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Privatbahnen |
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Anhand der schweizerischen Nordbahn SNB, oder
Spanischbrötlibahn,
wollen wir die rechtlichen Organisationen der ersten Eisenbahnen in der
Schweiz genauer betrachten. Man nennt diese Bahnen allgemein Privatbahnen.
Ein Name, der verwirrt. Privatbahnen sind im Grunde eigentlich ganz
normale privatrechtliche Gesellschaften. Die Gelder stammten von Banken,
Gemeinden und Privatpersonen. Selbst der Staat konnte als Teilhaber
integriert sein.
Begonnen hatte diese Organisationsform bereits mit der ersten Eisenbahn.
Für die
Spanischbrötlibahn
wurde deshalb eine Aktien-gesellschaft gegründet, die in Zürich
angesiedelt wurde. Die Aktien, die herausgegeben wurden, wurden dabei von
Banken, Gemeinden und Privatpersonen gekauft. Damit hatte man das
notwendige Kapital für den teuren Bau dieser Eisenbahn beschafft.
Rechtlich konnte die schweizerische Nordbahn SNB jedoch frei und
unabhängig handeln.
Was
bei dieser ersten Eisenbahn auffällt, ist die Tatsache, dass es eine
normale Aktiengesellschaft war und diese Bezeichnung bei der Bahn damals
nie im Namen auftauchte. Offiziell sprach man daher von der
Aktiengesellschaft schweizerische Nordbahn SNB. Die Bezeichnung
Spanischbrötlibahn
war da viel einfacher und eindringlicher, so dass diese Gesellschaft
schnell mit dem Volksnamen identifiziert wurde.
Ab
1848 waren die Grenzen in der jungen Schweiz gefallen. Mit der Annahme der
Bundesverfassung war aus der helvetischen Republik die Schweiz von Heute
entstanden. Offiziell hörte der neue republikanische Bundesstaat auf den
Namen Schweizerische Eidgenossenschaft oder lateinisch Confoederatio
Helvetica, was man bei der Länderkennung CH an den Autos oder an modernen
Fahrzeugen der Eisenbahn erkennen kann.
Jedoch führte das dazu, dass diese wirtschaftlichen Städte besser ans
politische Machtzentrum angeschlossen werden musste. Das Bahnnetz musste
nun auch im Interesse des Staates erweitert werden. Der junge Staat übernahm sogleich die hoheitlichen Aufgaben in den Gebieten. Dazu gehörte auch der Ver-kehr. Die Eisenbahn in der Schweiz wurde zu einem staatlichen Thema.
Jedoch wollte noch niemand die Bahngesellschaften in die Obhut des Staates
geben. Die bestehende SNB blieb daher eine privatrechtliche Bahn, auch
wenn deren Name Schweizerische Nordbahn nun definitiv für Verwirrung
sorgte.
Da
aber staatliche Mühlen bekanntlich sehr langsam arbeiten, war es um das
nationale Bahnprojekt bereits geschehen, als es fertig erstellt war. Man
konnte sich einfach nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen. Es wurde
daher beschlossen, dass der Staat keine Eisenbahnen direkt bauen wird. Er
konnte sich aber beim Aktienkapital einiger Bahnen beteiligen. Dass damit
aber ein gigantisches Chaos entstehen sollte, ahnte man 1848 noch gar
nicht.
Privatrechtliche Bahngesellschaften wurden nun regelrecht aus dem Boden
gestampft. Jede Region wollte jetzt ihre eigene Eisenbahn haben. Damit
fehlten aber oft die finanziellen Mittel, denn die Geldgeber wurden rar,
weil es einfach zu viele Projekte gab. So wurden Bahngesellschaften
gegründet, die nie eine Eisenbahn bauen sollten und daher wieder
verschwanden. Das Geld fehlte daher an allen Ecken und Enden.
Der
Erfolg war so mässig, dass das ehrgeizige Projekt nie beendet werden
konnte. Viele der damals ge-bauten Strecken der Nationalbahn sind sogar
ver-schwunden. Sie sehen, es gab auch in der Schweiz sinnlose Bahnen, die
nicht überlebten. Die Folgen waren klar, die kleineren Bahnen über-lebten nicht und wurden durch die grossen finanziell starken Bahngesellschaften übernommen. So gab es immer weniger, dafür grössere Gesellschaften, die aber immer mächtiger wurden.
Das
Schienennetz der Schweiz war dann letztlich in der Hand von wenigen
privaten Bahngesellschaften. Der Staat konnte hier jedoch im Moment
zumindest nur noch tatenlos zusehen. Jedoch, was noch schlimmer war, die Bahngesell-schaften bekämpften sich bis aufs Blut. Sabotage und andere Gemeinheiten waren an der Tagesordnung.
Sie
müssen sich vorstellen, dass Zürich und Bern seit dem 15.11.1858
miteinander verbunden waren, aber es auch 1890 noch nicht möglich war, mit
einem direkten Zug zwischen den beiden Städten zu reisen. Die Leute
mussten zweimal umsteigen um von Zürich nach Bern zu gelangen.
Damit Sie sich ein Bild von den Kämpfen zwischen den fünf später noch
genauer vorgestellten Bahngesellschaften war, muss ich erwähnen, dass
diese nachfolgend in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet sind. Mit
dieser Auflistung soll keine der Gesellschaften bevorzugt oder begünstigt
werden. Alle fünf Gesellschaften werden gleichwertig behandelt werden.
Wäre das nicht so, müsste die vorangestellte Bahngesellschaft mit
Sabotageakten rechnen.
Das
war so schlimm, dass man immer mehr eine staatliche Organisation der
Bahnen forderte. Die Leute hatten den schlecht funktionierenden Verkehr
satt und übten mit Hilfe der direkten Demokratie sehr viel politischen
Druck aus. Gerade die Politiker aus den östlichen Teilen des Landes
wollten nicht dreimal umsteigen, wenn sie zu den Sitzungen nach Bern
reisten. Damit stieg der staatliche Druck auf die Privatbahnen an. Das
liess diese jedoch kalt.
Heute lässt Sie solches Gebaren der Gesellschaften vermutlich kalt, aber
als es um die Verstaatlichung dieser fünf Bahngesellschaften ging, waren
genau solche Themen ausschlaggebend und sprach jemand von der GB, hatte er
sicher mit dem Spott der anderen vier Gesellschaften zu kämpfen.
Staatliche Ruhe war damit eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Doch
nun zu diesen fünf grossen Gesellschaften.
Die
Gotthardbahn:
Bei der Gotthardbahn handelte es sich um das grösste Einzelprojekt in der
Schweiz. Die finanzielle Belastung für die Gesellschaft mit Sitz in Luzern
war während dem Bau enorm. Man musste reduzieren, sollten die aus der
Schweiz und den umliegenden Ländern stammenden finanziellen Mittel
ausreichen. Besonders der
Scheiteltunnel zwischen Göschenen und Airolo war dabei das grösste
Sorgenkind.
Die
Strecke sollte von Luzern über Arth-Goldau und den Gotthard nach dem
Tessin führen. Die Passage des Gotthards gab der Bahn letztlich ihren
Namen. Entstanden war die Gesellschaft jedoch aus der Vereinigung der
Gotthardbahn und den Tessiner Talbahnen, die unabhängig vom Projekt
Gotthardbahn gebaut wurden. Die Strecke gehört auch heute noch zu den
bekanntesten
Bahnlinien
der Welt. Die Gotthardbahn hält sich vom Begriff her bis heute.
Als
Arbeitgeber hatte die Bahngesellschaft einen guten Ruf und auch sonst war
man bei der Gotthardbahn gut gestellt. Eine Verstaatlichung dieser
mächtigen Privatbahn wäre daher kein Thema gewesen. Jedoch hätte man davon ausgehen können, dass die GB wohl einige der anderen Gesellschaften übernommen hät-te. Die finanziellen Mittel waren vorhanden und die Gotthardbahn hatte die Vorgabe, dass kein zu hoher Gewinn ausgeschüttet werden durfte.
Das
hätte langfristig dazu führen können, dass die GB, die nichts mehr zum
Ausbauen hatte, das Geld in anderen Gesellschaften vernichtet hätte. Die
GB wäre damit sehr mächtig geworden. Sie war zudem die jüngste der zur Verstaatlichung vorgesehenen fünf Gesellschaften. Vermutlich hätte sie es gerne gesehen, wenn man sie als Nummer eins bezeichnet hätte. Die
Gotthardbahn war durchaus eine der grössten Gesell-schaften in der
Schweiz. In den Pulk der zur Verstaat-lichung anstehenden Bahnen kam man
letztlich nur wegen der Grösse und wegen der hohen Wichtigkeit für den
Staat.
Bei
den Querelen und Sabotageaktionen machte sie eigentlich nicht gross mit
und letztlich war sie die umstrittenste Gesellschaft überhaupt. Finanziell
stand die Bahn gut da und der Fuhrpark wurde laufend erneuert und den
Anforderungen angepasst. Niemand hätte dabei je gedacht, dass die
Verstaatlichung anstehen würde. Die GB beschaffte sogar die grössten und
teuersten
Lokomotiven
der Schweiz.
Da auch ein Staatsvertrag bestand, war zudem klar, dass die Gotthardbahn einen besonderen Status einnehmen sollte.
Der
Staatsvertrag und die
Konzession verhinderten
eine schnelle Verstaatlichung der Gesellschaft. Die Gotthardbahn war aber
äusserst begehrt.
Mit
der Änderung des Staatsvertrages war es um die Gotthardbahngesellschaft
geschehen, denn mit der auslaufenden
Konzession war klar, die
Gotthardbahn sollte ebenfalls in staatliche Obhut überführt werden.
Letztlich endete die Geschichte der Gotthardbahngesellschaft im Jahr 1909.
Die GB gehörte der Geschichte an und wurde als Aktiengesellschaft
aufgelöst. Die Verstaatlichung der Bahnen in der Schweiz war
abgeschlossen.
Der
Staat konnte die Gotthardbahn ohne deren finanzielle Notlage übernehmen.
Verdeutlichen kann man das mit zwei Tatsachen. Die Bahngesellschaft
schaffte neue
Lokomotiven
an, die bereits die Nummern nach dem Muster der
Staatsbahn trugen. Kurz vor dem
endgültigen Ende wurde das Personal in neue
Uniformen
gesteckt. Ein Mitarbeiter der GB beginnt seine Arbeit bei der Staatsbahn
nicht in Lumpen.
Jura Simplon:
Die JS, oder genauer die Jura – Simplon – Bahn, entstand aus den diversen
Westschweizer Bahngesellschaften. Sie hatte deshalb ihre Verwaltung in
Lausanne angesiedelt, obwohl Bern im Bereich der JS lag. Nach diversen
Änderungen der Bezeichnung endete die Bahngesellschaft jedoch unter dieser
Bezeichnung, die jedoch nicht korrekt sein sollte, denn die JS gab es nur
als Gesellschaft, jedoch keine passende
Bahnlinie.
Zur
Gesellschaft gehörte jedoch auch die schmal-spurige Brünigbahn, so dass
das Netz der JS bis nach Luzern reichte. Jedoch fehlte der Simplon-tunnel
im Streckennetz der JS, da dieser erst als Projekt existierte und noch
nicht fertig gebaut war. Wie der Name vermuten lässt, war es die JS, die letztlich das Projekt des Simplontunnels anging und diesen verwirklichen wollte. Jedoch sollte sie diesen gigantischen Tunnel nie mehr durchfahren können. Das
Ende der privaten Bahngesellschaft kam vorher. Die Fertigstellung und
Eröffnung des Simplontunnels sollte letztlich die Aufgabe der staatlich
organi-sierten nachfolgenden Gesellschaft sein.
Da
die Übernahmen der kleineren Gesellschaften und die Projekte am Simplon
viel Geld verschlangen, war klar, dass die finanziellen Mittel der
Gesellschaft nicht sehr gut bestückt waren. Man war voll im Wettbewerb mit
den anderen Bahnen. In Lausanne befürchtete man zudem, dass die
Gesellschaft durch Einkäufe von der NOB unterwandert werden könnte. Man
musste offensiv dagegen vorgehen, was letztlich zu erbitterten Kämpfen
führte.
In
Lausanne war man im Moment, wo die Verstaatlichung beschlossen wurde,
damit beschäftigt die Gelder für den Simplon und den Kampf mit der SCB
aufzunehmen. Kampf hiess damals, dass man sich mit Sabotage und anderen
Höflichkeiten bekriegte. Gerade das Gebaren der JS sollte zu einem grossen
Teil dazu beitragen, dass man in der Schweiz die Bahnen verstaatlichte.
Nichts desto trotz war natürlich klar, dass man in Lausanne die Nummer 1
in der Schweiz war.
Deshalb bestellte die JS zum Schluss noch einen Lokomotivtyp, der zum
ersten der SBB gehören sollte, denn abgeliefert wurden die
Lokomotiven
nicht mehr an die Jura – Simplon – Bahn, sondern an die
SBB.
Die
Jura - Simplon war nicht so finanzstark, wie die Gotthardbahn und auch
nicht mit internationalen Verträgen geschützt. Zudem war die NOB bereits
daran, die JS zu unterwandern. Das heisst, sie konnte sich kaum einer
Verstaatlichung erwehren und konnte vermutlich froh sein, dass man die
benötigte Ruhe fand. Für die verarmte JS war es deshalb klar, dass sie ab
Beginn weg zur neu gegründeten
SBB
gehören sollte.
Die
JS konnte letztlich immerhin noch die
Lokomotive
für den ersten Zug der SBB stellen, denn die JS hatte 1902 die grösste
Lokomotive, da die GB bekanntlich nicht verstaatlicht wurde. Die
Lokomotive wurde dazu eiligst von den JS Anschriften befreit und auf die
Fahrt geschickt, der erste SBB Zug verkehrte. Die Anschriften JS blieben
dann noch einige Monate zu sehen, bis auch sie verschwanden und die JS
vergessen ging.
Die Nordostbahn:
Letztlich hat es mit ihr in der Schweiz begonnen. Das heisst, die
Nordostbahn ging aus der schweizerischen Nordbahn SNB, welche die
Spanischbrötlibahn
betrieb, hervor. Aus der ursprünglichen Bezeichnung strich man das
schweizerisch und ergänzte den Rest mit dem Ost der Erweiterung der
Gesellschaft, so entstand die Nordostbahn. Der Sitz der NOB war in Zürich
und so war sie mit den Banken im Rücken eigentlich noch recht gut
finanziert.
Im
Netz der NOB fehlten jedoch die berühmten Strecken. Man hatte aber Zürich
über Basel international angeschlossen. So war durchaus ein stattliches
Streckennetz entstanden. Die Finanzmetropole Zürich war von einer Staatsbahn alles an-dere als angetan. Man fürchtete den Einfluss im Land zu verlieren. So butterte man Geld in die Kriegskassen der Nord-ostbahn.
Die
Idee war klar, die anderen Gesellschaften sollten in der NOB aufgehen,
denn dann hätte Zürich die Hoheit bei der Eisenbahn übernommen. Das
erreichte man mit Sabotage und Unterwan-derung der anderen Gesellschaften.
Besonders zu spüren kamen dies die Nationalbahn, auf deren Strecke
Hemmschuhe
den Verkehr behinderten. Aber auch die anderen Gesellschaften mussten
solche Sabotage fürchten. Wer da noch einen geordneten Betrieb erwartet,
irrt sich. Statt mit Zügen zu fahren, stellte man die
Lokomotiven
einfach als Hindernisse auf und kaufte dann die Bahngesellschaft, die
nicht mehr fahren konnte. Die Nationalbahn verschwand daher.
Genau
das Gebaren der Nordostbahn wollte man im Land verhindern. Zudem war klar,
Zürich war nicht allmächtig, denn die erfolgreiche Gotthardbahn zeigte das
deutlich auf. Man musste nur das passende Projekt haben. Die NOB kämpfte dafür mit vielen konkurrierenden Bahn-gesellschaften und kaufte sich heimlich in diese ein. So war die erwähnte schweizerische Nationalbahn SNB eine ernste Gegnerin auf der Strecke nach Winterthur.
Die
teilweise parallel verlaufenden Strecken wurden sabotiert, wo es nur ging.
Ein geordneter Betrieb war nicht mehr möglich und das Personal begehrte
immer mehr auf, denn soziale
Leistungen,
die es bei der GB gab, es drohte der
Streik. Der Fahrzeugpark war noch nicht so marode, wie bei anderen Bahnen. Was aber nur der Fall war, weil die Ge-sellschaft aufgelöst wurde, bevor es so weit gewesen wäre.
Statt in neue Fahrzeuge, investierte man in Zürich, lieber in neue Mittel
zur Sabotage der Konkurrenz. So war es eigentlich nur klar, dass die
Nordostbahn in die neue
Staatsbahn überführt werden
sollte. Der grösste Störenfried im Land musste beseitigt werden.
Schweizerische
Centralbahn:
Bei der SCB handelte es sich um die älteste der fünf Gesellschaften. Ihren
Sitz hatte diese Gesellschaft in Basel. Die finanziellen Mittel für die
Gesellschaft stammten aus der in Basel angesiedelten Industrie. Wie es der
Name schon sagt, war sie zentral platziert. Genauer ausgedrückt, war sie
wunderbar zwischen den sich bekriegenden Gesellschaften JS und der NOB
eingeklemmt.
Mit
den Strecken nach Luzern und Bern, sowie der Aargauer
Südbahn,
hatte die SCB jedoch die Zufahrt zum Gotthard und zum politischen
Machtzentrum. Dieses Strecken waren damals natürlich Gold wert, führten
aber dazu, dass man als erste Gesellschaft in der Schweiz eine
doppelspurige Strecke baute. Von allen fünf grossen Gesellschaften war die
SCB jedoch die kleinste und musste daher befürchten übernommen zu werden.
Die
SCB hatte deshalb schon früh mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Einem langen Macht-kampf mit der NOB und der JS war sie nicht ge-wachsen.
Vermutlich wäre man gerne mit der Gotthardbahn eine
Verbindung
eingegangen.
Die
verfügbaren Mittel der schweizerischen Central-bahn mussten daher überlegt
eingesetzt werden. Jederzeit musste man damit rechnen, dass eine der
grossen Gesellschaften sich in die SCB einkaufen könnte. Das wäre einfach
gewesen, denn die Kriegskasse der SCB war leer und die schweren Züge in
Richtung Gotthard forderten die Maschinen der SCB. Man hätte dringend neue
Lokomotiven
benötigt, konnte diese jedoch nicht mehr beschaffen.
So
kam es, als sich abzuzeichnen begann, dass die SCB verstaatlicht werden
sollte, dass kaum mehr in neue Fahrzeuge investiert wurde. Die SCB
beendete ihre am 19. Dezember 1854 begonnene Karriere im Januar 1902. Die
nachfolgenden
Schweizerischen Bundesbahnen SBB
hatten jedoch am veralteten Fahrzeugpark der SCB wenig Freude. Von den
Gesellschaften war die SCB wohl jene, die am meisten glücklich war, denn
so konnte man einer Übernahme durch eine der anderen Bahnen entgehen.
Vereinigte Schweizer Bahnen:
Die östlichste der drei grossen Gesellschaften entstand durch den
Zusammenschluss der kleinen dort gebauten
Bahnlinien.
Sie siedelte sich in St. Gallen an und war die Bahngesellschaft in der
Ostschweiz. Natürlich war man nur schon vom Namen her klar die Nummer 1 in
der Schweiz. Nur die VSB war eine echte schweizer Eisenbahngesellschaft
und davon war man in St. Gallen überzeugt.
Damit bildete sie schon damals einen bedeutenden Teil, bei der
Erschliessung der Ostschweiz. Die Strecken waren jedoch ebenfalls frei von
bekannteren Abschnitten. Vielmehr war man eine regional gut verwurzelte
Bahngesellschaft. Die Vereinigen Schweizer Bahnen waren zwar eine der gros-sen fünf, waren aber die unbedeutenste und finanziell schwächste Bahngesellschaft der erwähnten fünf grossen Gesellschaften.
Die
grossen finanziell starken Metropolen fehlten und so fristete diese
Gesellschaft ein eher ruhiges Dasein. Besonders deutlich zeigte das, dass
man aus dem Zusammenschluss und nicht durch Übernahmen zu dieser Grösse
herangewachsen war.
Die
VSB musste sich auch nicht so sehr von der NOB fürchten, denn diese
kämpfte offen gegen die SCB und vor allem gegen die JS. Das heisst, man
hatte weniger mit Sabotage zu kämpfen und konnte sich so dem Betrieb
widmen. Vermutlich hätten die finanziellen Mittel für einen ausgedehnten
Machtkampf mit den grossen drei gefehlt. Die vereinigten schweizer Bahnen
konnte man jedoch als Kantonalbahn der Ostschweiz bezeichnen.
Trotzdem ohne Macht war auch die VSB nicht und so hatte auch sie ein paar
Worte zu sagen. Trotzdem waren die finanziellen Mittel eher mager
ausgefallen, so dass man sich nicht zur Nummer 1 aufspielen konnte. Die
VSB konnte sich so nicht in die NOB einkaufen und dieser Gesellschaft in
den Rücken fallen. Man fürchtete sich in St. Gallen klar vor der NOB und
nur eine
Staatsbahn konnte hier helfen,
zudem hätte man so Zürich ärgern können.
So fuhr man oft noch mit den Modellen aus der Eröffnung der jeweiligen Strecke.
Mittelfristig hätte man neue
Lokomo-tiven
benötigt, was aber kaum mög-lich gewesen wäre, wenn man sich auf einen
Kampf mit der NOB einge-lassen hätte. Neben diesen fünf grossen Privatbah-nen sollten auch einige kleinere Bah-nen verstaatlicht werden. Dazu ge-hörte zum Beispiel die schweizerische Nationalbahn, die klar an den Kämpfen beteiligt war und deren Geld dazu eigentlich nicht ausreichte.
Faktisch war man bei der SNB mitt-lerweile nahezu bankrott. Wäre die
Verstaatlichung nicht gekommen, wäre die SNB vermutlich übernommen worden
und verschwunden.
Letztlich verlief die Verstaatlichung der Bahngesellschaften nicht in
ruhigen Bahnen. Vor allem in Zürich war kaum jemand für das neue
Staatsbahnprojekt zu gewinnen und auch an anderen Orten war man darüber
unglücklich. So führten die bekannten Chefs der grossen Bahnen lange Reden
in denen sie die Privatbahnen verteidigten. Jede Gesellschaft war
natürlich die Nummer 1 im Staat und man wollte die Macht behalten, die man
sich erkämpft hatte.
Mit
einem
Streik
der Nordostbahn NOB sollte das Land in die Knie gezwungen werden. Dazu
musste man einfach die Forderungen des Personals nicht erfüllen und schon
war es soweit. Das Personal trat in den Ausstand und das Personal von
anderen Gesellschaften zog mit, man wollte die gleichen Sozialleistungen,
wie es sie bei der GB gab. Der Plan der NOB ging dabei nicht in Erfüllung,
denn im Volk kippte die Meinung.
Am
20. Februar 1898 war es dann soweit. Das Volk wurde an die Urnen gerufen,
die Abstimmung über die Verstaatlichung der schweizer Bahnen war
angesetzt. Im Vorfeld hatten sowohl Gegner als auch Befürworter für das
Anliegen geworben und die Gegner hatten durchaus stichfeste Argumente
vorgebracht. Die
Gruppe
der Gegner bestand aber hauptsächlich aus den Bonzen der Bahnen, den
Aktionären und den Banken. Der Ausgang der Abstimmung war völlig offen.
Nach
der Auszählung der Stimmen war es dann passiert. Das Volk genehmigte das
Staatsbahnprojekt mit 386 634 Ja gegen 182 716 Nein. Diese Deutlichkeit
war klar als Abfuhr an die Bonzen zu werten, das Volk hatte von den
ausländischen Aktionären und den gnädigen Herren die Nase voll. Die
schweizer Bahnen gehörten dem schweizer Volk. Das letzte Wort hatte somit
das Volk und es hat zu deutlich gesprochen.
Das
war keine Latrinenparole, sondern war endgültig in den Herzen der
Schweizer Bevölkerung verankert und diese Liebe zur eigenen Bahn hielt
sich über Jahre. Ja sie hält immer noch an und immer wieder sind es
Bahnbauten, die deutlich zeigen. Die Bahnen der Schweiz gehören dem
Schweizer Volk. Namentlich bei der
Schweizerischen Bundesbahnen SBB
ist das auch so. Die Schweiz hatte endlich eine
Staatsbahn.
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