|
Die Stahlbetonbrücke |
|||||||||||
|
Bevor wir uns der Stahlbetonbrücke, oder einfach nur Betonbrücke zuwenden,
müssen wir uns mit dem Werkstoff befassen. Der Begriff Stahl bei diesen
Brücken rührt daher, dass er als Armierung genutzt wird. Es sind also die
Gitter und Stäbe, die man auf Baustellen immer wieder zu sehen kriegt.
Diese Bewährung und für die Festigkeit des Werkstoffen sehr wichtig, denn
ohne, haben wir einfach einen Stein mit komischer Form.
Damit entsteht eine zähflüssige Masse, die schliesslich vergossen werden
kann. Damit kann der Werkstoff in jede beliebige Form gebracht werden.
Durch die Reaktion des Bindemittels mit dem Wasser wird die Masse hart. Gerade die Tatsache, dass Beton in seiner flüssigen Form in jede erdenk-liche Form gebracht werden kann, macht ihn beim Bau von Brücken interessant. Dabei können so durchaus auch nur Steine erzeugt werden.
Diese können anschliessend ganz nor-mal zu einer Steinbogenbrücke
aufge-schichtet werden. Jedoch entstehen mit Beton und einer Armierung
auch andere Bauteile, die durchaus eine hö-here Festigkeit aufweisen und
so ideal sind.
Der
Vorteil bei der Bearbeitung steht auch vielen Nachteilen entgegen. Die
chemische Reaktion erzeugt Wärme, die nicht zu hoch werden kann, denn das
dazu kühlende Wasser würde Risse erzeugen. In besonders schwierigen Fällen
muss daher der Beton während der Abbindung gekühlt werden. So wird eine
riesige Menge Wasser benötigt und wegen dem Zement, ist auch die Bilanz
bei Kohlendioxyd nicht besonders gut.
Hinzu kommt noch, dass der Beton mit seiner grauen Farbe nicht besonders
ansprechend wirkt. Nur schon deswegen empfinden viele Leute eine Abneigung
gegenüber Beton. Dass das unbegründet sein kann, zeigen durchaus elegante
und schöne Brücken. Da passt dann sogar noch die graue Farbe optimal dazu.
Sie sehen, es hängt alles davon ab, wie man den Werkstoff Beton verwendet.
Es kann schöne Bauwerke geben.
Jedoch erlaubt der gegossene Stein nun auch Formen, die sonst nicht
möglich gewesen wären. Das ist die bei Modellen aus Stein sehr geringe
Stützweite. Was mit Beton möglich ist, sehen wir uns bei der ersten
Betonbrücke an. Die Lorrainebrücke: Eine durchaus ansehnliche Betonbrücke ist die Brücke über die Aare in Bern. Dieses als Lorrainebrücke bezeichnete Bauwerk be-findet sich im Bereich unmittelbar vor dem Bahnhof Bern.
Daher wird diese von den Reisenden selten wahrgenommen. In den Wagen
herrscht ein Gewusel, da man umsteigen muss. Dass dabei der Zug eine
gigan-tische Brücke überquert, merkt schlicht niemand.
Entstanden war die Brücke im Jahre 1941 mit dem Umbau des
Bahnhofes. Dieser
hatte zur Folge, dass mehr
Geleise zugeführt werden
mussten und die alten Modelle dazu nicht mehr ausreichten. Dabei sollte
eine neue Brücke über die Aare gebaut werden und diese sollte Abmessungen
bekommen, die man durchaus auch den Schergen in Deutschland zuschreiben
könnte. Allein die Eleganz sprach jedoch dagegen.
Die
1 080 Meter lange Brücke ist eine der längsten der Schweiz. Dabei teilt
sie sich in zwei Bereiche auf. Mit Beginn östlich vom
Bahnhof folgt
die Vorbrücke dem Gelände. Wegen der bereits vorhandenen Bebauung konnte
an dieser Stelle kein Damm aufgeschüttet werden. Somit entstand hier eine
spezielle Bauform, die immer wieder als Lehnviadukt bezeichnet wurde. Wer
nun aber denkt, dass die Brüche ausgelehnt wurde, liegt falsch.
Der
Ausblick der Häuser wurde nur bedingt beschränkt. Trotzdem freut sich
niemand, wenn einem eine Brücke vor die Nase gebaut wird. Heute wäre so
ein Bau kaum mehr möglich und das ist gut so. Nach dem Lehnviadukt dreht die Strecke ab in Richtung Aare. Die an dieser Stelle recht breite Schlucht musste überbrückt werden und das ging nun mit den anderen Lösungen nicht mehr.
Zwar hätte auch eine Stahlfachwerkbrücke gebaut werden können. Jedoch war
dieser wegen dem aktuell statt fin-denden zweiten Weltkrieg zur Mangelware
geworden. Da-her musste man nach einer anderen Lösung suchen und fand
diese beim Beton. Zwischen den beiden Hängen wurde der Hauptbogen gegossen. Dieser hatte eine Stützweite von 150 Meter erhalten und stellt damit den Rekord bei den Brücken der Eisenbahn in der Schweiz.
Auf
senkrechten Stützen wird die Fahrbahn auf dem Bogen abgestützt. Es
entstand so eine recht offen wirkende Brücke und wenn man einen optischen
Fehler suchen will, dann ist das schlicht die graue Farbe. Die neue
Lorrainebrücke beeindruckt.
Nicht nur bei den Abmessungen ist hier eine gigantische Brücke entstanden.
Wegen dem Gefälle auf der Brücke und wegen den
Bremskräften
vor dem
Bahnhof ist
eine grosse Belastung entstanden und schlecht gebaut hatte man trotz dem
Krieg auf keinen Fall, denn die Lorrainebrücke ist heute sogar zu einem
Wahrzeichen der Stadt Bern geworden. Man hat sich mit dem grauen Bau
angefreundet und sie wirkt wirklich sehr elegant.
Die
Lorraine zu Bern, ist aber klar als Betonbrücke zu erkennen und das macht
sie wirklich zu einem besonderen Bauwerk. Nur es sollte noch mehr kommen,
jedoch keine so grossen Stützweiten mehr. Das Problem bei Stahlbeton war, dass er in grossen Mengen benötigt wird, um die Tragkraft zu bekommen. Daher suchten die Ingenieure nach neuen Lösungen für den Bau von Betonbrücken.
Dabei wurde erkannt, dass man die Festigkeit von Beton erhöhen kann, wenn
man ihn zusammen presst. Man nannte die spezielle Methode Vorspannung und
das Prinzip war auch bei den Stahlbrücken schon sehr oft genutzt worden.
Die Spannbetonbrücke:
Wenn wir von der Spannbeton-brücke sprechen, kommen uns Worte wie
hässlich, scheusslich, ein Verbrechen am Auge und andere Nettigkeiten über
die Lippen. Bei dieser Form der Brücke findet sich wohl kaum jemand, der
lobend spricht. Es sei denn er hat sie in Auftrag gegeben, oder sie
gebaut. Es ist eine sehr gute Brücke, wenn sie nur nicht so schlicht
aussehen würde, dass man sich abwendet.
Man
muss sie nicht lieben, aber man muss damit leben. Bei den
Spannbetonbrücken kann ein einfacher Aufbau umgesetzt werden. Ein
Hohlträger in rechteckiger Form und darauf die Fahrbahn. Das ist es schon,
denn bei dieser Brücke wird nach dem Bau der Hohlkörper und die Fahrbahn
mit speziellen Spannseilen gespannt und so verdichtet. Die Brücke wird zur
einfachen Balkenbrücke, die nur in zwei Widerlagern sitzen muss.
Klar, es bleibt ein in der Luft hängender grauer Balken, der auf schichten
Stützen aus Beton abgelegt wurde. Wirklich schön ist anders, da kann ich
nur zustimmen. Doch es gibt sie nun mal. Wir werden nun drei Spannbetonbrücken ansehen und dabei auch erkennen, dass nicht alles möglich ist. Bei einer Brücke handelte es sich um einen Umbau in gerader Ausführung die zweite übernimmt weitere Aufgaben.
Mit
der dritten Brücke sehen wir uns eine geschwungene Brücke an, bei der beim
Bau nicht alles stimmte und die Probleme ver-ursachte. Doch beginnen wir
mit der Sanierung und weil wir ihn schon oft hörten, begeben wir uns dazu
an den Fluss Reuss.
Die Intschireussbrücke:
Beginnen wir mit der Reussbrücke bei Intschi. Diese musste saniert werden
und als das erfolgte, kam es zum Einbau einer Spannbetonbrücke. Die
vorhandenen Pfeiler wurden durch solche an neuer Position und daher weiter
von der Reuss entfernt ersetzt. Auf diesen stützte sich dann der
Betonträger ab. Geblieben waren nur die alten Widerlager, die auch jetzt
benötigt wurden.
Die
Brücke ist mit 77 Metern die höchste Eisenbahnbrücke der Schweizerischen
Bundesbahnen SBB und damit auch von der
Gotthardbahn. Wer
sich diese bekannte Intschireussbrücke einmal etwas
genauer ansehen will, kann das auch von Innen. Im
Träger verläuft ein Fusssteg. So kann man wie der Zug die Reuss trockenen
Fusses überqueren. Nur ein Hinweis muss noch sein. Dank dem Gittersteg
kann man die Reuss auch sehen.
Ein
elegantes Bauwerk, das sogar von Leuten zu Fuss be-nutzt werden kann.
Dabei ist der Steg vermutlich die grössere Herausforderung, als die Form
der Brücke, die wirklich keine Eleganz kennt und nur technisch ist. Nun wer sich in diesem Fall über den Betonklotz aufregte, der kann sich die zweite Spannbetonbrücke ersparen. Wir bleiben bei der Gotthardbahn und auch den Kanton Uri verlassen wir nicht.
Keine Angst, diesmal lassen wir die Reuss einmal sein und wenden uns einem
der Zuflüsse zu. Einer davon machte der Bahn Kopfschmerzen, seit die
Brücke eingebaut wor-den war. Es grenzt an ein Wunder, dass dort nicht
mehr passierte. Die Rohrbachbrücke: Der Rohrbach, oder genauer die in diesem Tal anrollende Lawine waren der Brücke nicht besonders gut gesonnen.
Alleine durch die Wucht der Staublawine wurde die ein-gebaute
Fachwerkstahlbrücke immer wieder verschoben. Damit keine Züge gefährdet
wurden, baute man eine Warnvorrichtung ein. So konnten die Fahrten noch
vor dem Eintreffen der Lawine ab den Brücken genommen werden.
Als
es darum ging die schwer beanspruchte und immer wieder beschädigte Brücke
zu ersetzt, musste eine Lösung für das Problem gefunden werden. Ein
Schutzdamm war nicht möglich und auch andere Massnahmen schieden schon
früh aus. Es musste eine Brücke gebaut werden, bei der die Züge auch
geschützt waren, wenn sie auf der Brücke waren und die Lawine eintraf. Das
ging nur, wenn der Zug in einem Tunnel unterwegs ist.
In
etwa das war die Vorgabe und wirklich umsetzen konnte man das nur mit
Spannbeton. Das Prädikat scheuss-lich wurde noch einmal gefordert, denn
eine so massive Röhre kann man nicht schön finden, egal mit was ge-baut
wird. Die Spannbetonbrücke über den Rohr-bach ist eine massive Konstruktion, bei der mit dem Zug in den Träger gefahren wird. Damit ist er auch geschützt, wenn die Lawine anrollt und er sich auf der Brücke befindet. Um die Kraft der Lawine aufzunehmen mussten spezielle Widerlager gebaut werden und auch das Bauwerk ist kräftiger als üblich.
Nur
ob das wirklich ausreichend be-messen ist, weiss niemand, denn die
Staublawinen sind gefürchtet.
Wir
haben also den Betonklotz in die Luft gehängt. Manchmal muss die schöne
Aussicht der Sicherheit weichen. Spannend dabei war, dass die
Schutzmassnahmen von früher, beibehalten wurden. Es war also immer noch
kein Zug auf der Brücke, wenn die Lawine anrollte. Ob so gesehen, dieser
monumentale Bau wirklich nötig war, darf bezweifelt werden. Anders
gesehen, hätten wir nun nicht erfahren, warum eine Betonröhre in der Luft
hängt.
Nun
in die Luft mussten auch die Züge im Raum Zürich. Genauer im
Hauptbahnhof.
Bedingt durch die Umstellung auf den Rechtsverkehr im Limmattal gab es bei
der Planung der
Durchmesserlinie ein Problem, denn irgendwie mussten die
Züge ohne einander zu behindern wieder auf die linke Seite kommen. Das
ging im
Kopfbahnhof
elegant, aber nicht beim nun geplanten
Durchgangsbahnhof. Das ging nur, wenn der
Vorbahnhof
gequert wird.
Das
machten bereits die Züge der Gegenrichtung. So entschied man sich eine
Brücke über den
Vorbahnhof
zu bauen. Klar war, dass es eine Spannbetonbrücke werden wird. Alles
an-dere war aber nicht so gut geplant. Speziell bei dieser Brücke ist, dass sie auf dem Niveau des Bahnhof beginnt, ansteigt und dann nach der Querung wieder auf die übliche Höhe absinkt. Wir haben daher eine Brücke, die sowohl mit Mauerwerk, als auch mit Spannbeton erstellt werden konnte.
Mit
dem Beginn auf der Seite Zürich musste eine steile Stei-gung verbaut
werden, damit man die über den
Bahnhof
füh-rende Strassenbrücke überspannen konnte.
Sie
haben richtig gelesen, es ging in die Höhe und das nicht zu wenig. Danach
wieder runter auf das normale Niveau. Als die Brücke fertig gebaut war,
stelle man fest, dass die Pläne nicht korrekt gelesen wurden. Wenn das
Gleis in der Mitte
liegt, ist der Platz zu dem Masten der
Fahrleitung zu
gering. Um das Bauwerk zu retten, verschob man das Gleis seitlich, was ein
Problem mit der Statik der Brücke gab. Seitlich haben wir also ein
Problem.
Nur
schon die Tatsache, dass hier eine gigantische Brücke erstellt werden
musste, lässt die Überlegung aufkommen, ob es nicht sinnvoller gewesen
wäre, den
Bahnhof
einfach in einem Tunnel zu unterqueren. Das wurde nicht umgesetzt und für
uns wird es aber Zeit, dass wir die Tunnel etwas genauer ansehen. Nach dem
Ausflug in die Lüfte, wird es Zeit, dass wir in dunklen Höhlen der
Eisenbahn eintauchen und auch diese kennen lernen.
|
|||||||||||
| Zurück | Navigation durch das Thema | Weiter | |||||||||
| Home | Depots im Wandel der Zeit | Die Gotthardbahn | |||||||||
| News | Fachbegriffe | Die Lötschbergbahn | |||||||||
| Übersicht der Signale | Links | Geschichte der Alpenbahnen | |||||||||
| Die Lokomotivführer | Lokführergeschichte | Kontakt | |||||||||
|
Copyright 2026 by Bruno Lämmli Lupfig: Alle Rechte vorbehalten |
|||||||||||