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Bei den vier Einheiten der
Baureihe RABDe 8/16 ging nun wirklich
alles schief, was auch nur schief gehen konnte. Wenn so etwas passiert,
sucht man automatisch nach dem Schuldigen. Wer hat nicht korrekt
gearbeitet und wo war die Kontrolle? Das auch deshalb, weil der Besteller
im ganzen Prozess eingebunden worden war. Es wurde eine Zusammenarbeit
angestrebt und dann ging es mächtig schief und damit kommen die Fragen.
Ergänzt mit fehlendem Mut für eine wirklich grosse
Entwicklung, konnte aus den vier
Prototypen nicht das entstehen, was man
sich erhofft hatte. Selbst diesen Zweck konnten sie nicht erfüllen und da
war der Besteller nicht so unschuldig, wie man meinen könnte.
Die Zeit der
Triebzüge war noch nicht gekommen und das obwohl sie
gut waren. Ein Satz, den man immer wieder hört. Triebzüge waren auch damals
gut und deren grossem Problem wollte man hier sogar begegnen. Die
Einheiten sollten in einem kleinen Rahmen in der Länge angepasst werden.
Das ist heute üblich, aber das wird nicht mehr in den
Depots gemacht,
sondern im Werk. Möglich machte das der Bausatz der modernen Einheiten.
Die Vorzeichen waren nicht schlecht, aber leider auch nicht
optimal. Der Besteller will vier Einheiten, die er als
Prototypen
bezeichnet. Gute Idee, aber warum baut man dann vier identische
Triebzüge?
Bei Prototypen erwarten wir neue Ideen und vergleichende Modelle. So kann
man herausfinden, was besser ist und was nicht weiter verfolgt wird.
Schritte die bereits im Werk vorgenommen werden mussten und das machte
niemand.
Wirklich Misslungen war der mechanische Teil. Die elektrische Ausrüstung
der Einheiten war sicherlich nicht der letzte Schrei, aber es war solide
Technik. Hätte man nicht etwas mehr erwarten können? Die Industrie war
damals kurz vor dem Start mit statischem
Umrichter und
Drehstrommotoren.
Hier fehlten diese Schritte und das bei
Prototypen. Wenn wir die Suche
nach der Ursache beginnen wollen, müssen wir überall ansetzen.
Neue
Schnellzüge
mit
Neigetechnik und
auto-matischen Kupplungen sollten schneller ans Ziel kommen. Mit der
LZB
sollte die
Zugsicherung neu aufgestellt werden. So blieb noch der
Nahverkehr und da sollten leicht gebaute und billige
Triebzüge kommen.
Wirklich durchgezogen hatte man von diesen Ideen schlicht nichts.
Die
Einheitswagen III erinnerten mit dem Kasten an die Idee mit der
Neigetechnik und die
Triebzüge RABDe 8/16 an die Idee im
Nahverkehr. Bei
beiden Modellen war nicht alles durchdacht gewesen und aus dem innovativen
Swissexpress wurde ein normaler
Schnellzug. Der neue Triebzug für den
Nahverkehr schied eigentlich schon aus, als er gebaut wurde. Umgesetzt
wurden die damaligen Ideen nur halbherzig und hier sollte sich das rächen.
Das war nicht nur fahrlässig, denn der Vorsatz war gegeben und der Kunde um ein gutes Modell gebracht worden. Man müsste hier bereits von kriminellen Handlungen sprechen. Es war klar, dass die Berechnungen nicht stimmten.
Ein Kasten der sich
verbog, wenn nur schon die
Batterien eingebaut werden, ist nicht für den
modernen Verkehr geeignet. Alles andere als ein Baustopp ist grob
fahrlässig. Damals konnte niemand wissen, ob der Kasten nicht einknicken
würde, wenn er wirklich sehr gut besetzt war. Wirklich kein Fahrzeug das
man in den Betrieb nehmen sollte, denn das kann nicht gut gehen. Die verbauten Aussenschwingtüren benötigen eine stabile Konstruktion. Ist das nicht der Fall, dann stimmen die Toleranzen nicht mehr. Schloss sich die Türe passte sie nicht mehr in die Lücke und schloss nicht richtig.
Die
Fahrsperre sorgte immerhin dafür, dass so nicht losgefahren wurde. Sie
wurden zum Sündenbock für einen Fehler an anderer Stelle. Der Kasten
machte nicht mit und das wusste man bereits im Werk, verbessert wurde aber
nicht.
Heute sind extrem leichte
Triebzüge mit Kasten aus Aluminium kein Problem
mehr. Dabei wurde aber der Aufbau grundlegend geändert. Statt den beim
Triebzug RABDe 8/16 verbauten Bleche, kommen heute spezielle Profile zum
Einbau. Diese besitzen eine wabenförmige Struktur und dadurch sind sie bei
sehr geringem Gewicht deutlich tragfähiger, als das 1976 der Fall war.
Zudem werden die Kasten vor dem Weiterbau geprüft.
Bei der
Baureihe RABDe 8/16 wurde das Unterlassen. Ob die Angst vor dem
drohenden Misserfolg so gross war? Ich denke nicht. Vielmehr ging man beim
Hersteller davon aus, dass es kein Problem ist, wenn der Kasten sich
durchbog wie eine Banane. Das war so schlimm, dass es erkannt werden
konnte. Nicht nur vom Personal, sondern auch von den Reisenden. So ein
Fahrzeug hätte gar nicht in Betrieb genommen werden dürfen.
Wie leicht man damals war, zeigt nur ein Vergleich. Ich benutze dazu die
Triebzüge der
Baureihe
RABe 523, die bei einer Länge von 75 Meter ein
Leergewicht von 122 Tonnen haben. Die Modelle der Reihe RABDe 8/16
schafften es auf 149 Tonnen und das bei einer Länge von 100 Meter. Um
einen Wagen gekürzt blieben nur noch 124 Tonnen. Das bei doppelt so vielen
Triebachsen. Mechanisch ist man heute schwerer unterwegs.
Das stellten die Hersteller bei der
Baureihe RABDe 8/16 schon beim Bau fest. Statt die Produktion zu stoppen,
wurden die Züge weiter gebaut und das grenzt schon fast an Betrug, denn
der Kunde erwartet ein korrekt gebautes Fahrzeug. Da dieser hier sogar noch involviert war, ist das kaum zu verstehen. Jedoch waren die Verbiegungen nicht so gross, dass sie gefährlich waren und daher wurden sie in Kauf genommen.
Dabei traten nicht die erwarteten
gesprungen Fenster auf, sondern bei den Türen stimmten die Spaltmasse
nicht mehr und damit schlossen sie nicht. Sie waren zu allem Elend noch an
der falschen Stelle eingebaut worden, denn dort wirkten die Kräfte.
Bei einer Anordnung der
Einstiegstüren über den
Drehgestellen wären diese
nicht dort gewesen, wo sich der Kasten stauchte, weil er in der Mitte nach
unten gezogen wurde. Selbst die
Einheitswagen mit Kasten aus Stahl
profitierten von der Position und konnten daher leicht gebaut werden. Der
Wagen aus Stahl war nur gerade vier bis fünf Tonnen schwerer. Auch sie
senkten sich in der Mitte etwas, aber nicht so viel wie bei der Reihe
RABDe 8/16.
Es waren schwere konstruktive Mängel vorhanden, die bereits beim Bau
bekannt waren und die nicht behoben wurden. Wie man sich bei der Industrie
den Betrieb mit solchen Fahrzeugen vorstellte, ist nicht bekannt. Es waren
ja
Prototypen und die hatten noch nie ein langes Leben. Nur waren es
wirklich solche, oder nicht eher eine kleine Serie? Eine Frage, die noch
nicht beantwortet werden kann, denn es gab noch den Elektriker.
Der Aufbau mit
Stromrichter und Motoren
für Wellen-strom war sicherlich modern, aber leider auch nicht auf dem
neusten Stand der Technik. Wenn man sich die Mühe macht, vier
Prototypen
zu bauen, dann nutzt man diese auch für neue Erfahrungen mit anderen
Techniken. Antriebe mit Drehstrom waren damals auf dem Markt bereits vorhanden und hier hätten diese wirklich modern gewirkt. Die Versuchslokomotive Be 4/4 musste wegen dem Alter aufgegeben werden.
Als die
Triebzüge gebaut
wurden, baute man auch die schweren
Verschublokomotiven der
Baureihe
Am
6/6, die über einen wirklich modernen Aufbau verfügte. Die Triebzüge der
Baureihe RABDe 8/16 waren nach dem Stand der Technik. An das Problem mit Nutzstrombremsen bei Stromrich-tern wagte man sich gar nicht. Es klappte nicht, also strecke man die Beine und baute die einfache Lösung mit Widerstände ein.
Wobei hier die Schuld nur dem Hersteller in
die Schuhe zu schieben wäre falsch, auch bei den Bahnen fehlte der letzte
Mut für neue Lösungen. Besonders konservativ waren dabei die
Schweizerischen Bundesbahnen SBB, die sich neue Lösungen leisten konnte.
Wie wenige Innovation damals bei den Bahnen in der Schweiz vorhanden war,
zeigen die
Triebwagen der
Baureihe
RBDe 4/4. Diese nutzten die gleiche
Technik. Während man bei den Versionen für die
Privatbahnen noch mit
Widerstandsbremse arbeitete, war man bei den Modellen der Schweizerischen
Bundesbahnen SBB mit einer wirksamen
Nutzstrombremse am Start. Wirklich
moderne Technik und das auch bei der
Lokomotive
Re 4/4 IV?
Die einfachen
Stromrichter wirkten sicherlich modern, wenn
es auch nicht der letzte Schrei war. Bei Proto-typen hätte man wirklich
etwas mehr wagen können und das wurde verpasst.
Mit nur ein paar Tonnen mehr Material und einem voll-wertigen
Umrichter
wäre ein
Triebzug entstanden, der sich hätte durchsetzen können. Nicht
alle Ideen waren falsch. Es gab sogar Ansätze die selbst heute noch nicht
erreicht wurden und das war die Anpassung der Länge in einem
Depot. Mit
Ausreihen des B-Wagen, wäre ein 75 Meter langer Zug entstanden, der dann
mit anderen Einheiten erweitert werden sollte.
Das war wirklich ein guter Ansatz, den man hatte, ihn aber gar nicht
nutzte. Die vier
Prototypen wurden gleich gebaut und nicht bei einem auf
den Zwischenwagen verzichtet. Auch hier muss eher von einer kleinen Serie
gesprochen werden, denn bei Prototypen experimentiert man und das auch mit
den eigenen Ideen, die wirklich nicht nur schlecht waren. Wagen rein und
raus, wie man es gerade will, das muss man prüfen.
Ob die Lösung bis zur Vermietung an die MThB überhaupt geprüft wurde ist
nicht so klar. Warum sieht der Besteller etwas vor und nutzte es dann
nicht bei der Erprobung? So kann man bekanntlich nur sehr schwer
Erfahrungen sammeln und dazu waren eigentlich
Prototypen vorgesehen.
Selbst die Schweizerischen Bundesbahnen SBB hatten gezeigt, dass man so
arbeiten konnte und das war gar noch nicht so lang her, wie man meinen
könnte.
Ohne diese
vier
Prototypen hätte es womöglich nur Maschinen mit geteiltem Kasten
gegeben. Es kam anders, weil man Ver-gleiche anstellen konnte und so den
Weg zur endgültigen Lösung mit der
Federung fand.
Nur wenige Jahre später verpasste man das beim
Triebzug für die Zukunft.
Wo war nun der Mut, wenn man schon intensiv erproben wollte. Mit vier
gleichen Zügen braucht man auch nicht so viele Versuche anzustellen. Wenn
aber neue Techniken eingebaut werden, dann hat man die Möglichkeit. Das
heisst noch lange nicht, dass auch das Neuste beschafft werden muss.
Technik, die sich nicht bewährt, lässt man einfach sein.
Nicht als Fehler ansehen muss man die fehlende Kombination zur
Baureihe
RABDe 12/12. Diese war nicht notwendig, denn es war ja eine Serie geplant
und dann wäre das betriebliche Problem nicht entstanden. Die Einheiten
wären überall verteilt gewesen und in den
Depot oft sogar noch einzelne
Wagen, die man jedoch nicht nutzen konnte. Es kam aber anders und das erst
noch als man denkt, denn es ging an den Betrieb.
Da es nur bei vier
Prototypen, oder besser einer kleinen Serie blieb,
entstanden diese Probleme. Vier Exoten im Bestand, die nicht
funktionierten und schon nervt sich das Personal. Man kann daher von einem
Wunder sprechen, dass sie nicht noch früher verschwanden. Sie konnten sich
nicht als Prototypen in Szene setzen und als kleine Serie passten sich
schon gar nicht in den Bestand einer grossen
Staatsbahn, die umfangreiche
Serien hatte.
Weiter
verfolgt wurde das von den Schweizerischen Bun-desbahnen SBB jedoch nicht
mehr. Der eingezogene Kasten erinnerte bis zum Schluss daran, dass man
wirklich schneller werden wollte und das ohne neue Strecken. Auch bei der LZB war man gut am Start. Umgesetzt wurde sie nicht mehr. Angeblich zu teuer und das Kabel ging gar nicht.
Wirklich durchsetzen
wolle sich niemand. Hätte man damals die
LZB weiter verfolgt, hätte man
nicht mehr viel Geld in ein neues Signalsystem und in die neue
Zugbeeinflussung stecken müssen. Selbst
ETCS
mit den
Level 1 LS
und
Level 2 gäbe es vermutlich nicht. Man
baute, prüfte und legte dann die Sachen in die unterste Schublade.
Die ersten leichten
Triebzüge für den
Nahverkehr gingen schief, also baute
man wieder extrem schwere
Triebwagen. Mit etwas mehr Mut, sähe es in der
Schweiz heute anders aus. Es gäbe keinen NPZ, die Züge verkehren mit
LZB
und der schnelle
Swissexpress neigt sich in die
Kurven. So aber kam es
anders und damit verschwanden die Triebzüge RABDe 8/16 so schnell, wie die
LZB und die
Lokomotive
Re 4/4 IV.
Das letzte Wort in Sachen Leichtbau ist sicherlich noch nicht gesprochen.
Es geht immer etwas. Um noch leichter zu werden, muss man sich vom Metall
verabschieden und der Wagenkasten aus Verbundwerkstoffen aufbauen. Jedoch
will man heute auch nicht mehr leichter werden, denn man benötigt ein
bestimmtes Gewicht um die
Leistung auf die
Schienen zu bringen. Dieser
Ansatz klappte bei der
Baureihe RABDe 8/16 sogar sehr gut.
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