|
Ae 4/8 11 300 |
|||||||||||
| Navigation durch das Thema | |||||||||||
|
Auch wenn man die
Lokomotive als
Prototyp für die umfangreichen
Baureihen
Ae 3/6 I und
Ae 4/7 ansehen könnte, stimmt das nicht. Die als Baureihe Ae
4/8 geführte Maschine war als
Versuchsträger entwickelt worden und sollte
die
Einzelachsantriebe bei höheren Geschwindigkeiten erproben. Damit wurde
eigentlich nicht auf einen späteren Einsatz geachtet, denn diese waren bei
solchen Modellen immer wieder recht selten.
Auch bei der Achsfolge erwar-teten die Staatsbahnen die glei-chen Werte.
Maximal durfte nur eine Achs-last von 20 Tonnen auf den
Triebachsen erreicht werden und das war durchaus ein gros-ses Problem, denn
die BBC kämpfte schon immer mit den
Achslasten der Strecken.
Da man bereits beim Bau erwartete, dass man mit der maximal zulässigen
Achslast von 20 Tonnen für die
Triebachsen Probleme bekommen könnte,
wurden gleich zu Beginn zwei zusätzliche
Laufachsen vorgesehen. Zudem
wurde mit der bisherigen Technik mit
Drehgestellen gearbeitet und das war
ein grosser Unterschied zu den umfangreichen Serien, die als
Rahmenlokomotiveb gebaut wurden. Doch nun zur
Achsfolge. Die Achsfolge wurde mit 1’B1’ + 1’B1’ angegeben. Die beiden Laufachsen, die mit einem Durchmesser von 950 mm versehen waren, sind jedoch unterschiedlich gelagert worden. Aussen kam eine übliche Bissellaufachse zur Anwendung. Innen wurde hingegen eine Adamsachse vorgesehen. Dort wurden die Drehgestelle auch mit einer Kurzkupplung verbunden. Der Kasten war damit nicht bei der Übertragung der Zugkraft beteiligt.
Aufgebaut wurde ein dreiteiliger Kasten. Die beiden Endteile mit dem vor
den
Führerständen vorhandenen
Vorbauten waren auf dem
Drehgestell gelagert
worden. Der innere Teil war jedoch als
Lokomotivbrücke ausgeführt worden.
Bei den Schnittstellen waren
Faltenbälge und klappbare
Übergangsbleche
verbaut worden. Es entstand so ein Kasten, der den Aufbau des
Laufwerkes
mit Drehgestellen gut tarnte.
Von den beiden benutzten Varianten war in jedem
Drehgestell nur eine
Lösung verbaut worden. Das bedeutete, dass die
Triebachsen eins und zwei
mit dem modifizierten
Tschanzantrieb versehen wur-den. Dieser erlaubt
Vereinfachungen bei den Ach-sen, die nicht mehr hohl sein mussten.
Bei den beiden hinteren
Triebachsen wurden hingegen
Antriebe von Buchli
verbaut. Im Gegensatz zur ersten Ausführung waren sie nur noch einseitig
montiert worden. Das ergab jedoch Probleme den Gewichten. Daher musste
eine ungleiche Montage vorgesehen werden. Damit war diese Maschine die
einzige mit
Buchliantrieb, die gerade auf dem
Gleis stand. Jedoch wurde
dadurch der
Maschinenraum zu einem Bergpfad mit tiefen Gräben.
Gerade der Umstand, dass hier zwei unterschiedliche
Antriebe verbaut
wurden, unterstreicht den Verwendungszweck deutlich. Die weiteren Bauteile
wurden jedoch aus dem normalen Bestand genommen, denn wirkliche Neuerungen
sollte es hier nicht geben. Daher verpasste man es hier, auch in anderen
Bereichen neue Lösungen umzusetzen. Gerade bei der elektrischen Ausrüstung
wären damals sicherlich andere Lösungen vorhanden gewesen.
Auf die Abbremsung der
Lokomotive wurde geachtet. Es war auch hier eine
übliche
Doppelbremse nach
Westinghouse verbaut worden. Diese teilte sich
in die Regulier- und die
Westinghousebremse auf. Das
Bremsgestänge wirkte
auf
Bremsklötze bei den
Triebachsen und auf die innen liegenden
Laufachsen. Nur die beiden
Bissellaufachsen waren ungebremst und das war
durchaus üblich. Mit sechs gebremsten
Achsen war eine gute
Bremskraft
vorhanden.
Das betraf den
Transformator
mit dem
Stufenschalter, Dieser wurde hier als
Flachbahnstufenschalter im mitt-leren Teil des Kastens und damit beim
Transformator aus-geführt. Neu waren nur die vier baugleichen Fahrmotoren, diese hatten eine höhere Leistung und erlaubten auch eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Mit der Lokomotive konnte eine Anfahrzugkraft von 18 600 kg erzeugt werden. Während der Dauer einer Stunde war noch ein Wert von 11 150 kg vorhanden.
Damit konnte die
Maschine das Programm der
Baureihe
Be 4/6 fahren, was von den
Staatsbahnen
auch so verlangt worden war. Auch wenn mehr Leistung vorhanden war, die Anhänge-last konnte nicht erhöht werden. Der Grund ist, dass diese Lokomotive mit einem Gewicht von 126.8 Tonnen sehr schwer war.
Daher
musste ein grosser Teil der
Zugkraft für das
eigene Gewicht aufgebracht werden. Das Problem waren die beiden
Adamsachsen, die den schweren
Transformator tragen mussten und die
natürlich auch ein Gewicht hatten, das gezogen werden musste.
Wenn wir schon bei den
Achslasten sind, sollten wir diese ansehen. Die
maximalen Werte wurden nicht erreicht und das konnte zu Problemen mit der
Ausnutzung der
Adhäsion
führen. Aus diesem Grund wurde die
Sandstreueinrichtung verbessert. Jede
Triebachse wurde von beiden Seiten
mit einem Sanderrohr versehen. So konnte reichlich
Quarzsand auf die
Schienen geworfen werden. Damals durchaus eine übliche Angelegenheit.
Dabei wurden die vier Fahrmotoren mit Wechsel-strom erregt und der Strom in den über den Füh-rerständen montierten Bremswiderständen in Wärme umgewandelt.
Die Maschine sollte so
auch
starke Gefälle befahren können, was bei einem
Versuchsträger durchaus
zu erwarten war, denn die fuhren ja überall. Auch diese elektrische Bremse unterstreicht, dass es sich nicht um einen Prototypen handeln kann, denn die Baureihe Ae 3/6 I hatte diese nicht und bei der Reihe Ae 4/7 wurde die Lösung der MFO verbaut.
Die
Lokomotive Ae
4/8, war näher mit der Reihe
Be 4/6 von 1919 verwandt, als man optisch
hätte meinen können. Der Kasten wirkte hier sehr verwirrend und daher kann
dieser
Versuchsträger ganz gut zu den Exoten gezählt werden.
Von den
Hilfsbetrieben mit 220
Volt wurden die beiden in den
Vorbauten
platzierten
Kompressoren versorgt. Daneben waren noch die
Ventilation, die
Heizungen der beiden
Führerstände und die
Umformergruppe zur Ladung der
auf dem Fahrzeug verbauten
Batterien vorhanden. Auch hier waren daher
keine Neuerungen umgesetzt worden und die
Versuchslokomotive sollte nur
der Erprobung der neuartigen
Antriebe auf eine
Achse dienen.
Zu einem Umbau kam es bei dieser
Lokomotive nie. Auch von den Massnahmen,
die alle Serien betrafen, konnte sich diese Maschine raushalten. So gab es
keine Verbesserungen bei den
Bremsen und auch andere Punkte wurden nicht
angepasst. Mitschuldig war dabei auch der Betriebseinsatz, der diese
Lokomotive erleben sollte, denn nur schon der erste
Versuchsträger zeigte,
dass es durchaus auch eine lange Karriere sein kann.
|
|||||||||||
|
Betriebseinsatz |
|||||||||||
|
Der
Versuchsträger im Auftrag der Schweizerischen Bundesbahnen SBB wurde
im März 1922 übergeben. Die mit der Bezeichnung Ae 4/8 versehene Maschine
trug damals die Betriebsnummer 11 000. Für die ersten Fahrten wurde die
Maschine geschleppt von Münchenstein nach Bern überführt und dem dortigen
Depot zugeteilt. Damals war Bern wirklich die Anlaufstelle für jede neue
elektrische
Lokomotive im Bestand der
Staatsbahnen.
Die Zeiten mit der Abarbeitung der Stromrechnung waren nun längst
vorbei. Hier konnte zudem die
Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ausgefahren
wer-den, denn das Aaretal war dazu zugelassen. Es war nur ein kurzer Einsatz, denn nur wenigen Wochen später wurde die Maschine für ausgedehnte Versuche abgezogen. Diese Versuchsfahrten brachten diesen Exoten nahezu überall hin.
Selbst der Gotthard wurde mit der Maschine befahren und das war
kein Problem, da ja eine
elektrische
Bremse eingebaut worden war. Es sollten aber die einzigen Einsätze der
Maschine auf dieser Strecke bleiben, denn sie war immer zu weit weg zu
Hause. Bei den Versuchsfahrten zeigte sich, dass die Antriebe für hohe Geschwindigkeiten geeignet waren. Das war beim Buchliantrieb besonders.
Als diese Maschine in Betrieb kam, absolvierten auch die ersten
Modelle der Reihe
Ae 3/6 I ihre Versuche und mit diesen wurde planmässig
mit 100 km/h gefahren. Später sollten sogar noch 110 km/h erreicht werden.
Der
Versuchsträger war in dem Punkt bereits überholt worden.
Es war auch klar, dass der
Tschanzantrieb nicht mehr weiter verfolgt
würde. Man hatte die Reihen Be 4/7 und
Ae 3/6 I mit anderen
Einzelachsantrieben. Nur war diese Lösung auch aus den
Kreisen der
Schweizerischen Bundesbahnen SBB entstanden und so wurde daran gebastelt
und verbessert. Das auch, wenn man wusste, dass es keine Zukunft geben
würde. Es ging ums Prinzip und nun hatte man die
Lokomotive und musste sie
einsetzen.
Das
Personal gab ihr schnell ein paar Namen. So benannte man die gelenkige
Lokomotive «Feldschlange» oder aber «Tatzelwurm». Der letzte Name war der
Phantasie ent-sprungen und kam auch bei anderen
Baureihen vor. Basel bildete einen Dienstplan für Ae 4/7 oder Ae 4/8. Dieser sah Schnellzüge von Basel nach Zürich vor und er-reichte im Tag 148 Kilometer. Das war nicht sehr viel, aber so richtig in die normalen Dienste sollte die komische Maschine nicht passen.
Sie war mit 90 km/h einfach zu langsam
unterwegs, denn mit der Reihe
Ae 4/7 konnte auch 100 gefahren werden. Mit
anderen Worten die Maschine hatte bereits einen gros-sen Fehler. Es änderte sich an diesem Dienstplan nicht viel. Lediglich im Jahre 1929 musste der Lokomotive eine neue Nummer verpasst werden.
Fortan sollte sie
auf 11 300 hören. Der Grund für diesen Wechsel war die Reihe
Ae 4/7. Diese
Baureihe war so umfangreich geworden, dass die bisherige Nummer 11 000 von
einer solchen Maschine beansprucht wurde. Es scheint, dass der
Versuchsträger auch in diesem Punkt nicht in den Park passen sollte.
Auch der eigene
Dienstplan wurde aufgegeben. Die
Lokomotive Ae 4/8 schwamm
nun in den Diensten der Reihe
Ae 4/7 mit. Dabei war aber die
Anhängelast
auf 90% zu verringern, da die
Zugkraft
nicht ausreichend war. Eine grossen
Herausforderung für die
Betriebsführung, denn oft wurde erst im letzten Moment
bekannt, dass der Exot an den Zug gespannt werden sollte. Dann wurde schon
fast panisch gerechnet oder auch nur grosszügig gerundet.
So wurden durchaus umfangreiche
Ausflüge unternommen. Neben Zürich, Bern und Luzern, kamen auch die Orte
Chur und erstmals auch Spiez in den Plan der Reihe Ae 4/8. Es war also
durchaus interessante Arbeit in diesen Jahren vorhanden. Mehr Mühe bekundeten die Lokführer mit der Maschine. Besonders dann, wenn die Seite mit dem Buchliantrieb vorne war. Bedingt durch den Führer-stand wähnte sich das Personal schnell auf einem Modell der Reihe Ae 4/7.
Daher
wurde frisch fröhlich zugeschaltet. Oft genug wurde der Fehler erst
be-merkt, als der
Registrierstreifen die 100 km/h notiert hatte. Bei der
Besprech-ung beim Chef, musste man sich dann die passende Ausrede einfallen
lassen. Solche Missgeschicke häuften sich und so wurde die Lokomotive zur Schonung des Tschanzantriebes aus diesem Dienst genommen. Die Ae 4/7, die nun ein-gesetzt wurde, durfte mit 100 km/h fahren.
Für die
Lokomotive Ae 4/8
blieben damit nur noch
Güterzüge übrig. Mit diesen wurde nach Bern und
Winterthur gefahren und so immer noch grosse Wege absolviert. Da die Wagen
oft gar nicht so schnell waren, blieb es unter 90 km/h.
1961 wurden beim
Tschanzantrieb die
Zahnräder gewechselt. Die alten waren
abgenutzt und nun gab es bereits neuere
Antriebe für einzelne
Achsen. Es
war aber auch die Zeit vor der Landesausstellung und da wurde alles
aufgepäppelt, das sich aus eigener Kraft bewegen konnte. So mancher Exot,
bekam so eine Gnadenfrist und dazu gehört auch diese Maschine, die längst
in Ungnade gefallen war, denn sie passte einfach nicht.
Eine eher geringfügige Reparatur, die
aber in der
Hauptwerkstätte behoben werden musste. Also wurde die defekte
Lokomotive zur Reparatur in die Hauptwerkstätte Zürich überstellt. Dort
hatte man alle Modelle mit
Buchliantrieb bekommen.
Wegen der damals guten Auslastung konnte die
Hauptwerkstätte die Reparatur
nicht aufnehmen. Daher wurde die Maschine auf einem
Gleis, das als
Parkplatz genutzt wurde abgestellt. Dort wartete sie auf die weitere
Zukunft. Diese war nun fraglich, da die Landesausstellung die Tore schloss
und nun auch aufgeräumt werden konnte und das war nun wirklich nicht gut,
auch wenn es nur ein geringer Schaden am
Stufenschalter war.
Die Generaldirektion löste das Versprechen ein und entlastete die
Hauptwerkstätte von den Exoten. Daher war die
Ausrangierung Tatsache
geworden. Man entnahm der Maschine noch die brauchbaren Teile und dann
wurde sie dem Schrotthändler übergeben. Der Einsatz der
Baureihe Ae 4/8
endete damit nach 42 Jahren mit der
Meldung von Überschlägen beim
Stufenschalter. Auch dieser Exot war damit für immer verschwunden.
Über den Sinn eines solchen
Versuchsträgers kann man sich streiten. In
Anbetracht, dass die
Prototypen der Reihe
Ae 3/6 I schneller waren, konnte
man den
Buchliantrieb dort testen. Schon bei der ersten Ausführung war
klar, dass sich der
Tschanzantrieb nicht durchsetzen konnte. Er hatte
einfach zu viele Teile erhalten und war zu kompliziert konstruiert worden.
Es war aber ein eigener
Antrieb und diese Fehler gesteht man sich nicht
gerne ein.
|
|||||||||||
| Letzte |
Navigation durch das Thema |
Nächste | |||||||||
| Home | SBB - Lokomotiven | BLS - Lokomotiven | Kontakt | ||||||||
|
Copyright 2026 by Bruno Lämmli Lupfig: Alle Rechte vorbehalten |
|||||||||||