Glut und die Feuerbrunst beendete das Leben der Brücke. Selbst die sehr bekannte Kappelbrücke fiel schon einmal beinahe einen Feuer zum Opfer, denn auch die brannte schon.

Auch wenn sich die Holzbrücke mit der Eisenbahn in Europa nur schlecht anfreunden konnte, gab es in anderen Kontinenten durchaus Holzbrücken, die sich lange Zeit halten konnten und diese müssen wir uns ansehen. Eine Reise in den wilden Westen der USA muss daher schon ausgeführt werden, denn dort gibt es die Holzbrücken bei der Eisenbahn, die sogar weltberühmt wurden und die dank einer speziellen Bauart sehr gut waren.

Die Trestle-Brücke: Die Trestle-Brücken in den USA wur-den wirklich weltbekannt. Dabei halfen auch Filme. Das Bauprinzip dieser speziellen und oft sehr gigantisch wir-kenden Bauwerke basiert auf Bauweisen der Urbevöl-kerung.

Bei diesen Brücken wird eigentlich keine Brücke gebaut, sondern einfach ein Gerüst aufgerichtet. Die einzelnen Stützen befinden sich auf dem Boden, aber auch im Was-ser eines Flusses.

Der englische Begriff Trestle kann mit Gerüst übersetzt werden. Bei diesen Lösungen werden vorgefertigte Bau-teile zu einem Gerüst verbunden und so eine Brücke er-stellt.

Die aus Holz gefertigten Brücken kamen besonders in Amerika bei den ersten Eisenbahnen zur Anwendung und damit ergaben sich grosse Probleme, denn Holz war anfällig auf Brände und ein Feuer gab es auf Lokomotiven die Glut konnte der Trestle zum Verhängnis werden.

Um das zu verhindern wurden die Brücken entweder benässt und so besser geschützt, oder die Balken einfach durch Stahlträger ersetzt. Trotzdem konnten sich in den USA die Lösungen mit Holz lange halten, das auch, weil die Trestle-Brücken schnell aufgebaut werden konnten und das war besonders während dem Bürgerkrieg von grosser Bedeutung. Gerade bei Kriegen werden Brücken zu strategisch wichtigen Zielen.

Trestle wurden dabei gesprengt, oder in Brand gesteckt. Bei den Brücken aus Holz war der Schaden gleich gross, wie bei Stahl, nur konnte dort auf der Asche aufgebaut werden, bei Stahl musste man die Trümmer zur Seite räumen. Bis das erledigt war, fuhren auf der Lösung aus Holz bereits wieder die ersten Züge. So konnten sich die Lösungen aus Holz noch lange halten und Trestle aber auch andere Holzbrücken sind immer noch im Betrieb.

Damit haben wir die Konstruktionen der Holzbrücken ken-nen gelernt. So verrückt die Idee anfänglich klang ist sie nicht. Die Bauwerke konnten sich auch bei der Eisenbahn gut halten und dabei boten die Brücken einen sehr wich-tigen Vorteil.

Der Werkstoff war leicht zu beziehen, er konnte leicht verarbeitet werden und zudem entstanden mit den Ge-rüstbrücken gute und stabile Konstruktionen, die auch schnell abgebaut werden können.

Holzbrücken wurden daher bei temporären Baubahnen grundsätzlich benutzt, aber auch später noch, als es da-rum ging, schnell eine Brücke zu bauen und schnell wieder den Betrieb aufnehmen zu können.

Da war viele Jahre die Holzbrücken das einzige richtige Konzept. Selbst heute wird bei diesen Brücken im Notfall mit Holz gearbeitet, das einfach nur, weil es sehr schnell abgerufen werden kann und leicht zu verbauten ist.

Notbrücken werden in vielen Fällen aus schnellen Lösun-gen gebaut. Es sind Brücken, die gebaut werden, um eine andere beschädigte Brücke nur für kurze Zeit zu ersetzen.

Zu solchen Notbrücken gehören auch die Schwimm-brücken. Aber auch Konstruktionen aus Holz sind sehr oft zu finden und das überall auf der Welt, denn es ist der ideale Werkstoff für im Notfall erstellte Brücken, oder eben einfache Notbrücken.

Bei Notbrücken ist es elementar wichtig, dass man die Bauteile schnell und einfach transportieren kann. Dann müssen sie mit wenig Aufwand verbunden werden und das erst noch in kurzer Zeit. Dazu eignet sich Holz ideal, denn die erforderlichen Balken und Bretter findet man überall. Einen schweren Stahlträger jedoch nicht und der ist auch schwer zu transportieren. Aus diesem Grund wird in dem Fall mit Trestle aus Holz gearbeitet.

Bei den Notbrücken kommt noch ein anderer Aspekt hinzu. Diese bestehen nur für eine kurze Zeit, denn die beschädigen Bereiche werden logischerweise wieder auf-gebaut und so der ursprüngliche Weg erstellt.

Das bedeutet, dass die Notbrücke danach nicht mehr be-nötigt wird. Was macht man nun mit der grossen Menge Material, denn dieses muss der Entsorgung zugeführt wer-den, da Notbrücken in der Regel nicht geplant wurden.

Damit kommt nun der grosse Vorteil von Holz, denn beim Rückbau können einige Teile anderen Zwecken zugeführt werden. Dabei kann der gute Rohstoff für viele Anwen-dungen benutzt werden.

Eine davon ist, dass man ihn verbrennt und die Wärme für Heizungen benutzt. Aber auch andere Lösungen sind mit diesem Material vorstellbar. Holz ist wirklich ein Werk-stoff, der bei der erneuten Verwendung sehr wenige Pro-bleme verursacht.

Trotzdem verschwanden im Lauf der Jahre immer mehr Holzbrücken. Der Grund dafür war, dass sie einen sehr grossen Aufwand beim Unterhalt benötigten. Auch wenn man es gut schützte, Holz konnte auch von Schädlingen befallen werden und das sorgte für eine Schwächung der Brücke. Daher mussten sie regelmässig und in kurzen Abständen überprüft und defekte Teile ersetzt werden. Das behinderte den Verkehr jedoch.

Heute sind Holzbrücken aus den Verkehrswegen verschwunden. Es gibt sie noch als Relikt aus der vergangenen Zeit. Die meisten noch erhaltenen Holzbrücken sind dem Denkmalschutz unterstellt und dürfen in den meisten Fällen nur noch begangen werden. Das geht bei der Eisenbahn jedoch nicht und das sehr grosse Problem mit den Dampflokomotiven führte dazu, dass man mit anderen Materialen zu arbeiten begann.

 

Zurück Navigation durch das Thema Weiter
  Home Depots im Wandel der Zeit Die Gotthardbahn
News Fachbegriffe Die Lötschbergbahn
Übersicht der Signale Links Geschichte der Alpenbahnen
Die Lokomotivführer Lokführergeschichte Kontakt

Copyright 2026 by Bruno Lämmli Lupfig: Alle Rechte vorbehalten