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Be 2/5 11 001 "Viktor" |
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Die von der Midi nicht übernommene
Lokomotive
mit dem
Stangenantrieb
kam ins Werk der BBC zurück. Der Aufbau mit
Dérimotor
war nicht unbedingt ein Vorteil der Lokomotive. Die Regelung über die
verdrehbare Bürstenbrücke war nicht optimal und der Albtraum jedes
Versorgers, denn der Anteil an Blindleistung übertraf die
Leistung
bei weitem. Schon die BLS lehnt eine ähnliche Maschine der AEG aus diesem
Grund ab.
Die Probleme bei der
Baureihe
Fb 5/7 der
BLS-Gruppe
zeigten das deutlich auf. Daher sollten in Zukunft neue
Antriebe
benutzt werden. Diese sollten die Kraft auf jede
Achse
einzeln übertragen.
Zwar gab es bereits den
Tatzlagerantrieb,
der zuverlässig war. Jedoch hatten dort die
Motorwagen
der BLS gezeigt, dass diese
Antriebe
nicht optimal waren. Was bei langsamer Fahrt noch ging, zeigte bei hohen
Werten Probleme. Neue Entwicklungen mussten aber erprobt werden. Aus
diesem Grund wurde der Umbau der Maschine beschlossen. Aus der MIDI-Lokomotive
sollte ein echter
Versuchsträger
werden, der auch so benannt wurde. Der Umbau wurde von der BBC übernommen. Die bisherige Achsfolge wurde nicht mehr übernommen. Aufgegeben wurde auch der Antrieb mit Triebstangen und damit verschwanden auch die diagonalen Stangen, die bei Dérimotoren durchaus üblich waren. Für den geplanten Einsatz wurden nicht mehr alle Triebachsen benötigt. Die mit einem Durchmesser von 850 mm versehenen Laufachsen bleiben eigentlich als Einzige unverändert.
Die erste
Triebachse
wurde jedoch aufgegeben und als
Laufachse
geführt. Dabei blieb der mit 1600 mm recht grosse Durchmesser erhalten. Da
in den unveränderten
Rädern
noch die Gewichtsausgleiche für den
Stangenantrieb
vorhanden waren wurde dessen fehlendes Gewicht mit zusätzlichen
Gegengewichten ausgeglichen. Daher war auch weiterhin die alte
Achsfolge
zu erkennen und uns fehlen nur noch die beiden anderen Triebachsen.
Alle anderen in der Schweiz eingesetzten Maschinen mit diesem Antrieb sollten nur noch über eine einseitige Lös-ung verfügen.
Die Lösung dieser
Lokomotive
kam aber in Frankreich zur Anwendung. Die
Achse
selber verschwand damit hinter den
Antrieben
von Buchli.
Die dritte
Achse
wurde mit einem
Antrieb
von
Tschanz Otto versehen. Dabei kann man diese
Tschanzantrieb
durchaus auch als SBB-Antrieb bezeichnen, denn damals war Otto Tschanz
Obermaschineningenieur bei den
Staatsbahnen.
Jedoch hatte dieser Aufbau weitreichende Folgen für die
Lokomotive,
denn die einseitigen Antriebe führten zu grossen Problemen mit den
Achslasten.
Da auch bei der Ausrüstung abgespeckt wurde, fehlte Gewicht.
Für den Gewichtsausgleich wurden daher im Bereich der ehemaligen
Triebachse
1 Schienenstück zum Ausgleich eingebaut. Die
Lokomotive
musste daher mit reichlich
Ballast
versehen werden, denn nur so stand sie einigermassen gerade auf dem
Gleis
und die noch verbliebene
Adhäsion
konnte auch übertragen werden. Es war also bisher ein Umbau, der durchaus
das Prädikat von extrem geringen Kosten verdient hat.
Die Bauteile für die elektrischen Bauteile stammten eher aus einer
verstaubten Ecke, als dass man auch hier Versuche anstellen wollte.
Einfach gesagt, die BBC räumte das
Lager
auf und baute es hier ein. Was fehlte, wurde einfach bei der Konkurrenz in
Oerlikon geklaut. Die
Versuchslokomotive
sollte also Teile von der BBC und der MFO bekommen. Noch ahnte niemand,
dass das nur wenige Jahre später sogar offiziell gemacht wurde.
Es war eine komplett neue elektrische Ausrüstung aus den bei
anderen
Baureihen
durchaus üblichen Bauteilen entstanden. Mehr war ja nicht zu erwarten,
wenn man die
Lager
räumt und noch schnell bei der Konkurrenz vorbei ging um auch deren
Ersatzteile zu klauen. Der Umbau der elektrischen Ausrüstung hatte natürlich auf die Leistungsdaten grosse Auswirkungen. Auch wenn man nicht die neusten Baugruppen verbaut, diese konnten deutlich mehr leisten, als das bisher der Fall war.
Der Grund dafür war, dass in den wenigen Jahren so grosse Schritte
unter-nommen wurden, dass mehr möglich wurde. Die hier vorgestellte
Lokomotive
sollte diesen Umstand deutlich aufzeigen und daher müssen wir genauer
hinsehen. Die bisherige Leistung konnte trotz dem Verzicht auf einen Transformator bei weiterhin zwei Fahrmotoren gesteigert werden. Hatte die ursprüngliche Ma-schine noch eine Leistung von 570 Kilowatt erhalten, betrug dieser Wert nun 736 Kilowatt.
Das war deutlich mehr und zeigt auch, wie schnell sich die Technik
in dieser Zeit entwickelte, denn die Motoren waren kleiner und konnten
erst noch mehr leisten und das war wichtig.
Keine grossen Auswirkungen hatte der Umbau auf die
Zugkraft.
Die Anfahr-zugkraft erreichte einen Wert von 8 500 Kilogramm. Während der
Dauer einer Stunde konnte jedoch nur noch eine Kraft von 4 000 Kilogramm
erzeugt werden. Das reichte aber, um diese besondere
Lokomotive
auf eine
Höchstgeschwindigkeit
von 75 km/h zu beschleunigen. Abgeschlossen wurde Umbau schliesslich mit
der Übergabe im Jahre 1918. |
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Betriebseinsatz |
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Mit der Übergabe des Exoten an die Schweizerischen Bundesbahnen
SBB kam es zu einer noch besonderen Situation. Die Maschine war bereit,
aber keine
Fahrleitung
dazu vorhanden. Die
Versuchsstrecke
war zwischen Seebach und Wettingen abgebaut worden. Damit gab es nur noch
die Anlagen der BLS, die seit 1913 elektrisch unterwegs war. Zumindest bis
die Arbeiten zwischen Thun und Bern abgeschlossen waren, musste eine
Lösung her.
Dazu war ein umfangreicher Vertrag ausgearbeitet worden. In diesem
wurde neben Bedingungen bei Problemen mit dem Fahrzeug auch das von dieser
mitgeführte und sehr umfangreiche Inventar ganz genau aufgelistet. Neben den üblichen 23 Schraubenschlüsseln und sie-ben Ölkannen, gab es durchaus noch Teile, bei denen man etwas komisch schaut. So führte die Lokomotive während der Fahrt noch ein Beil, eine Säge, eine Fusswinde und eine Stockwinde mit.
So richtig vertrauenserweckend sind diese Teile nun wirklich
nicht. Zudem wurde sogar vor mög-lichen Bränden gewarnt. Eher dumm für die
Um-welt, waren die undichten Kästen der
Zahnräder. Man warnte den neuen Besitzer zudem vor warmen Achslagern. Speziell war auch die in diesem Doku-ment verwendete Bezeichnung. Es
wurde von der
Lokomotive
2B1 mit der Nummer 10001 gesprochen. Noch hatte man bei den
Schweizerischen Bundesbahnen SBB keine offizielle Bezeichnung für
elektrische Lokomotiven. Auch wenn sich bereits abzeichnete, wie diese
auszusehen hatte. Traute man dem Teil nicht über den Weg?
Entgegen den allgemeinen Erwartungen waren von der
Lokomotive während der
Versuche kaum Klagen zu hören. Es scheint so, dass sie sich auf der BLS
durchaus positiv zeigen konnte. Dabei müssen wir bedenken, dass niemand
wirklich wusste, was die beiden verbauten
Einzelachsantriebe verrichten
konnten. Auch bei der Ausnutzung der
Zugkraft wurde Neuland betreten.
Trotzdem die Zeit bei der BLS war begrenzt.
Nachdem sich die Lokführer der BLS über die kalte und zugige
Lokomotive
beschwerten, musste gehandelt werden. Daher wurde die Maschine vor dem
Einsatz im Aaretal mit einer
Heizung der
Führerstände versehen. Es waren
wohl eher die durch die Kälte bedingten Störungen, als die Reklamationen
für diese Heizung ver-antwortlich. Warum soll es das Personal auf der
Arbeit warm haben. Wer arbeitet bekommt warm.
Nach den Arbeiten kam die Maschine in das
Depot Bern. Dort wurde auch
gleich die neue Bezeichnung angebracht. Mittlerweile hatten auch die
Staatsbahnen SBB ein Schema, bei dem die Exoten eingefügt werden konnten.
Die besondere Maschine wurde daher zur Fb 2/5. Die Nummer blieb, denn es
war klar, die elek-trischen Modelle sollten zur Unterscheidung mit
fünfstelligen Betriebsnummern versehen werden.
Vom Personal wurde die
Lokomotive hingegen auf den Namen «Viktor» getauft.
Wie es dazu kam, entzieht sich meiner Kenntnis, es kann aber durchaus ein
Hinweis auf eine nicht so beliebte Person im
Depot gewesen sein. Chefs
wurden so immer wieder verewigt, als dass man den Tyrannen nie vergessen
solle. Mit Viktor hatte es diese Maschine noch gut erwischt, es gab
durchaus auch andere Namen, die nicht so schön waren.
Es war nicht die erste der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, aber die erste Strecke, die durch die Staatsbahnen elektrifiziert wurde.
Damit war der elektrische Betrieb von Bern nach Brig kein Problem mehr.
Die anderen Strecken im Raum Bern sollten aber schnell kommen. Gefahren wurde mit Personenzügen zwischen Bern und Thun. Gelegentlich stiess die Fb 2/5 aber auch bis Spiez vor. Ein durchaus intensives Programm, was der Loko-motive eine Leistung von 24 500 Kilometer einbrachte und das nur in sieben Monaten.
Der Grund war, dass man schlicht noch keine
andere Lo-komotive für diese Züge hatte. Zwar unternahmen die Modelle für
den Gotthard die ersten Gehversuche, aber auch nicht mehr.
Es sollte nicht lange so bleiben. Bereits 1920 wurde der
Lokomotive eine
neue Bezeichnung verpasst. Die nun Be 2/5 genannte Maschine bekam dabei
auch eine neue Num-mer, denn nun lautete diese 11 001. Daran sollte sich
lange Jahre nichts mehr ändern, auch wenn die Maschine wirklich auch einen
exotischen Einsatz hatte. Viktor war wirklich mit keiner anderen
Lokomotive zu vergleichen und diese gab es nun auch.
Da die
Fahrleitung am Gotthard noch nicht bereit stand, wurden die dafür
bestimmten Maschinen zwischen Bern und Thun eingesetzt. Auf die im
Vergleich schwache
Lokomotive konnte daher verzichtet werden. Viktor kam
ins
Depot und dort blieb er oft einfach stehen. Es gab nur noch
vereinzelte Einsätze auf der Strecke nach Thun. Hatte die Lokomotive ihre
Schuldigkeit bereits getan? Das sicher nicht, aber es wurde ruhig.
Die entstandenen Lücken wurden mit den ersten Modellen gefüllt. Die Be 2/5 be-gann sich nun mit einer elektrischen Heizung versehen vor den Regionalzügen nützlich zu machen.
Es war aber klar ein Einsatz auf Zeit,
denn es kamen immer mehr neue Maschi-nen und manche blieben in Bern. Im Raum Bern hatte die Lokomotive nach nur wenigen Jahren ihren Zweck erfüllt. Sie packte die Koffer und wurde mit einem Paket für den Gotthard nach Erst-feld verschoben. Ab dort wurden mit der kaum zur Strek-ke passenden Lokomotive einige Perso-nenzüge nach Arth-Goldau geführt.
Das
stellte eine Be 4/6 frei, die besser verwendet werden konnte. Viktor wurde
daher zum Lückenbüsser und das auch am Gotthard.
Die Versetzung liess nicht lange auf sich warten. Die Maschine packte in
Erstfeld die Koffer und wurde nach Luzern verschoben. Ab dem
Depot Luzern
sollte die Maschine
Personenzüge im Dreieck Luzern, Zug und Arth-Goldau
übernehmen. Wobei meistens nur zwischen Luzern und Zug gefahren wurde und
auch dieser Einsatz war für Viktor nicht so sicher, wie man meinen könnte,
denn es gab noch andere glücklose Modelle im Bestand.
Dazu gehörte die von der MFO gelieferte
Lokomotive
Be 3/5. Sie passte
nirgends und daher übernahm sie die Arbeit von der Lokomotive, die auch
nicht so passend war. Viktor musst erneut die Koffer packen und diesmal
ging es schief, denn sein Gepäck ging verloren und so kam es, dass die
Lokomotive nach wenigen Jahren der
Ausrangierung zugeführt worden. Es war
vorbei, aber es kam nicht zum Abbruch, sondern zum Umbau.
Diesen konnte man bei einer neuen
Lokomotive noch ge-brauchen und für das alleine fahrenden Fahrzeug reichte
eine
Triebachse aus. Wagen gab es nicht mehr zu ziehen. Damit man auch
nicht aus versehen, auf das Gefährt zugriff, wurde geändert.
Die bisher als Be 2/5 geführte
Lokomotive wurde zum selbstfahrenden
Ungetüm und diese wurden anders bezeichnet. Neu sollte Viktor auf den
offiziellen Namen Xe 1/5 hören. Die Nummer wurde nun an andere Ende der
fünfstelligen Möglichkeiten verschoben. Was mit 10001 begonnen hatte,
endete nun mit der Betriebsnummer 99 999. Mit dem
Tschanzantrieb
ging es
dann auf Reise. Meistens blieb sie im
Kreis III im Einsatz.
Dem fahrbaren Schweisstransformator waren noch ein paar Jahre gegönnt,
denn so umgebaut konnte das Vehikel immer wieder gebraucht werden. Doch
auch das war nicht auf Dauer, denn es gab immer bessere und kleinere
Transformatoren, die auch auf Wagen einen Platz fanden. Daher wurde Viktor
immer weniger eingesetzt und so richtig in den Bestand passen sollte die
Masche auch wieder nicht. Am 17. September 1937 erfolgte der Abbruch.
1910 machte sich Viktor daran, die Welt zu erkunden und in Frankreich zu
arbeiten. Das klappte nicht und so kam er nach Hause, dort zum
Versuchsträger degradiert, ging es weiter. Mehr war von der glücklosen
Lokomotive nicht zu erwarten und als daraus der Schweisswagen Xe 1/5
wurde, war klar, lange sollte es nicht gut gehen. Nach 27 Jahren war
Schluss. Wenn man ehrlich ist, dann muss man sagen, dass es eine lange
Karriere war.
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