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Als die
Bergstrecke
über den Lötschberg eröffnet werden konnte, änderte sich im Kandertal
viel. Die
Schnellzüge,
die der missratenen Fb 2 x 2/3 gefehlt hatten, kamen nun. Diese wurden von
der neuen Baureihe Fb 5/7
übernommen. Die
Triebwagen
merkten davon nicht so viel, wie man meinen könnte. Um auf der Bergstrecke
zu verkehren, fehlte es eigentlich an
Leistung.
Wobei diese vorhanden war, nur
Zugkraft
zuschalten war kaum möglich.
Sollte der
Triebwagen
wirklich einmal die
Rampe
in Angriff nehmen, ging das nur, wenn er mit Schwung rein konnte. Danach
hiess es warten, bis der Stromwert an den
Fahrmotoren
so weit gesunken war, bis die nächste Stufe zugeschaltet werden konnte.
Wer zu optimistisch ans Werk ging, hatte sehr schnell verloren und durfte
das
Relais
zurückstellen. An planmässige Fahrten war so nicht zu denken, denn da
sollte schon etwas mehr kommen.
Unter diesen Vorzeichen mag es überraschen, aber die
Triebwagen
verkehren mit den
Regionalzügen
von Spiez kommend bis nach Kandersteg. Ausgeklügelte Ideen gab es schnell
und die klappten nur, wenn kein Wagen mitgeführt wurde. In dem Fall konnte
zwischen den Halten in der Steigung noch eine oder zwei Stufen mehr
eingestellt werden. So richtig schnell war es nicht, aber der
Motorwagen
arbeitete auch als Bummler.
Sie müssen wissen, dass
im
Regionalverkehr
der Transport von Gepäck immer erfolgte. Bei der Dampf-lokomotive nutzte
man dazu den
Schutzwagen. Bei der Reihe Ce 2/4 mussten die Kisten mangels eines
pas-senden Abteils auf den
Plattformen
gestapelt werden. Wer dabei nicht aufpasste, konnte beim unruhigen Lauf
des
Triebwagens
zusehen, wie das wertvolle Gepäck sich daran machte, die nahe Landschaft
zu erkunden.
Lange konnte das nicht
gut gehen. Jedoch gab es keine anderen Orte, wo die drei
Triebwagen
eingesetzt werden konnten. Eigentlich blieb nur noch die
Südrampe,
denn an anderen Orten gab es zu Beginn noch keine passenden
Fahrleitungen.
Beim Einsatz im Süden ergaben sich die gleichen Probleme. Wobei dort die
etwas flacher gestalteten Abschnitte einfacher befahren werden konnten.
Der Zuschaltwert war eher erreicht.
Jedoch ergab sich
schnell eine neue Möglichkeit, denn auch der letzte Teil der ehemaligen
Thunerseebahn TSB sollte mit einer
Fahrleitung
versehen werden. Mit anderen Worten auf dem Abschnitt von Spiez nach
Bönigen mussten
Triebwagen
gefunden werden. Auf der BLS konnten nahezu alle
Dampfmaschinen
aus dem Verkehr genommen werden. Die elektrischen
Lokomotiven
hatten hier den Kampf gewonnen.
Wichtig war das, weil
wegen dem Weltkrieg die Preise für die
Kohle
in die Höhe schoss. Trotzdem galt bei der BLS in diesen Jahren auch die
Regel, dass alles, was sich mit eigener Kraft fortbewegen konnte, auch
eingesetzt wurde. In erster Linie sollten aber die elektrischen Vertreter
genutzt werden. Zwischen Spiez und Bönigen tauchte so der erste
Motorwagen
der Baureihe Ce 2/4 auf. Niemand wusste, dass das dauerhaft sein sollte.
Mit der Erweiterung der
Fahrleitung
und der Bildung der
BLS-Gruppe
eröffneten sich viele Möglichkeiten. Nur, es fehlte an den passenden
Strecken, denn die
Nebenbahnen,
die nun auch mit Fahrleitung versehen waren, hatten keinen zu den
Achslasten
passenden
Oberbau.
Gerade das war ein grosses Problem der Reihe Ce 2/4, denn mit 16 Tonnen
auf den
Achsen,
musste man damals noch aufpassen, wo man fuhr.
Die Baureihe Ce 2/4
wurde damit aus dem Kandertal verdrängt. Als Alternative dazu gab es aber
für die Schwergewichte nur eine Strecke. Am Standort Spiez änderte sich
jedoch nichts, denn sie blieben treu. Ab Spiez führten die drei Triebwagen nun die Züge nach Bönigen. Natürlich waren das nur Regionalzüge, mehr konnte man dem kurz-atmigen Fahrzeug nicht zumuten. Auf der Magistrale ging nun die Post ab.
Während dem tuckerte
die erste Generation friedlich dem See entlang und längst ängstigten sich
nur noch allenfalls verirrte Touristen bei dem fürchterlichen Geräusch
nach brechendem
Holz.
Wer schon ein paar Fahrten hatte, kannte es.
Auch wenn der
aufkeimende Tourismus in der Region Interlaken viel Verkehr brachte, die
Motorwagen
waren in die hinterste Ecke des Netzes verbannt worden. Die empfindlichen
Touristen wurden auf die
Schnellzüge
verwiesen. So blieb der oft gut gefüllte Ce 2/4 der einheimischen
Bevölkerung vorbehalten. So konnte man die Modelle noch einsetzen, denn
das Problem war, dass die Gesellschaft aktuell unter einem Mangel an
Fahrzeugen litt.
Geblieben waren jedoch
die lästigen Beschwerden des Personals. Zwar waren die Steigungen nun
etwas moderater, aber auch so bemerkte man einfach keine Lust, die
Leistung
umzusetzen. Immer wieder wurde von zusätzlichen
Triebmotoren
gesprochen, aber in diese Richtung ging nicht so viel. Jedoch waren die
Fahrzeuge auch schon seit 15 Jahren im Einsatz. Die Fachleute sollten sich
das Problem mit den
Triebwagen
ansehen.
Diese ergab dann einen
Sprung bei der
Zugkraft,
der recht unan-genehm für die Fahrgäste war. Alles in allem resultierte
daraus eigentlich nur, dass der
Motorwagen
mehr Stufen benötigte. Dass die erst knapp 15 Jahre alten Rumpelkisten nicht schon durch bessere neue Fahrzeuge abgelöst wurden, verdanken sie eigentlich nur dem bernischen Dekret.
Dadurch wurden die Strecken der
BLS-Gruppe
so schnell elektri-fiziert, dass die BLS kaum genügend Zeit hatte, sich um
den Ersatz von vorhandenen Fahrzeugen zu bemühen. Erst nach Ab-schluss der
Elektrifikation auf der BN, kam die erhoffte Beruhig-ung.
Man erinnerte sich im Direktorium wieder an die Rumpelkiste, die
Ce 2/4 hiess. Immer Öfters musste die Aufforderung des
Bahnhofs,
doch schnell zu fahren verneint werden. Dazu wurde immer wieder zu den
Worten, «Ich würde gerne, wenn ich könnte» gegriffen. Wenn die
Betriebsführung noch Wagen mitgeben wollte, hörte man den Lokführer
stöhnen. An die Einhaltung des
Fahrplans
musste er nun nicht mehr denken.
Die Züge fuhren oft das, was sie konnten und nicht das, was sie
durften. Der Wert lag dabei natürlich immer unter den erlaubten Vorgaben
beim
Strom.
Daran fand die Betriebsführung keinen Gefallen. Wenn der wichtige
Schnellzug
bei einem Miststock warten musste, weil die lahme Kiste mit dem Gegenzug
sich wieder einmal die Landschaft ansah, statt flott zu fahren, war
niemand glücklich. Wie oft böse Worte verwendet wurde, ist nicht bekannt.
Sofern verfügbar, sollte eine der grossen Maschinen ran. Die
Baureihe
Fb 5/7 war jedoch sehr
gut ausgelastet, auch wenn es absehbar war, dass sie dank neuen Modellen
auch auf
Nebenstrecken
in Betrieb kamen. Nach Interlaken kamen sie bereits mit den
Schnellzügen.
Wenn es ging, wurde das
Stilllager genutzt und der lahme Ce 2/4 nur nach Bönigen und zurück
eingesetzt. Leider war das aber nicht oft der Fall.
Einen Verbündeten gab es aber für die gepeinigten Mitarbeiter. Die
Triebwagen
waren 1910 erbaut worden und doch schon recht ins Alter gekommen.
Besonders die nicht mehr so laut krachenden Balken waren ein Zeichen, dass
sie morsch waren. Mit anderen Worten, es musste endlich etwas passieren.
Die Hoffnung bestand darin, dass die ungeliebten Exoten endlich
abgebrochen werden würden. Dann ginge auch hier die Post ab.
Das Problem dabei war die weltweite Wirtschaftskrise. Diese sorgte
dafür, dass bei den Bahnen in der Schweiz die finanziellen Mittel fehlten.
Mit anderen Worten, die
BLS-Gruppe
konnte sich die erhofften neuen
Triebwagen
nicht leisten. Es gab sie zwar, aber bei der Anzahl mussten Abstriche
gemacht werden. Um den Verkehr zu bewältigen, mussten die alten Damen ans
Werk, auch wenn diese recht zickig sein konnten.
Statt Abbruch, wurde daher ein Umbau beschlossen. Die drei
Motorwagen
wurden in die Werkstatt gerufen. Dort sollte einer nach dem anderen
umgebaut werden. Das Programm sah Verbesserungen bei den Laufeigenschaften
vor und es sollte etwas mehr
Leistung
vorhanden sein. Zudem musste auch dafür gesorgt werden, dass es etwas
flotter zu Sache ging. Auch im Berner Oberland sollte man während der
Fahrt keine Blumen pflücken.
1935 wurde der erste umgebaut und dank dem neuen Anstrich war er
schnell zu kennen. Neu hörte das Fahrzeug auf den Namen Ce 4/4. Ob die
erhofften Erfolge jedoch eintreten würden, wusste man nicht. Daher musste
bei einer
Probefahrt
abgeklärt werden, ob es sich lohnen würde, die beiden anderen auch in
diesem Umfang zu verändern. Die Stunde der Wahrheit war gekommen und man
war voller Vorfreude.
Deutlich besser waren die Laufeigenschaften nicht. In den
Kurven
bockte er nicht mehr so stark und die Balken blieben ruhig. Lediglich das
kreischen der
Räder
war noch zu vernehmen. Ein Punkt, der zeigte, dass immer noch hohe Kräfte
wirkten. Das war auch nicht verwunderlich, denn bei diesem Teil wurde kaum
etwas verbessert. Man federte nur den Kasten zusätzlich ab, was
verhinderte, dass der Fahrgast etwas von den Schlägen spürte.
Viel besser war der Erfolg bei der
Zugkraft.
Dank den beiden zusätzlichen
Triebmotoren
konnten nun auch ein oder zwei Wagen mitgegeben werden. Dabei wurde auch
eine bessere Beschleunigung erreicht. Das war eine Folge der höheren
Zugkraft, aber auch der Tatsache, dann nun die nächste
Fahrstufe
eher zugeschaltet werden konnte. Zwar immer noch etwas bockig, aber
immerhin so flott unterwegs, dass der
Fahrplan
eingehalten wurde.
Auch wenn es mittlerweile Alternativen gegeben hätte, die drei
Motorwagen,
die nun als
Triebwagen
bezeichnet wurden, blieben treu. Mit anderen Worten, sie besorgten immer
noch den regulären
Regionalverkehr
zwischen Spiez und Bönigen. Ausgerechnet dort, wo die Touristen sich auf
so einen Zug verirren konnten, fand sich das schlechte Material. Auch wenn
die Modernisierung ein Erfolg war, gut waren die drei Kisten nicht.
Die Baureihe Ce 4/4 wurde so auf den Abschnitt zwischen Interlaken Ost und Bönigen verbannt.
Dorthin verirrte sich nun auch kein Tourist mehr, denn die wollten
in die Berge und da mussten sie auf die anderen Bahnen umsteigen. Die alten Rumpelkisten konnten sich einfach nicht mehr mit den neuen Triebwagen messen. In der hintersten Ecke des Berner Oberlandes, also im Hinterland von Interlaken, konnten sich die alten Motorwagen halten.
Immer mehr war aber zu hören, dass sie wohl die Totengräber für
die schlecht genutzte Strecke nach Bönigen fungierten. Alte Rumpelkisten
und ver-wöhnte Fahrgäste führt oft schnell zur Stilllegung der Strecke.
Trotzdem blieben sie noch rund 20 Jahre im Einsatz. Vermutlich
aber nur, weil sie gut vor der Direktion versteckt wurden. Auch die
verirrten sich nicht in den Teil der Welt. Der oft gehörte Todeskampf der
Strecke, war aber nicht mehr aufzuhalten. Es war zwar eine lange
Geschichte, aber die bösen Zungen, sollten in einem Punkt recht behalten,
die ehemaligen
Motorwagen
sollten dort ihr Ende finden. Mit der Strecke fragte man sich nur?
In den Jahren 1953 und 1954 kam dann das endgültige Aus für die
drei
Triebwagen
der ersten Stunde. Die Holzkasten waren nach all den Jahren marode
geworden und die Sitzbänke aus
Holz
waren nicht mehr zeitgemäss. Dabei war das Alter von 40 Jahren nicht sehr
hoch. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass in diesen Jahre grosse
Fortschrift beim Bau von leistungsfähigen
Motorwagen
erreicht wurden. Gerade die andere Baureihe
Ce 4/4 zeigte das gut.
Jedoch waren die drei
Motorwagen
dazu schlicht zu alt geworden, denn es fehlten schlicht die Seiten-türen,
die mittlerweile sogar als Risiko angesehen wurden. Es war unausweichlich. Es war zu viel, sie wurden ausrangiert und kurze Zeit später abgebrochen. Wobei der Abbruch über-raschenderweise in mehreren Schritten erfolgte. Zuerst
wurden die
Triebwagen
aller Teile beraubt, die man irgendwie noch gebrauchen konnte. Die alten
Fahrzeuge wurden dabei regelrecht ausgeschlachtet. Begehrt waren dabei nur
die elektrischen Bauteile, wie die
Transformatoren,
die in den neuen Triebwagen
BCFe
4/8 wieder verwendet wurden.
Genau diese neuen
Triebwagen
waren der Grund. Sie führten dazu, dass andere Modelle abgezogen werden
konnten. Wie schon früher übernahm nun ein Exemplar der Baureihe
CFe 2/6 den Verkehr auf dem
Bödeli. Eines war sicher, die uralten
Motorwagen
waren nicht die Totengräber. Diesen ungeliebten Job sollten die Nachfolger
übernehmen, denn so viel besser waren die nicht. Dort sass man noch enger
beisammen.
Die Überreste übergab man dann einem Abbruchunternehmer. Dieser
zündete den Kasten zuerst an, um das Metall vom Holz zu befreien und
verschrottete danach das Fahrzeug. Zwar war der Abbruch so nicht
umweltbewusst, aber für die Baureihe Ce 4/4 war es dennoch genug, sie
verschwanden in einem Schmelzofen und auch aus den Erinnerungen der Leute.
Die Rumpelkiste war weg und das war gut. Weg auch für alle Ewigkeit, denn
erhalten blieb logischerweise nichts.
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