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Druckluft und Bremsen |
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Kommen wir zum System mit der
Druckluft.
Dieses musste auch hier verbaut werden und es war umfangreicher, als bei
anderen Fahrzeugen. Eingebaut wurden die zur Erzeugung der komprimierten
Luft benötigten
Kompressoren
im
Triebwagen.
Da wir ja schon erfahren haben, dass diese identisch aufgebaut wurden, war
auch in jedem ein solches Bauteil vorhanden. In der weiteren Betrachtung
müssen wir diesen Umstand berücksichtigen.
Wie bei
Triebwagen
üblich, wurde hier der verfüg-bare Platz für die Reisenden benutzt. Daher
musste der
Kompressor
unter den Boden des Fahrzeuges verlegt werden. Ein Einbauort, der sich bei
Trieb-wagen bisher bewährt hatte und daher nicht verändert wurde.
Um zu verhindern, dass die Vibrationen des
Kompressors
auf den Kasten übertragen wurden, war er mit
Silentblöcken
befestigt worden. In der abgehenden Leitung wurde ein kurzes Stück
Schlauch eingebaut. So war das Gerät vom Rest entkoppelt und die
Erschütterungen des Kompressors wurden nicht übertragen. Akustisch war
jedoch zu hören, wenn dieser lief, denn eine solche
Isolation
ist nicht verbaut worden.
Verbaut wurde ein
Kolbenkompressor.
Bei diesem wird die unter dem Fahrzeug durch einen
Filter
bezogene Luft mit
Kolben
in die Leitungen gepumpt. Das Prinzip stammte von den
Luftpumpen
und daher wurde in dem Gerät kaum ein
Luftdruck
erzeugt. Dieser erhöhte sich erst, wenn in der angeschlossenen Leitung
weniger Luft bezogen wurde, als von Kompressor geschöpft werden konnte.
Jedoch hatte der Druckwechsel auch Nachteile.
Bedingt durch den
Druckabfall
schied die Luft ihre Luftfeuchtigkeit aus. Diese fiel in der Form von
Wasser an. Dieses kann nicht komprimiert werden und behinderte daher die
Versorgung mit
Druckluft.
Ein in der Leitung verbauter
Wasserabscheider
entzog der Luft die Feuchtigkeit. Auch wenn diese Geräte mittlerweile
besser arbeiteten, alles Wasser konnte nicht aus der Luft entfernt werden.
Daher waren überall Ablasshähne eingebaut worden.
Damit konnten
Ventile,
aber auch Leitungen ge-sprengt werden. Damit das nicht passierte, war ein
Frostschutzapparat eingebaut worden. Heute ist dieser eher als
Luftöler
bekannt. Die so aufbereitete Druckluft gelangte nun über ein einfaches Rückschlagventil in die Luftbehälter. Ein ebenfalls in dieser Leitung verbautes Überdruck-ventil beschränkte den Luftdruck im System auf ein-en Wert von zehn bar.
Wurde dieser überschritten, entwich die
Druckluft
ins Freie. Die Steuerung regelte den
Luftdruck
je-doch mit Werten von acht bis zehn
bar.
So war das
Ventil
nur zur Sicherheit eingebaut worden. Gefahr bestand bei manueller
Bedienung.
Die
Luftbehälter
bestanden aus zwei
Kesseln,
die mit einem Volumen von je 250 Liter versehen wa-ren. Es waren relativ
geringe Werte bei den Haupt-luftbehältern, aber der
Triebzug
hatte diese doppelt und er musste im Gegensatz zu
Lokomotiven
keine langen
Güterzüge
mit
Druckluft
versorgen. Daher waren diese passend ausgeführt. Diese Behälter glichen
kurze Mehrbezüge aus und dienten auch als wichtiger Speicher für die
Druckluft, beim remisierten Triebzug.
Um die Luft in den Behältern zu speichern, waren
Absperrhähne
vorhanden. Wie alle anderen nicht an einen bestimmten Ort gebundenen
Bauteile, befanden sich auch diese am zentralen
Luftapparategerüst.
Dieses war vor Jahren eingeführt worden und hatte sich bewährt. Daher
blieb es erhalten und dabei gab es an diesem
Luftgerüst
einen Unterschied zu den anderen
Baureihen,
denn die hier platzierte
Handluftpumpe
fehlte schlicht.
Wie bei den anderen
Baureihen
wurden sowohl der
Stromabnehmer,
als auch der
Hauptschalter
mit der vorhandenen
Druckluft
betrieben. Damit sind wir aber bereits bei den Verbrauchern angelangt. An den Hauptluftbehältern wurden zwei Leitungen angeschlossen. Dabei wurde eine davon zum im Luftgerüst montierten Druckreduzierventil geführt. Diese sorgte dafür, dass in der Leitung ein stabiler Luftdruck von sechs bar vorhanden war.
Es war die auf den
Triebwagen
beschränkte Appa-rateleitung. Benötigt wurde sie, für Bauteile, die mit
einem stabilen Druck arbeiten mussten. Wir sollten uns einige davon kurz
ansehen.
Neben den Bauteilen der elektrischen Ausrüstung wurden an dieser
Apparateleitung
die
Rückspiegel,
die
Luftfederung
und die
Einstiegstüren
angeschlossen. Der durch die Last veränderte
Luftdruck
in der
Luftfeder
wurde in dieser selbst reguliert, da ja nicht jedes Fahrzeug genau gleich
belegt und daher auch das Gewicht nicht gleich hoch war. Die
Federung
und die Türen der Zwischenwagen wurden an der zweiten Leitung
angeschlossen.
Es handelte sich dabei um die
Speiseleitung.
In ihr konnte sich der
Luftdruck
im Bereich von acht bis zehn
bar
bewegen. Sie wurde durch den ganzen
Triebzug
geführt und damit waren die
Kompressoren
der beiden
Triebwagen
mit dieser verbunden worden. Bei den Zwischenwagen wurden die Baugruppe
der
Apparateleitung
mit
Druckreduzierventilen
angeschlossen. So konnte man sich eine Leitung durch den Triebzug
ersparen.
Mit dieser
Kupplung
und dem
Hilfsluftkompressor
konnte genug
Druckluft
er-zeugt werden, dass der Zug ohne Probleme in Betrieb genommen werden
konnte.
Stromabnehmer
und
Hauptschalter
wurden an der
Speiseleitung
ange-schlossen. Neben diesen Verbrauchern der Druckluft waren auch die Spurkranz-schmierung, als auch die Lokpfeife an der Speiseleitung angeschlossen wor-den. Bei der Pfeife handelte es sich um die übliche Ausführung, wie sie auch bei anderen Baureihen verwendet wurde.
Der Klang des neuen
Triebzuges
wurde nicht verändert, das war erst der Fall, als schneller gefahren
wurde. Mit mehr als 160 km/h war die Pfeife nicht mehr ausreichend. Neben all diesen Baugruppen, die an der Druckluft angeschlossen wurden, dürfen wir den Verursacher dafür nicht vergessen. Auf den Fahrzeugen wurden die Systeme für komprimierte Luft wegen den Bremsen eingeführt.
All die bisher bekannten Nutzer gab es nur, weil
Druckluft
vorhanden war. Es wird daher Zeit, dass wir auch diesen wichtigen Bezüger
der verdichteten Luft kommen und bei den
Bremsen
wird es noch Überraschungen geben.
Ich beginne mit der einfachen
Rangierbremse.
Diese war hier vorhanden und was dabei speziell war, sie wirkte lediglich
auf den
Triebwagen.
Selbst der zweite am anderen Ende war nicht verbunden. Wie es der Name
schon sagt, wurde diese
direkte Bremse für den
Rangierdienst
benötigt und der konnte hier sogar so speziell sein, dass es diese
Bremse
brauchte und auch die Lösung, warum diese nur auf ein Fahrzeug wirkte.
Der Wagen verfügte nur über die
Kurzkupplung
und so musste einer der beiden
Triebwagen
als «Rangierlokomotive»
benutzt werden. Auch wenn der Wagen nur 25 Tonnen schwer war. So einfach
war dieser von Hand nicht zu bewegen und man hatte je den
Triebkopf.
Die im Betrieb genutzte
Bremse
war eine direkt wirkende
EP-Bremse.
Diese wirkte auf den ganzen Zug und sie war so aufgebaut worden, dass die
beiden
Triebwagen
nicht mit der
Druckluft
bremsten, wenn die
elektrische
Bremse aktiviert war. Sie wirkte daher immer mit dieser
zusammen und nur wenn nicht elektrisch gebremst werden konnte, kamen die
Triebwagen ebenfalls dazu. Dank der EP-Bremse ging das ohne Verzögerung.
Speziell war, die direkte
EP-Bremse
wirkte auch auf den ferngesteuerten
Triebzügen. Dazu wurde aber keine durchgehende Leitung
verlegt, sondern es wurde einfach das elektrische Signal gesendet. Wir
werden später noch erfahren, wie diese
Bremse
wirkte und was an dieser für Anforderungen gestellt wurden. Es war jedoch
so, die direkte EP-Bremse dieses Triebzuges war die im Normalfall benutzte
Bremse und das ändert sich nicht.
Weil mit den
direkten Bremsen grundsätzlich nicht gerechnet wird, müssen
wir die
Bremskraft
auf andere Weise prüfen. Mit der direkten
EP-Bremse
konnte maximal eine Kraft erzeugt werden, die bei der üblichen
automatischen Bremsen
der anderen
Baureihen
der
Vollbremsstellung
entsprach. Was das bedeutet, werden wir später noch ansehen, denn die
erwähnte automatische Bremse war wichtig, auch wenn sie nicht so oft
genutzt wurde.
Auch die Sicherungssysteme konnte nicht auf die EP-Bremse zugreifen. Deshalb wurde auf den Triebzügen ein drittes uns durchaus bekanntes Brems-system eingebaut. Es
handelte sich hier um die ganz nor-male
automatische Bremse.
Nur mit ihr konnte der geschleppte
Triebzug
gebremst werden. Bei der automatischen Bremse wurde in der Hauptleitung mit einem Brems-ventil ein Luftdruck erzeugt, der ein-em Wert von fünf bar entsprach.
Die Leitung wurde auch zu den auto-matischen Kupplungen geführt
und so konnte diese auch von bereits erwähnten Hilfstriebfahrzeug gefüllt
werden. Die entsprechenden Leitungen waren in der
Kupplung
vorhanden. Die
Bremsung
wurde mit absenken des
Luftdruckes
eingeleitet.
Da mit dem
Druckabfall
keine Erhöhung der Kraft erfolgen konnte, musste bei dieser
Bremse
ein
Steuerventil
verwendet werden. Daher sprach man hier auch von einer indirekten Bremse.
Das Steuerventil stammte aus dem Hause Oerlikon Bremsen und war von der
Bauart
Est4d. Dabei war eine Ausführung vorhanden, die mehrlösig war und die auch
als Hochleistungsbremse wirkte. Neben der
Personenzugsbremse
konnte auch die
R-Bremse
erzeugt werden.
Gesteuert durch die
Luftfederung
der Fahrzeuge konnte das
Steuerventil
den Druck korrigieren. Damit war eine
Lastabbremsung vorhanden, die es erlaubte, dass der
Triebzug
immer die gleiche Bremswirkung hatte. Die Besetzung der Wagen wirkte sich
nicht mehr aus. Weil wir später keine klassische
Bremsrechnung
machen, sei hier erwähnt, dass das
Bremsverhältnis
mit R 125% angegeben wurde. Das waren damals übliche Werte.
Dieses konnte aber weiterhin mit einem
Gestängesteller
der Abnützung angepasst werden und damit ist nahezu klar, welche
mechanischen
Bremsen
verbaut wurden.
Bremsgestängesteller
werden nur bei den
Klotzbremsen
benötigt. Die beiden Triebwagen hatten bei jedem Rad zwei Soh-lenhalter bekommen. In jedem waren zwei Bremssohlen erhalten. Auch wenn damals bereits Lösungen mit spe-ziellen Kunststoffen vorhanden waren, wurden Brems-klötze aus Grauguss verwendet.
Hier wirkten die Erfahrungen mit der
Baureihe
RABDe 12/12, die mit
Kunststoffklötzen Probleme mit den Rad-reifen hatte. Daher machte man hier
den offenkundige Schritt zurück.
Anders aufgebaut wurden die
Bremsen
der beiden Zwi-schenwagen. Hier wurden die
Drehgestelle
der neuen
Einheitswagen III
verbaut und diese waren für deutlich höhere Geschwindigkeiten ausgelegt
worden. Daher war bei den Zwischenwagen eine kombinierte Bremse vorhanden.
Jeder
Radsatz
besass dabei auf die Welle wirkende
Scheibenbremsen
und einen
Bremsklotz
aus Grauguss, der zusätzlich noch auf die
Lauffläche
wirkte.
Der Vorteil dieser Lösung war, dass der
Bremsklotz
die
Laufflächen
der
Räder
von Laub reinigte. Noch vertraute man den reinen Lösungen mit
Scheibenbremsen
nicht. Die kombinierte
Bremse
führte zu einem Effekt, der nicht erwartet werden konnte. Die
Bremskraft
nahm mit der
R-Bremse
in Vergleich zur normalen
P-Bremse
nicht so stark zu. Der Grund war die grössere
Leistung
der
Bremsscheiben,
die eigentlich für die
Bremsung
verantwortlich waren.
Damit nicht nur ein Rad gebremst wur-de, wirkte die Spindelbremse über eine Einrichtung auf alle Gestänge im Drehgestell.
Noch war eine normale
Bremse
vor-handen, denn nachfolgend sollten für diesen Zweck die deutlich
einfacheren Federspeicher verwendet werden. Damit haben wir das System für die Druckluft aufgebaut. Es fehlt eigentlich nur noch die Bremsrechnung und dazu müssen wir das Gewicht haben. Der leere Triebzug wog 149 Tonnen. Bei voller Besetzung stieg der Wert auf 181 Tonnen. Dank der bereits erwähn-ten Lastabbremsung wirkte sich das nicht aus.
Zudem habe ich versprochen, dass wir nicht rechnen. Das
Bremsvermögen
war ein Teil des
Pflichtenheftes
und dieses sehen wir nun an.
Bei der normalen Betriebsbremse, die bis zur
Vollbremsstellung
wirkte, musste eine Verzögerung von 0.75 m/s2
erreicht werden. Das waren Werte, die mit den damals üblichen
R-Bremsen
erreicht wurden. Auch wenn mehr möglich gewesen wäre, die Bremsausrüstung
wurde auf diese Werte ausgelegt. Hier konnte jedoch auch die
elektrische
Bremse dazu genommen werden. Die
Druckluftbremsen
mussten diese Belastung aushalten.
Wirkte die
Schnellbremse,
musste eine Verzögerung von 1 m/s2
erreicht werden. In dem Fall war jedoch nur noch die
automatische Bremse
aktiv. Es war das einzige System, dass die volle
Bremskraft
erzeugen konnte. Mit den hier im
Pflichtenheft
gemachten Angaben kann die Wirkung der
Schnellbremsung
deutlich aufgezeigt werden, denn hier setzt die Bremskraft schneller ein.
Höher wird sie jedoch nicht, aber das reicht aus.
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