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Betriebseinsatz |
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Eigentlich ist der Teil mit dem Betriebseinsatz schnell erledigt.
Sie kamen, wurden einer Strecke zugeteilt, bockten und verschwanden dann
wieder. So richtig bekannt werden sollten diese vier
Triebzüge
jedoch nicht. Dabei stimmten die Versuche noch optimistisch und der
Betrieb begann mit den Lokführern der
Depots
Zürich und Rapperswil. Mit den
Fahrplanwechsel
im Herbst 1976 sollte es losgehen und damit kam die Bewährungsprobe.
Das auch, weil sich dort viele reiche Leute ange-siedelt haben und
gerade diese sollten mit den neu-en Modellen auf dem Weg zur Arbeit in
Kontakt kommen. Es bedeutete auch, dass als eine Art S-Bahn gefahren
wurde. In diesem Zusammenhang sprach man auch von einem gelenkten Betrieb. Bei neuen Fahrzeugen durchaus üblich, denn so musste nicht zu viel Per-sonal geschult werden.
Speziell an diesem Einsatz war, dass die vier Ein-heiten kaum je
aus diesem Einsatz kommen sollten. Es waren schlicht zu viele Mängel beim
Bau igno-riert worden. Wer es richten konnte, war gut be-raten auf den
nächsten Zug zu warten, denn das war sicherer.
Bei der Wahl der Strecke sollten aber auch weitere Versuche
ausgeführt werden. Ein direkter Vergleich mit den dort eingesetzten
Modellen der
Baureihe
RABDe 12/12 war möglich.
Wirklich grosse Freude an den neuen
Triebwagen
hatte eigentlich nur die Netzleitung, die für die Lieferung der
erforderlichen Energie verantwortlich war. Noch konnten die
Triebzüge
von der frisch riechenden Farbe profitieren. Was nicht klappte, war eine
Kinderkrankheit.
Mit den vier Einheiten konnten nicht alle
Verbindungen
abgedeckt werden. Besonders in den Stosszeiten mussten Züge der
Baureihe
RABDe 12/12
benutzt werden. Es zeigte sich nach wenigen Wochen, dass es betrieblich
sinnvoll gewesen wäre, die beiden Baureihen hätte man kombinieren können.
So musste die
Betriebsführung
immer wieder nach dem passenden zweiten
Triebzug
suchen und das war nicht immer leicht.
So konnte man keinen vernünftigen Betrieb aufziehen und das war
das grosse Problem beim Anfang. Wobei die neuen Türen wirklich von der
ersten Sekunde her bockten. Warum das so war, wusste man noch nicht, aber
dem Ruf schadete es. Es sollte nicht lange ruhig bleiben. Neben den üblichen Kinder-krankheiten war der Triebzug pannenanfällig. Bei einem neu-en Modell war man noch nachsichtig, aber es war offensicht-lich, ein gutes Fahrzeug sah anders aus.
Diese Farben betörten längst nicht alle Leute, die einfach zu sehr
an diese Früchte in den neuen Supermärkten der Detail-händler erinnerte.
Bananen konnte man noch nicht lange kau-fen und dann kam der Zug. Als dann der Kasten sich noch verbog, war die Chiquita perfekt und das längst nicht nur beim Personal, das den vier Einheiten durchaus andere nicht so schmeichelhafte Namen gab.
Besonders wenn es zu Stosszeiten auf die Reise ging, konnte das
Personal bei einer stillen Andacht beobachtet werden. Oft war bereits vor
der Fahrt klar, dass es nicht lange gut gehen wird, denn mit den
Fahrgästen kamen die Probleme mit dem
Triebzug.
War eine gute Belegung vorhanden, bogen sich die Kästen durch.
Während die Kinder auf den Boden mit Murmeln ihren Spass hatten, kamen
beim Personal immer mehr Sorgenfalten ins Gesicht. Die kleine Familie, die
mit Sack und Pack in den
Triebzug
stieg, brachte das Fass zum überlaufen. Der Kasten verbog sich ächzend,
wie ein Kutter auf hoher See und bei der Türschliessung kann dann die
Ernüchterung, denn die rote Lampe löschte nicht.
Nun
gab es eine Türe mehr, die nicht mehr wollte. Damit man fahren konnte,
wurden gestörte Türen vom
Zugpersonal
verschlossen. Die Anzahl der funktionierender
Einstiegstüren
sank daher mit zuneh-mender Belegung. Nur was war passiert? Durch die Belastung des zu schwach gebauten Kastens verbog sich der Kasten der Chiquita und wurde zur Banane. Bei den Einstiegstüren hatte das nun aber zur Folge, dass sich auch die Spaltmasse veränderten. Dadurch war es der Steuerung nicht mehr möglich die Endlage zu erreichen. Es klemmte und damit blieb die Fahrsperre aktiv. Erst wenn diese in der Endlage war, konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Mit aller Kraft drückte das Personal die Türe in den Endanschlag und das ging oft noch gut, dann aber musste die Einstiegstüre abgesperrt werden.
Besonders dann, wenn sich das Problem bei jedem Halt wiederholte.
Auf die grossen Auswirkungen der Belegung war man nicht gekommen, da sich
diese ja bei jedem Halt in jedem Wagen änderte. Es war immer eine Türe die
spukte und das auch nur, wenn sie geöffnet wurde und jemand zustieg. Wie in diesem Fall üblich, wurde eine Anzeige zur Reparatur erstellt. Der Triebzug wurde dem Unter-halt zugestellt und dort nahm man sich dem Problem an. Dabei war vorgesehen, dass zuerst die Störung erneut geprüft wird.
In dem Fall funktionierten die Türen wieder einwandfrei. In den
Unterlagen wurde dann vermerkt, dass die Kontrolle keine negativen Effekte
an den Tag legt. Kurz, es wurde kontrolliert und i.O. vermerkt.
Draussen kämpfte dann das Personal des Zuges wieder mit dem
gleichen Problem. Das Spiel ging von vorne los und zwischen dem Personal
und der Werkstätte hing der Haussegen schief. Wie oft da Beleidigungen
ausgesprochen wurde, ist natürlich nicht überliefert worden. Auf jedem
Fall gab es böses Blut und das nicht nur in diesem Bereich, denn auch die
Betriebsführung
war ab den anfälligen
Triebzügen
gar nicht sonderlich erfreut.
Auch wenn mit zunehmender Erfahrung das Pro-blem immer schneller
gelöst werden konnte, der
Fahrplan
litt darunter.
Verspätungen
waren die Folge und das war an der Goldküste nicht gut. Auch an anderen
Orten ärgerte sich die Kundschaft, hier konnte diese aber ihre Macht
ausüben.
Es kam, wie es kommen musste. Zu den Stosszeiten, wo jeder Wagen
benötigt wurde, liess man die vier Einheiten einfach stehen. Sollten zwei
oder gar drei Züge auf der Strecke eingesetzt werden, änderte sich
eigentlich nur ein Punkt, es waren dreimal so viele Türen vorhanden. Damit
der
Fahrplan
stabil blieb, wagte man sich damit nicht mehr auf die Strecke. Es musste
eine nachhaltige Lösung her, denn anstehen lassen ging nicht.
Die recht pannenanfälligen
Triebzüge
suchten neue Arbeit. Dabei muss aber erwähnt werden, dass die Steuerung
und die
Stromrichter
wirklich gut funktionierten. Die Beschleunigung ohne
Fahrstufen
wurden nicht nur vom Personal geschätzt, sondern auch von den Reisenden.
Gerade bei hohen
Zugkräften
führt eine neue Stufe oft zum Verlust der
Adhäsion.
Mit der
Baureihe
RABDe 8/16 konnte in dem Fall etwas mehr übertragen werden.
Auf
der es auch keine Probleme mit den blöden Türen gab. Diese funktionierten
zuverlässig, aber wenn sich der Ka-sten der Last geschlagen gibt,
funktioniert auch die beste Türe nicht mehr und das war das grosse
Problem. Man fand die Strecke im Raum Winterthur. Nicht zu weit von der Hauptwerkstätte entfernt, aber sicher nicht mehr an der Goldküste. Die Wahl fiel auf die Strecke zwischen Winterthur, Etzwilen und Stein am Rhein.
Die Strecke durch ländliche Gegenden gehörte schon zu einer der
letzten mit
Fahrleitung
und das zeigt, wie be-scheiden das Aufkommen bei den Fahrgästen war, das
konnte sogar noch klappen, da auch das Personal rea-gierte. Kam es zu einer ausserordentlichen Belegung bemühte das Zugpersonal die Reisenden sich doch etwas im Zug zu ver-teilen. Damit stiegen die Chancen, dass die Einstiegstüren korrekt schlossen.
Jedoch waren längst nicht mehr nur die Türen das Pro-blem, auch
die andere Technik war nicht so stabil. Ein
Transformator,
der plötzlich schief unter dem Wagen hing, wurde nicht mehr optimal
gekühlt. Damit kam es zu Schäden und das bedeutete
Hauptwerkstätte.
Mittlerweile war auch die
Isolation
in den Fokus geraten. Diese wurde beim Bau mit
Spritzasbest
ausgeführt. Mittlerweile war bekannt, dass dieser zu Lungenkrebs führt und
daher wurde die Anwendung per Gesetz verboten. Wo er noch angewendet wird,
musste eine Sanierung erfolgen. Bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB
erfolgte das in den
Hauptwerkstätten
und davon betroffen waren auch die vier ungeliebten
Triebzüge.
Diese wäre nur mit Auswirk-ungen auf den Innenraum mög-lich gewesen. Daher blieben die Probleme. Der
Einsatz sorgte dafür, dass die zu gross dimensionierten
Triebzüge
auf der Strecke einigermassen zuverlässig funktionieren. Auch die
Kundschaft wusste, wo man sitzen kann und wo nicht.
Bei den Nummern 2001 und 2003 führte der Aufenthalt in den
Werkstätten dazu, dass sie einen Neuanstrich in den bekannten Farben der
Baureihe
RBDe 4/4 bekamen. Dank dem
ähnlichen Aussehen, konnten die beiden
Triebzüge
leicht mit den NPZ verwechselt werden. Wer jedoch in den Triebzug kam,
erkannte schnell, dass es nicht ein neuer
Pendelzug
war. Besonders dann, wenn die Flüssigkeit in der Flasche schief war.
Ein paar Jahre kam etwas Ruhe in die
Triebzüge.
Wobei das nicht heissen sollte, dass die Probleme besserten. Man jammerte
einfach nicht mehr und die
Meldung
wegen der gestörten Türe machte auch niemand mehr so schnell. Wenn es
ruhiger wurde im Zug funktionierte das Teil wieder besser. Wer den Fehler
bei den Kasten sucht, liegt richtig, aber das wollte man sich einfach
nicht eingestehen. Daher waren die Türen das Problem.
So wirklich glücklich war man auch in Winterthur nicht. Mit den
vier
Prototypen
ging es daher schnell bergab. Im Jahre 1992 waren dann die Probleme so
schlimm, dass es zur Abstellung kam. Der Grund waren nicht die Probleme,
aber man hatte genug Einheiten
RBDe 4/4 im Bestand und
so konnten die ungeliebten Einheiten aus dem Verkehr genommen werden.
Einen neuen Einsatz fand sich nicht, oder wurde auch nicht mehr gesucht.
Die doch noch recht neuen Modelle wurden nicht abgebrochen. Mit
einem Alter von gerade einmal 17 Jah-ren waren auch diese
Triebzüge
noch nicht reif für den Abbruch und so wartete das
Abstellgeleise.
Daher wurde nach einem Käufer gesucht, denn bei den Schweizerischen
Bundesbahnen SBB kamen sie nicht mehr in Betrieb.
Bis zum geplanten Verkauf wurden die vier Einheiten in Glarus und
Ennenda im Freien abgestellt. Jedoch zeigte sich schnell, dass der
Triebzug
einen so schlechten Ruf hatte, dass sich ein Käufer nicht finden wollte.
Der Preis, den man dabei verlangte entsprach jenem des Schrottes. Es war
also ein Schnäppchen und für wenig Geld gab es moderne Triebzüge.
Argumente, die aber niemanden sonderlich überzeugen konnten.
Als man sich schon damit abgefunden hatte, dass es für die
Triebzüge
keine Zukunft mehr geben wird, meldete sich die Mittelthurgaubahn MThB.
Deren Kürzel schon immer mit mittellose Thurgaubahn ausgesprochen wurde.
Dort benötigte man zur Entlastung des Bestandes vorübergehend einen
Nahverkehrszug.
Dieser Zug sollte anstehende
Revisionen
überbrücken. In der Not wandte man sich im Thurgau an die Schweizerischen
Bundesbahnen SBB.
So könnte einer der vier abgestellten
Triebzüge
zumindest noch vermietet werden. Jedoch war die vierteilige Einheit zu
gross, denn im Thurgau reisten nicht so viele Leute. Daher war eigentlich
ein dreiteiliger Triebzug ideal. Da es noch nicht so lange her war,
erinnerte man sich, dass man ja den B-Wagen ohne Probleme aus dem Verband
nehmen kann. Dann wäre der dreiteilige Triebzug für die MThB verfügbar
geworden.
So
verteilten sich die Fahrgäste im Zug etwas besser. Als Folge davon
funktionierten die
Einstiegstüren
etwas besser, als das noch an der Goldküste der Fall war. Daher wurde im
Kanton Glarus ein Wagen aus-gereiht. Die neu bepinselte Einheit mit der Nummer 2003 wur-de am 24. August 1993 in den Kanton Thurgau über-stellt und dort der MThB mietweise übergeben. So konnte man die Revisionen überbrücken.
Wie sich der
Triebzug
anstellte, ist nicht überliefert worden, jedoch kann angenommen werden,
dass er mit dem geringen Aufkommen beim Verkehr durchaus keine Probleme
hatte. Mit nur einem Zwischenwagen ging es noch flott voran. Nach dem Engpass wurde die Einheit im Jahre 1994 wieder an die Staatsbahnen übergeben. Danach wurde wieder auf einen Käufer gewartet.
Nur mit moderner
Triebzug
und einem Spottpreis konnte niemand ernsthaft geködert werden. Wenn es
Interessenten gab, dann stellten diese im Kanton Glarus die verbogenen
Kästen fest. Wer nur etwas Ahnung hatte, suchte dann nach einer pausiblen
Ausrede, das Fahrzeug doch nicht zu kaufen.
Nach drei Jahren wurde das Trauerspiel beendet. Auf den 30.
September 1997 erfolgte die offizielle
Ausrangierung.
Nach einem Leben von nur 21 Jahren war daher Schluss mit den völlig
missratenen
Triebzügen.
Noch tat man sich schwer, aber im Jahre 1998 wurden die vier
Prototypen
dem Schrotthändler verkauft und von diesem abgebrochen. Von der
Baureihe
RABDe 8/16 blieben nur noch Erinnerungen und die waren durchzogen.
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