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Be 4/6 12 301 |
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Mit der
Baureihe
Be 4/6 bekommen wir nun ein Dilemma. Das Modell der BBC war mit der
gleichen Bezeichnung versehen worden und auch die Nummer 12 301 half nicht
weiter, weil die Modelle aus Münchenstein angrenzende Nummern erhalten
haben. Damit war bereits bei Auslieferung klar zu erkennen, dass es von
diesem Modell der MFO keine Serie geben würde. Es wurde mehr oder weniger
einfach eine Verpflichtung erfüllt.
Der Kasten mit der markanten Lokomotivbrücke war nicht in die Kraftübertragung eingebun-den worden.
Die Seitenwände waren mit Schrauben befestigt worden und konnten
so leicht entfernt wer-den. Vor den beiden
Führerständen,
die sich nicht am Ende befanden, wurden
Vorbauten
montiert.
Diese
Vorbauten
mussten in der Mitte geteilt werden, weil die Schweizerischen Bundesbahnen
SBB einen Durchgang auf den Zug verlangten. Daher war auch das
Übergangsblech
vorhanden. Die
Lokomotive
erhielt ein komisches Gesicht und könnte eine nahe Verwandtschaft zur
Baureihe
Ce 6/8 I vermuten lassen. Jedoch
sind es zwei unterschiedliche Hersteller und daher kann dieser Punkt klar
ausgeschlossen werden. Das Laufwerk bestand aus zwei in einem Drehgestell montierten Triebachsen. Diese hatten einen Durchmesser von 1 350 mm erhalten und entsprachen so der Reihe Fb 3/5. Die Laufachsn mit dem üblichen Durchmesser von 950 mm wurden als normale Bissellaufachsen ausgeführt. Soweit gab es zu den anderen Baureihen von damals keinen grossen Unterschied und das galt auch für die Gleitlager, die damals üblich waren.
Jedes
Drehgestell
wurde von zwei
Fahrmotoren
angetrieben. Diese arbeiteten über ein gefedertes
Getriebe
auf die gemeinsame
Vorgelegewelle.
Diese befand sich mittig und so konnte das
Drehmoment
mit Schlitzkuppelstangen auf die
Achsen
übertragen werden. Die
Federung
wurde mit einem Gleitstein bei der Vorgelegewelle ausgeglichen. Eine
Ausführung, die später leicht verändert bei den Dekretsmühlen
Ce 4/6 für die
BLS-Gruppe
benutzt wurde.
Wie im Pflichtenheft gefordert, war zudem noch eine elektrische Nutz-strombremse vorhanden. Diese wurde aber kurz nach der Auslieferung wieder ausgebaut.
Nützlich erschien diese
Bremse
damals nur auf den steilen Abschnitten des Gotthards. Mit der elektrischen Bremse sind wir auch gleich bei der elektrischen Aus-rüstung gelandet.
Die
Spannung
aus der
Fahrleitung
wur-de mit zwei
Stromabnehmer
auf die Maschine übertragen und sie konnte mit einem
Ölhauptschalter
geschaltet werden. Im
Maschinenraum
wurde die
Hochspannung
schliesslich dem mittig montierten
Transformator
zugeführt. Dieser war im Gegensatz zur
Baureihe
Fb 3/5 mit einer Ölkühlung
versehen worden.
Wie bei allen für den Gotthard gebauten
Lokomotiven
war der
Transformator
auf der Primärseite umschaltbar. Damit konnte die Maschine auch mit der
halben
Spannung
betrieben werden. Auch das war eine Forderung des
Pflichtenheftes,
das bei dieser Maschine im Gegensatz zur kleineren Schwester der
Fb 3/5 eingehalten wurde.
Angewendet werden sollte diese Umschaltung jedoch nie, da die Lokomotive
nie planmässig am Gotthard verkehrte.
Um die
Spannung
zu regeln wurden zwei
Walzenschalter als
Stufenschalter
verbaut. Diese entsprachen den
Güterzugslokomotiven
Fc 2x 3/4 und er wurde auch
gleich bedient. Es wurde also auf eine geringe Anzahl Ersatzteile
geachtet. Die beiden vorhanden Walzenschalter konnte mit den elf
Anzapfungen
und Wechselschaltung insgesamt 23
Fahrstufen
erzeugen. Das entsprach auch den anderen
Lokomotiven,
die in Oerlikon gebaut wurden.
Im Vergleich zum Modell der BBC war nur der Wert für eine Stunde
etwas höher. Es waren daher gleichwertige
Lokomotiven
die einer
Leistungsklasse
zugeschlagen wer-den konnten. Jedoch waren das auch schon alle
gemein-samen Punkte zum Modell der BBC. Die Hilfsbetriebe wurden nun mit einer Spannung von 220 Volt betrieben. Dies war auch auf Wunsch der Schweizer-ischen Bundesbahnen SBB erfolgt, die in diesem Bereich eine einheitliche Spannung verlangt.
Davon sollte viele Jahre nicht mehr abgewichen werden. Sie sehen,
dass bereits früh Vereinheitlichungen eingeführt wurden. Auch das sollte
dabei helfen die Menge von Er-satzteilen überschaubar zu halten. An den Hilfsbetrieben waren zwei Kompressoren und drei Ventilatoren angeschlossen worden. Letztere dienten zur Kühlung der Fahrmotoren und des Transformators.
Dabei war für jedes
Drehgestell
ein eigener
Ventilator
verbaut worden. Neben der
Heizung
für die
Führerstände
war noch eine
Umformergruppe
zur Ladung der verbauten
Bleibatterien
vorhanden. Die
Spannung
der Steuerung entsprach der Reihe
Fb 3/5 und das war wichtig.
Auch hier war eine
Vielfachsteuerung
verbaut worden. Diese passte zur kleineren
Lokomotive
der
Baureihe
Fb 3/5. Zu einem Einsatz der
beiden Maschinen in der Vielfachsteuerung sollte es nie kommen. Es zeigte
aber, dass man sich bereits damals mit solchen Systemen versuchte. Bei den
Modellen der BBC wurde eine ähnliche Einrichtung sogar erprobt. Hier lag
auch der Grund warum die Reihe der kleineren Schwester entsprach. |
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Betriebseinsatz |
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In Betrieb kam die Maschine der
Baureihe
Fb 2x 2/3 mit der Nummer 11 301. Sie wurde vom Hersteller am 21. März 1919
den Schweizerischen Bundesbahnen SBB als erste Probelokomotive übergeben.
Noch wusste man nicht, dass die Maschine der MFO bessere
Laufeigenschaften
haben sollte. Die Reise ging vorerst ins
Depot
Bern, wo die
Fahrleitung
noch nicht fertig montiert worden war, denn auch da gab es noch
Verzögerungen.
Sie
machten in diesem Rahmen auch erste Fahrten. Die bestanden aus einem Zug
nach Thun und einen zurück nach Ostermundigen. Dabei wurde sowohl mit
einem
Güterzug,
als auch mit einem
Schnellzug
ge-fahren. Mehr war jedoch in den Dienstplänen nicht zu finden, denn die Lokomotive aus Oerlikon hatte sicherlich zu Beginn noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen.
Die
Walzenschalter musste eingestellt werden, denn nur dann konnte
auch wirklich gefahren werden. Die passende Einstellung zu finden, war
indes nicht so leicht, wie man meinen könnte. Das benötigte Zeit, in der
die Maschine im
Depot
stand und nicht auf der Strecke war. Auch so war sie nicht leicht zu bedienen und sie hatte ihre Macken. Im Laufe der Karriere sollte das deutlich zu erkennen sein.
Es war nur wenig Personal, das mit der
Baureihe
Be 4/6 der MFO zu arbeiten hatte. Gerade der Stufen-schalter mit der
Wechselschaltung verlange eine Präzise Schaltung der
Fahrstufen.
Wer dabei nicht aufpasste, konnte wieder von vorne beginnen. Die
Loko-motive verzeihte keine Fehler des Personals.
Später begannen dann die
Versuchsfahrten
zur Erprobung der
Nutzstrombremse
auf der Strecke der Lötschbergbahn. Diese erste Lösung nach
Behn-Eschenburg
konnte jedoch nicht überzeugen und daher sollte die
elektrische
Bremse auf diesem Modell wieder ausgebaut werden. Damit war
eigentlich schon klar, dass sich aus dieser Maschine keine
Lokomotive
für den Gotthard entwickeln konnte, denn diese nutzten die
Rekuperationsbremse.
Das war aber auch der Zeitpunkt, wo die planmässigen Fahrten mit
der Maschine beginnen sollten. Diese führten sie im Wechsel zu den anderen
Modellen immer wieder nach Spiez. Dabei sah das Programm damals noch
Reisezüge
vor, aber das sollte nicht lange so bleiben. Bereits jetzt in den Anfängen war klar, dass die elek-trischen Lokomotiven nicht mehr so starr auf die Zugarten aufgeteilt wurden. Auch Schnellzugslokomotiven sollten vor den Güterzügen auftauchen und umgekehrt.
Das war mitunter auch der Grund, warum auch die
Güter-zugslokomotiven eine
Zugsheizung
bekommen haben, auch wenn diese damals kaum genutzt wurde, denn die Wagen
waren noch nicht auf diese Lösung umgestellt worden. Nur wenige Wochen später hatte das erste Lokomotiv-personal des Depots Bern die Kundigkeit bis Brig erlangt. Damit kam die Maschine auf der Lötschbergstrecke vor Reise- und Güterzügen zum Einsatz.
Dabei musste die Maschine auch die Schulden abarbeiten, denn noch
wurde die
Fahrleitung
nach Bern von der BLS aus versorgt, denn nur so konnte schnell gestartet
werden und die eigenen
Kraftwerke
waren erst im Bau.
Der
Dienstplan umfasste sowohl Reise- als auch
Güterzüge.
Dabei wurden diese wenn sie für die Fb 2x 2/3 zu schwer waren in zwei
Teilen geführt. Die
Lokomotive
fuhr mit dem ersten Teil hoch, dann wieder runter um den zweite Teil zu
holen. Hilfe von einer Lokomotive der
BLS-Gruppe
war hingegen nicht zu erwarten. Die «Neue» musste alleine zu recht kommen
und das auch dem fremden Gelände der BLS und damit einer
Privatbahn.
Diese konnten noch nicht am Gotthard verkehren, da dort die
Fahrleitung
damals noch nicht in Betrieb genommen werden konnte. Daher halfen sie bei
der Abarbeitung der Schulden mit Fahrten nach Brig. Es ist wirklich so, dass mit der neuen Bezeichnung die Be 4/6 der MFO unmittelbar vor den Modellen der BBC zu finden war. Die sonst übliche Aufteilung mit den Nummern gab es ebenso wenig, wie den Index für die MFO.
Nur intern wurde immer wieder von der Be 4/6 II ge-sprochen, aber
offiziell war das nie der Fall gewesen. Wir haben daher Be 4/6, die in
Oerlikon und Münchenstein gebaut wurden und sonst nichts gemeinsam hatten. Als dann der grosse Auszug nach Erstfeld begann, blieb die Be 4/6 der MFO zurück. Als Einzelgänger hatte sie am Gotthard nichts verloren.
Auch wenn die Maschine nie planmässig auf der Para-destrecke
verkehrte, der Besuch des Tessins war immer wieder der Fall. Das, weil die
Hauptwerkstätte
Bellinzona zu Beginn die einzige für die elektrischen
Lokomotiven
war. Daher musste man dort sich auch diesem Miststück annehmen.
Sie haben richtig gelesen, die
Lokomotive
der MFO wurde immer wieder als Miststück bezeichnet. Wie es die Berner
Lokführer immer wieder ausdrückten, la Madame hat einfach ihre Macken.
Knallte es, ging es geschleppt nach Bellinzona und danach wieder
hergestellt zurück nach Bern. Auch das erfolgte geschleppt. Das war
wichtig, da die Lokführer der
Depots
am Gotthard nicht über die Eigenheiten unterrichtet wurden.
Im Gegensatz zum Modell der BBC das bockte und um sich schlug. So
kam das braune Ungetüm der BBC auch zum Namen «Rehbock». Die Maschine der
MFO wurde dabei mit keinem Namen bedacht, was speziell war. Ab 1921 beschränkten sich die Fahrten auf die Strecke zwischen Bern und Thun. Die Fahrleitung konnte nun ab dem neuen Kraftwerk in Amsteg versorgt werden und daher waren die Schulden beglichen.
In Thun wurde daher umgespannt und das auch, wenn es nur bis
Interlaken ging, denn per bernischem Dekret konnte dort die
Fahrleitung
in Betrieb genommen werden. Es ging nun schnell und das nicht nur bei der
BLS-Gruppe. Immer mehr neue Strecken wurden mit Fahrleitungen versehen und die Industrie vermochte kaum genug Loko-motiven zu liefern.
Daher wurde eingesetzt, was gerade im
Depot
stand und dazu gehörte die Be 4/6, die eigentlich mit der
Vielfach-steuerung zusammen mit der
Be 3/5 arbeiten sollte. Das
ging jedoch nicht, weil die beiden Maschinen kaum je nahe genug waren,
dass jemand auf die Idee hätte kommen können etwas zu versuchen.
Mit den neuen
Fahrleitungen
erweiterte sich das Einsatzgebiet. Die
Lokomotive
gelangte nun nach Basel und Biel/Bienne. Dabei wurde das
Titularsystem
für das
Lokomotivpersonal
von Bern beibehalten. Sie hatten die Erfahrung, dass mit dem Ding aus
Oerlikon auch gefahren werden konnte, denn die elektrische Ausrüstung war
nicht leicht zu bedienen. Ein Fehler und der
Heizer
musste den
Stufenschalter
wieder aktivieren.
Für die
Reisezüge
wie ursprünglich geplant, war sie schlicht zu langsam. Hier kamen die
neuen Modelle der Reihe Ae 3/6 I,
die mit bis zu 100 km/h schnell waren. Das Einzelstück konnte sich so noch
ein paar Jahre im
Depot
Bern halten.
Es war wirklich eine überraschend ruhige Karriere, die diese
Lokomotive
begann. An den
Dienstplänen ändert sich in den folgenden Jahren nichts und
auch die grosse Veränderung fand statt und dann hatte sich die Maschine
eingenistet. Es gab nichts mehr zu ändern. Sie war wirklich zu speziell,
als dass man sie auf einer Tournee durch die Schweiz hätte schicken
können. Die Ausflüge dieser Jahre konnten sich jedoch sehen lassen.
1937 kam schliesslich die Versetzung. Die Maschine musste die
Koffer packen und wurde ins
Depot
Lausanne überstellt. Dort blieb sie jedoch nicht lange, denn sie kam
postwendend in den
Rangierbahnhof
von Renens. Dort sollte sie in Zukunft als
Verschublokomotive
beim zerlegen der Züge helfen. Ein Einsatz, der ihr bleiben sollte, denn
auf der Strecke war die Maschine der MFO kam mehr einsetzbar, sie war zu
langsam.
Um die
Lokomotive
nicht bei kleinen Blessuren gleich durch die ganze Schweiz zu schleppen,
wurden ab dem Jahr 1949 kleinere Reparaturen in der
Hauptwerkstätte
Yverdon vorgenommen. Die Zuteilung nach Bellinzona blieb und so musste sie
für die
Revisionen
die weite Reise ins Tessin antreten, dort wo seinerzeit der Einsatz mit
der
Baureihe
Be 3/5 zusammen geplant
gewesen war. In eigener Kraft kam sie aber immer noch nicht über den
Gotthard.
Das
Lokomotivpersonal,
das sich an die bockige Loko-motive gewöhnt hatte, konnte damit wirklich
lange Zeit ohne Störungen arbeiten. Neulinge hatten nichts verloren, denn
«Doryphore» war bockig. Den Kartoffelkäfer hatte sie der neuen grünen
Farbe zu verdanken. Am 01. Januar 1962 wurden die Hauptwerkstätten neu verteilt. Für die Lokomotive der MFO hiess das, dass sie endgültig nach Yverdon musste. Dort war man ab dem Neuzugang gar nicht erfreut. Man
hätte sich ein Abbruch gewünscht. Sie sehen, Exoten hatten es wirklich
nicht leicht und auch hier sollte die Ma-schine lange durchhalten können.
Niemand konnte ahnen, dass die Gebete der
Hauptwerkstätte
erhört wurden. Der 07. März 1963 sollte nicht gut enden. Im Bahnhof Renens kam es zu einem schweren Kurzschluss. Als Folge davon explodierte der Transformator in der Be 4/6.
Das fein verteilte
Transformatoröl
geriet durch einen Fun-ken in Brand. Als die herbeigerufene Feuerwehr
eintraf, stand die
Lokomotive
in Vollbrand und die Löscharbeiten konnten auch nicht mehr verhindern, was
die meisten Feuer ohne Probleme schafften.
Nach der Ankunft der Trümmer in der
Hauptwerkstätte
Yverdon war klar, es gab kaum mehr etwas zu retten. Daher wurde auf den
30. April 1963 und nach einem Einsatz von 44 Jahren die
Ausrangierung
verfügt. Die Trümmer wurden zur obligaten Ausschlachtung nach Bellinzona
überführt und dort letztlich auch abgebrochen. Damit war dieser Exot
verschwunden und damit auch ein erfolgloser
Prototyp
für den Gotthard.
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