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Die neuen Schweizerischen Bundesbahnen |
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Die
von den Politikern geforderte Liberalisierung hatte auf die bestehenden
Staatsbahnen grosse
Auswirkungen. Auch die Schweizerischen Bundesbahnen SBB waren davon
betroffen. Für den nun marktorientierten Aufbau mussten sie massiv
umgebaut werden. Die bisher straffen staatlichen Strukturen mussten
aufgebrochen werden. Es lohnt sich daher, dass wir uns genauer nicht dem
Unternehmen in der neuen Ordnung befassen,
Wir
haben damit wieder ein privatrechtliches Unter-nehmen erhalten. So war es
sogar möglich, dass sich auch andere Investoren in den Unternehmen
einkaufen konnten. Die Aufteilung in die bisherigen Kreise war da hinder-lich. Zudem gab es innerhalb dieser Kreise weitere Verwaltungseinheiten, die wir in die Abteilungen Be-trieb, Bau und Zugförderung und Werkstätten ZFW aufteilen.
Diese konnten nicht so einfach in die neuen Strukturen überführt werden.
Das führte dazu, dass das Unter-nehmen in mehreren Schritten umgebaut
werden musste. Nur so konnten die Vorgaben des freien Netz-zugangs
umgesetzt werden.
Nur schon wegen der Grösse entstand eine Struktur,
die als Konzern angesehen werden kann. Konzerne sind Gebilde aus mehreren
Firmen, die zu einer grossen Einheit verbunden wurden. Die bisherigen
Schweize-rischen Bundesbahnen SBB waren diese Hauptfirma und die
bisherigen Abteilungen wurden Unternehmen, die eigenständig arbeiten
konnten. Aus der ehemaligen
Staatsbahn wurde so einfach ein
Konzern.
Die
Aktiengesellschaft SBB, also der Konzern bildete das Dach für mehrere
darin enthaltende Firmen. Die neuen Aktien der SBB AG wurden aber nicht
öffentlich gehandelt, sondern sie blieben anfänglich vollumfänglich im
Besitz des Staates. So behielt der Staat die Hand über dem Konzern SBB.
Der Name des neuen Konzerns sollte weiterhin die schweizerischen
Bundesbahnen SBB lauten. Auf den Zusatz AG für Aktiengesellschaft
verzichtete man jedoch.
Dazu wurden neue Subunternehmen geschaffen, welche die bisherigen Kreise und deren Strukturen ablösen sollten.
Um
keine Verwechslungen zu den bisherigen
Krei-sen zu generieren,
nannte man diese neuen Verwaltungseinheiten oder Unternehmen innerhalb
eines Konzerns, Divisionen. Die Divisionen waren eigenständige Firmen. In un-serem Fall die SBB-Divisionen arbeiteten völlig un-abhängig.
Ein
so grosses Gebilde, wie eine
Staatsbahn es nun mal war,
konnte aber nicht auf einen Schlag umgebaut werden. So blieben anfänglich
die Divisionen genannten Unternehmen im neuen Konzern noch verborgen. Wir
wollen uns jedoch nicht mehr mit diesen Schritten befassen. Sie müssen
einfach wissen, dass nun die Divisionen vorgestellt werden.
Für
die Vorstellung der Divisionen nutze ich eine willkürliche Reihenfolge. Es
ergibt sich keine Wichtigkeit, denn jeder Bereich war für sich alleine
gestellt und er wurde benötigt. Damit es etwas verständlicher wird, sehen
wir uns nun die im Konzern vorhandenen einzelnen Firmen an. Alleine die
Namen sorgen dafür, dass zu erkennen war, dass sich diese innerhalb des
Konzerns SBB AG befanden und so gebunden waren.
SBB-Infrastruktur:
Die Anlagen, also die meisten
Bahnhöfe
und die Strecken der SBB wurden in die Division von SBB-Infrastruktur
überführt. Somit entstand der mit den neuen Strukturen geforderte
Netzbetreiber.
Nur wenige Bahnhöfe, die nicht von grosser Bedeutung schienen, wurden
durch die SBB eigenen
EVU verwaltet. Damit
war der diskriminierungsfreie Netzzugang auf den Anlagen der
schweizerischen Bundesbahnen SBB gewährleistet.
So hatte der eigenständige Netzbetreiber eine eigene Unterhaltsabteilung mit dem entspre-chenden Personal.
Jedoch nicht in der
Infrastruktur
enthalten waren die Gebäude. Diese wurden durch Im-mobilien verwaltet und
die Divisionen mieten sich in den Gebäuden ein. Als Netzbetreiber ist SBB-Infrastruktur ver-pflichtet jedem beliebigen EVU den Zugang zum Streckennetz der ehemaligen Staatsbahn zu erlauben. Dieser Zugang lässt sich diese Firma mit Hilfe der Trassegebühren bezahlen.
Das
heisst, jedes
EVU
muss SBB-Infrastruktur einen bestimmten Betrag für die befahrene Strecke
zahlen. Ist das erfolgt, darf das EVU auf dem Netz der SBB verkehren und
so Trans-porte ausführen.
Dank diesen Trassegebühren hat das Unternehmen eine gesicherte
Einnahmequelle. Konkurrenz hat diese Firma jedoch nicht zu fürchten, denn
es wird kaum einen anderen
Netzbetreiber
für den Gotthard geben. Damit besteht jedoch die Gefahr von willkürlichen
Preisen. Damit das nicht geschieht, gibt die Aufsichtsbehörde einen
Katalog mit den gängigen Preisen heraus. Die
EVU
können daher berechnen, was ihnen die Fahrt über die gewünschte Strecke
kostet.
SBB
Infrastruktur gestaltet auch die einzelnen
Fahrpläne
der Züge und
Rangierbewegungen auf die Strecke.
Damit diese so gerecht wie nur möglich gestaltet werden, wurde eine eigens
dafür bestimmte Organisation geschaffen. Bei diesem Trassemanagement
müssen die einzelnen
EVU nun ihre
gewünschten
Fahrzeiten
eingeben und ein Trassee beantragen. Kurzfristige Züge können so ohne
grössere Umwege direkt bei dieser Stelle bestellt werden.
Dank diesen Regeln ist es überhaupt möglich, dass die
Reisezüge nach einem
Taktfahrplan
verkehren können. Es kann kein anderes
EVU in diese
Taktfahrordnungen
gelegt werden. Benachteiligt fühlen können sich daher die EVU des
Güterverkehrs. Wobei diesen entgegen gekommen wird, denn nicht alle vergebenen Trassen haben den gleichen Preis. die hoch-wertigen schnellen Lösungen kosten daher mehr, als die langsamen Fahrordnungen.
Das
erlaubt es einen
EVU auch in diesem
Punkt Kosten zu sparen. Je begehrter ein Produkt ist, desto höher der
Preis. Wer nichts zahlen will, der muss sich mit den Ladenhütern befassen.
Das ist nicht nur bei den Bahnen so. SBB Personenverkehr: Eine zweite Firma innerhalb der SBB AG war die Division SBB Personenverkehr. Aufgabe dieses EVU sollte der Verkehr von Reisezügen sein.
Es
finanziert sich mit den
Fahrkarten,
die Sie am
Bahnhof lösen
müssen. SBB Personenverkehr übernahm den von den SBB angebotenen
Personenverkehr.
Es ist daher das
EVU, das im Konzern
integriert wurde und so als eigenständige Firma arbeitet.
In
dieser Division wurden die notwendigen Fahrzeuge, wie
Triebzüge,
Lokomotiven
und
Reisezugwagen,
sowie das benötigte Personal aus den bisherigen Bereichen Betrieb und ZFW
zugeteilt. Dabei wurde auch der Unterhalt dieser Fahrzeuge dem
EVU zugeschlagen, was
bedeutete, dass die Arbeiten in den
Industriewerken
auch spezialisiert wurden. SBB Personenverkehr hatte daher die Wartung der
Fahrzeuge selber zu regeln und konnte diese
Leistung
nicht einkaufen.
SBB Personenverkehr stellt für diesen Auftrag eine Rechnung. Damit können die Fahrpreise für die einzelnen Gäste im üblichen Rahmen gehalten wer-den.
Andererseits bietet das Unternehmen auch
Leist-ungen
ohne direkten Auftrag und auf eigenes Risiko an. Da die Aufsichtsbehörde festgelegt hat, dass nur ganze Strecken durch ein EVU übernommen werden können, wird verhindert, dass kleinere EVU die lukrativen Verbindungen herauspicken und sich so ein Verdrängungskampf auf den Magistralen ergibt.
Für
die Schweiz ist ein funktionierender
Personen-verkehr
wichtig, so dass sich hier eine gewisse staatliche Schutzstellung
einrichten liess. Diese kommt aber auch Ihnen als Fahrgast zu Gute.
Wie
sich hier ein Betrieb mit konkurrierender
EVU auf die Kunden
auswirken wird, ist noch offen. Es ist jedoch durchaus damit zu rechnen,
dass ein bei den SBB gekaufter
Fahrschein
im Zug der DB nicht mehr gültig ist. Die Zeiten, wo Sie einen Fahrausweis
kaufen konnten und dann den Zug frei wählen durften, könnten vorbei sein.
Sie müssen sich in Zukunft überlegen, mit welchem EVU sie reisen wollen
und was Sie zahlen möchten.
SBB-Cargo:
Die dritte Firma, oder Division, des Konzerns war SBB Cargo. Obwohl noch
im Mutterhaus integriert, wurde diese Division viel mehr ausgelagert, als
das bei den anderen Teilen der Fall war. SBB Cargo konnte daher als völlig
unabhängiges
EVU in den Markt
eintreten und sich so der internationalen Konkurrenz stellen. Man
berücksichtigte damit den in Europa stärker liberalisierten
Güterverkehr.
Obwohl das Personal neu den Arbeitgeber SBB Cargo erhalten hatte, kam das Gehalt von den schweizerischen Bundesbahnen SBB und somit vom Konzern.
Eine etwas verblüffend klingende Aktion. Jedoch waren andere Bahnen in
Europa noch stärker von diesen Kosten befreit worden. Diese Massnahme zeigte auf, wie unsicher man sich gegenüber dem freien Markt fühlte. Das Personal sollte in jedem Fall unter dem schützenden Dach des Konzerns bleiben und so nicht von der plötzlichen Arbeitslosigkeit überrascht werden.
Sie
müssen bedenken, welchen Wirbel entstanden wäre, wenn SBB Cargo die
Lokführer entlassen hätte, während bei SBB Personenverkehr krampf-haft
neue Leute gesucht worden wären.
Die
Firma konnte jedoch frei handeln und bezahlte dem Konzern den Betrag für
die Löhne der Ange-stellten. Im schlimmsten Fall hätte dann der Konzern
die Bezahlung der Gehälter übernommen und so zumindest die Arbeiter
geschützt. Wie wichtig das sein würde, sah man dann schon nach wenigen
Jahren. Damit hatte das neue Unternehmen jedoch die notwendigen Ressourcen
um auf dem freien Markt bestehen zu können.
SBB
Cargo bekam vom Bund den Auftrag für den nationalen
Güterverkehr
im Stückgut. Es war abzusehen, dass dieser Bereich von den meisten Bahnen
ignoriert worden wäre. Damit wäre aber die im Land wichtige Versorgung mit
Gütern gefährdet gewesen. Dieser Auftrag führte aber dazu, dass nun SBB
Cargo auf den
Privatbahnen die
Nahgüterzüge
führte. Die anderen Bahnen mussten notgedrungen im Bereich der
Ganzzüge
Arbeit suchen.
SBB
Cargo begann damit, im Ausland
Güterzüge
in eigener Regie zu führen. Die Folgen waren die in die Schweiz
vordringenden
EVU aus anderen
Ländern. Seither können zum Beispiel am Gotthard
Lokomo-tiven
der DB beobachtet werden. Durch das Vordringen in den internationalen Markt wurden sehr viele Kosten mit dem Aufbau und der Rekrutierung neuer Fachleute, generiert. Diese Ausgaben entstanden neben dem Aufbau der logistischen Teile in den anderen Ländern, auch durch tiefe Transportpreise.
Dass solche steten Erweiterungen nur von sehr grossen und finanziell
starken Konzernen zu machen sind, ignorierte man bei SBB Cargo offenbar.
Die
Firma geriet dadurch in finanzielle Schieflage und wurde nur dank dem
Konzern vor dem grossen Untergang gerettet. Die Geschäftleitung von SBB
Cargo wurde in der Folge ausgetauscht und neue Partnerschaften gesucht.
Diese fand man jedoch nicht mehr bei den anderen Bahnen, denn die
witterten eine Chance und boten die Übernahme oder Fusion mit SBB Cargo
an. War der
Güterverkehr
am Ende, bevor es erst richtig begonnen hatte?
SBB
Cargo sollte in der Folge zum grossen Sorgenkind werden. Die Kosten waren
gigantisch und die Einnahmen sanken von Tag zu Tag. Damit blieb es am
Konzern, denn dieser musste den Ruin von SBB Cargo mit finanziellen
Mitteln verhindern. Komplett eigenständig war die Firma daher noch nicht
und Gerüchten zu Folge sollten die Löhne im November eines Jahres sogar
durch den Konzern bezahlt worden sein.
Dieser jedoch will eigentlich, dass man noch zahlt, damit man den
Transport ausführen darf. Wie war das nun schon wieder mit der
SCB, die kaum die
Löhne bezahlen konnte. Gerade im
Güterverkehr
drohte so ein Untergang grossen Ausmasses. Um zumindest noch etwas von den Einnahmen zu retten, wurden Partnerschaften geschaffen. Andere Unternehmen konnten sich so bei SBB Cargo einkaufen.
Ein
einem ersten Schritt konnte sich das Unternehmen so von den
Verpflichtungen im Ausland trennen. Es entstand im Konzern eine neue
Firma, bei der die Aktien nur zu einem Teil in den Händen des Staates war.
Ob das lang-fristig gut sein würde, war fraglich. Auch wenn der internationale Teil abgestossen wurde, der Güterverkehr sollte ein Problem sein. Immer mehr dräng-ten die Kunden auf tiefere Kosten und diese konnten einfach nicht mehr angeboten werden.
Wenn ein Zug nicht kostendeckend fahren kann, dann lässt man in besser.
Die Folgen sind klar, der Transport bricht zusammen. Auch das war
eigentlich im Vorfeld zu erwar-ten, denn niemand zahlt gerne für die
getane Arbeit.
SBB Cargo International:
Die anhaltenden finanziellen Probleme von SBB Cargo führten dazu, dass
sich das Unternehmen vom internationalen Teil trennte. Damit das überhaupt
möglich wurde, musste mit einem Investor eine neue Firma gegründet werden.
So entstand SBB Cargo International. An dieser Firma hält SBB Cargo mit
dem Mutterhaus 75% der Aktien. Die restlichen Aktien wurden von Hupac und
somit von einem der grössten Kunden übernommen.
In der Schweiz hingegen wurde zu Beginn das Personal bei SBB Cargo gemietet. Langfristig soll aber auch das Per-sonal aus SBB Cargo herausgelöst und zu SBB Cargo International überführt werden.
Damit würden diese Mitarbeiter, aber nicht mehr unter dem Dach des
Konzerns angestellt sein.
Die
Probleme um SBB Cargo und die Gründung von SBB Cargo International zeigen
deutlich auf, wie gefährlich unbedarftes Handeln im internationalen
Geschäft mit dem
Güterverkehr
sein kann. Hier sind die Probleme jedoch nicht nur bei den Angestellten zu
suchen, denn diese leisten gute Arbeit. Vielmehr könnte durch Übernahmen
ein riesiger alleine operierender Anbieter entstehen. Die Verlader und
Kunden hätten dann das Nachsehen.
Man
kann davon ausgehen, dass das letzte Kapitel im internationalen
Güterverkehr
noch nicht geschrieben wurde. Es wird sich zeigen, ob ein schlanker
Konzern mit motivierten Mitarbeitern auch gegen grosse Anbieter bestehen
kann. Entscheidend ist dabei jedoch die Motivation der Mitarbeiter, denn
diese treffen auf den Kunden oder liefern die Ware pünktlich und Ganz ab.
Wenn einmal ein Unternehmen in Schieflage gerät, ist es schwer.
Die
Schweizerische
Centralbahn SCB lässt grüssen. Zudem zeigte sich in
den Jahren, dass die Angestellten bei SBB Cargo deutlich schlechtere
Bedingungen hatten, als das bei anderen Abteilungen der Fall war. Auch das
war zu erwarten und auch jetzt gibt es schlicht keine Neuerungen, denn vor
1900 führten genau solche Unterschiede zum ersten grossen
Streik
in der Geschichte der Eisenbahnen und danach zur
Staatsbahn.
Dieser
wurde neu regional geregelt und dazu mit den dort vorhandenen
Privatbahnen
Tochterunternehmen gegründet. Diese waren regional stär-ker verwurzelt,
was bei der Vergabe der Aufträge von Vorteil sein könnte. Diese drei im Konzern enthalten Firmen konnten aber eigenständig Tochterfirmen gründen. Diese Tochterfirmen entstanden durch Beteilig-ungen der SBB an anderen Unternehmen.
Gerade der
Nahverkehr
wurde den Tochterunternehmen übertragen und so indirekt aus der Firma
entlassen. Das heisst, SBB Personenverkehr war in der Folge bei vielen
kleineren Bahnen beteiligt. Die klassischen
Privat-bahnen der Schweiz
verschwanden. Wie gross diese Beteiligungen der SBB AG sein können, zeigt die Thurbo auf. Diese Tochterfirma von SBB Personenverkehr besorgt im Raum Bodensee und Ostschweiz den Nahverkehr.
Entstanden war diese Firma nach dem Konkurs der Mittelthurgaubahn MThB. So
wurde mit der neuen Firma die eigene Kultur bei diesem Unternehmen
berücksichtigt. Deutlich zu erkennen war das an den Farben und Anschriften
der Züge. Die anfänglich noch Thurbo angeschriebenen Züge wurden immer mehr in den Farben der schweizerischen Bundesbahnen SBB gehalten. Auch mit den Anschriften wurde so verfahren, so dass das Thurbo immer kleiner wurde. Dafür
SBB in den Vordergrund trat. Die letzten Überreste der ehemaligen MThB
verschwinden so immer mehr im grossen Konzern schweizerische Bundesbahnen
SBB. Bekannte
Privatbahnen verschwinden so
von der Bild-fläche. |
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